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Praxis 1. Juni 2015

Einsperren darf sein

Gern verdrängt: Spital oder die eigene Ordination als Tatort.

Glücklicherweise kommt es bei uns so gut wie nie zu Gewalt in der Ordination, Diebstähle kommen allerdings vor. Teure Medikamente, medizinische Gerätschaften, Rezepte und Praxisstempel sind verlockend.

In eine Ordination einbrechen, kann sich lohnen, stehen oder liegen dort doch einige teure Gerätschaften herum, vom Blutschnelltester bis zum Otoskop. Am Land lockt die gut bestückte Apotheke des Gemeindearztes Langfinger an. Daher kreisen die meisten Fragen von Praxisinhabern an Chefinspektor August Baumühlner vom Kriminalpolizeilichen Beratungsdienst um das Thema Einbruchsicherung. Einbrecher in Arztpraxen sind laut Baumülhlner „Profis, die für einen bestimmten Absatzmarkt arbeiten, da steht meistens ein Hehler dahinter“. Hin und wieder locke auch die Handkassa.

Manchem Praxisinhaber oder Ordinationsgehilfen mag vor der Vorstellung grauen, einen Einbrecher auf frischer Tat zu erwischen Und wenn‘s doch einmal passiert? Darf man einschreiten, wenn man sich nicht selbst gefährdet, sagt Baumühlner. Erklärung: Jemand, der eine strafbare Handlung begangen hat – Sachbeschädigung, Diebstahl, Betrug oder Körperverletzung –, und daraufhin flüchten will, darf daran gehindert und festgehalten werden, bis die Polizei eintrifft. Geregelt ist das in der Strafgesetzordnung, Paragraf 80 Absatz 2. Der Experte: „Man muss wissen wie man das macht. Es gibt eine Verhältnismäßigkeit zu beachten. Wenn jemand etwas gestohlen hat, darf ich ihn deswegen nicht schwer verletzen, man spricht von einer Blaue-Flecken-Grenze.“

Wenn überhaupt. Denn die stressresistente aber dennoch zart gebaute Ordinationsassistentin sollte lieber nicht zur Selbsthilfe schreiten. Der Druck auf den elektronischen Alarmknopf, der die Polizei verständigt, würde genügen. „Eigensicherung ist das wichtigste, darauf weisen wir bei unseren Schulungen immer wieder hin. Nicht den Helden spielen.“ Aus aus juristischen Gründen: Denn mit allen Wassern gewaschene Profis können versuchen den Spieß umzudrehen, und unterstellen, der Praxisinhaber hätte bei der Durchsuchung der Taschen Geld entwendet. Bei Verdachtsfällen raten Polizisten zur Anzeige. In der Szene spreche es sich schnell herum, wenn eine Praxis nur lax auf Übergriffe reagiere und Diebstähle ohne Konsequenzen blieben.

Von Pfefferspray & Trillerpfeife

In einschlägigen Foren taucht der vermeintlich lebensnahe Tipp auf, Eindringlinge mittels Pfefferspray außer Gefecht zu setzen. Auch davon rät Baumühlner ab. „Pfefferspray in geschlossenen Räumen ist eine ganz schlechte Idee.“ Und die Trillerpfeife im Hosensack? Die diene eher zur Beruhigung des Trägers, quasi ein Plazebo für den Arzt.

Ganz anders stelle sich die Lage dar, wenn man nach dem Absperrren der Ordination auf dem Nachhauseweg auf offener Straße überfallen werde. Da sei Schreien wichtig. Eine Studie aus Hannover, die von der deutschen Ärztezeitung zitiert wird, habe gezeigt, dass zwei Drittel der Täter ihre Tat abbrechen, wenn sie verbal angegriffen werden. Lautes Geschrei treibe die meisten Angreifer in die Flucht und errege die Aufmerksamkeit anderer Menschen.

Kriminalpolizeiliches Beratungszentrum, Andreasgasse 4, 1070 Wien (Schauraum), Tel.: 01-31310-44938 oder 0800-21-63-46 (bundesweit zum Ortstarif), http://bit.ly/1FiR8aS

Martin Burger, Ärzte Woche 23/2015

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