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Praxis 26. Mai 2015

Nichts durchgehen lassen

Bei Diebstahl sollten Praxisinhaber sofort Anzeige erstatten, sogar einsperren bis die Polizei kommt, ist erlaubt.

Tatort Hausarztpraxis? Eine unangenehmen Vorstellung. Häufig handelt es sich um Drogenabhängige, die die Praxis schon kennen, oder Kleinkriminelle, die Geld, Medikamente, Rezepte oder Praxisstempel erbeuten. Ein Polizist gibt Tipps.

Marcus Dannapfel steht heute Rede und Antwort. Der deutsche Polizeibeamte ermittelt seit mehr als zehn Jahren in der Münchner Innenstadt, in der Nähe von Stachus und Hofbräuhaus. Beim 22. Heidelberger Tag der Allgemeinmedizin Anfang Mai gibt der Experte für Gewaltprävention Medizinern und Praxisangestellten Ratschläge, wie sie bei einem Überfall reagieren sollen. Eingeladen hat die Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Uniklinikums Heidelberg.

„Grundsätzlich gilt: Halten Sie Abstand zu gewaltbereiten Menschen. Wenn Sie dennoch angegriffen werden, überwinden Sie ihre Gewalthemmung und verteidigen sich entschlossen“, so Dannapfel. Notwehr sei immer erlaubt: „Auch wenn Sie Ihrem Gegenüber dabei im Eifer den Zahn ausschlagen, werden Sie dafür sicher nicht belangt.“ Eine gewisse Verhältnismäßigkeit sollte dennoch beachtet werden.

Diebstähle oder Überfälle in der Hausarztpraxis kommen zum Glück eher selten vor. Große Geldbeträge gibt es hier nicht zu holen, nennenswerte Betäubungsmittel-Mengen werden meist ebenfalls nicht in den Praxisräumen gelagert. Dennoch meldet sich wenige Minuten nach Beginn des Workshops bereits eine Medizinische Fachangestellte zu Wort: „Wir hatten kürzlich einige Diebstähle in der Praxis. In unserem Mitarbeiter-Aufenthaltsraum kam immer wieder Geld weg“, berichtet sie. Eines Morgens fällt ihr dann ein Patient im Treppenhaus auf. „Unsere Mitarbeiterräume liegen im Untergeschoss, die Behandlungsräume im oberen Geschoss der Praxis. Die junge Frau spricht den Mann an, will wissen, was er sucht. Der Angesprochene antwortet nicht. Der Praxischef wird von einer aufmerksamen Kollegin hinzugezogen. Er verweist den verdächtigen Mann schlussendlich der Praxis.

Auch an diesem Tag muss festgestellt werden, dass Geld in einem der Portemonnaies im Aufenthaltsraum fehlt. „Die Polizei rufen und eine Strafanzeige aufgeben, das wollte unser Doktor jedoch nicht“, berichtet die Praxisangestellte auf Nachfrage.

Festhalten ja - durchsuchen nein

Die Polizei in der Praxis, den Streifenwagen vor dem Haus, davor scheuen sich viele Praxisinhaber. Polizist Dannapfel rät geschädigten Ärzten bei Verdacht zur Anzeige: „In der Szene spricht es sich herum, wenn eine Praxis solche Übergriffe durchgehen lässt“, warnt er. Wird ein Dieb auf frischer Tat erwischt, gilt das Festnahmerecht für jedermann. „Sie können den oder die Täter in einem Sprechzimmer einschließen.“

Von Freiheitsberaubung könne keine Rede sein. Nicht erlaubt sei es, den Verdächtigen eigenhändig zu durchsuchen. Das müsse man der Polizei überlassen. Dannapfel: „Das ist auch besser, denn erstens ist es gefährlich, sich dem Täter allzu sehr zu nähern und zweitens sind diese Kandidaten oft mit allen Wassern gewaschen und drehen den Spieß sofort um. Dann kann es Ihnen passieren, dass Ihnen unterstellt wird, sie hätten bei der Taschendurchsuchung 300 Euro entwendet.“ Über die rechtliche Situation in Österreich lesen Sie nächste Woche.

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