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Praxis 9. März 2015

Knackpunkt Teamführung

Zufriedene Mitarbeiter bringen bares Geld.

Arbeitnehmer, die unzufrieden sind, sind nicht nur häufiger krank, sie sind auch unproduktiver. Das wirkt sich negativ auf den Praxiserfolg aus. Dabei können Praxischefs schon mit wenigen Mitteln für mehr Zufriedenheit und höheren Umsatz sorgen.

Gute Mitarbeiterführung ist einer der wichtigsten Schlüssel für den Erfolg einer Arztpraxis. „Um Ihre Praxisziele nachhaltig und dauerhaft zu erreichen, ist entscheidend, dass Mitarbeiter als Menschen mit all ihren Talenten und Potenzialen entdeckt und gefördert werden“, sagt Praxiscoach Dietmar Karweina aus Overath, Deutschland.

Die immateriellen Werte seien das Vehikel jeder Strategie. Das belegen auch Studien. So befragt das Gallup Institut seit 2001 jährlich deutsche Arbeitnehmer ab 18 Jahren. Die repräsentative Befragung zeigte in 2010, dass neun von zehn Befragten mit hoher emotionaler Bindung ans Unternehmen eher bereit sind, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen.

Warum Fehler in der Mitarbeiterführung teuer kommen können

Die Erhebung in 2013 führte ans Licht, dass schlechte Mitarbeiterführung – und somit Unzufriedenheit der Mitarbeiter – dem Unternehmer bares Geld kostet: Beschäftigte ohne emotionale Bindung weisen demnach 3,5 Fehltage mehr auf als emotional hoch gebundene Mitarbeiter, und sind zusätzlich auch weniger produktiv. Für ein Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitern entstehen laut dem Gallup-Institut auf diese Weise jährliche Mehrkosten von etwa 307.000 Euro. Heruntergerechnet auf Betriebe mit zehn Mitarbeitern sind es immer noch rund 3.000 Euro.

Nach der Erhebung 2013 verspürten 67 Prozent der Arbeitnehmer eine geringe und 17 Prozent gar keine emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen.

Zu wenig Feedback rächt sich

Doch wie lässt sich die Unzufriedenheit und im schlimmsten Fall die „innere Kündigung“ verhindern? „Häufige Schwachstellen sind, dass Lob und Anerkennung für gute Leistung zu selten ausgesprochen werden“, so Karweina. „Aber auch dass ein regelmäßiges und persönliches Feedback fehlt und vom Praxischef wenig Interesse für Vorschläge und Ideen der Mitarbeiter gezeigt wird.“

Dabei macht es der Alltagsstress in der Arztpraxis nicht immer leicht, gute Leistungen nicht einfach nur hinzunehmen, sondern positiv zu würdigen, da der Praxischef häufig selbst unter Druck steht. Und weil gerade in der allein geführten Praxis an den Chef selbst kein Lob herangetragen wird, geht nicht selten auch die Sensibilität für die Belange des Teams verloren. „Motivieren Sie sich selbst“, sagt Karweina daher. „Fordern Sie von Ihren Mitarbeitern aber auch Unterstützung, Zusammenarbeit, Engagement und Verbindlichkeit.“ Dann findet gegenseitiges Lob fast von alleine statt.

Außerdem schafft der Praxischef so automatisch eine Atmosphäre, in dem auch Vorschläge seiner Mitarbeiter Platz finden.

Praxisinhaber sollten aber auch selbst kritikfähig sein. „Das macht sie authentischer“, so der Praxiscoach. Die Mitarbeiter dürfen zudem keine Angst vor Fehlern haben. „Regen Sie Lösungen durch Fragen bei ihren Mitarbeitern an und überlassen Sie diesen die Verantwortung für das Beheben der Fehler.“ Auch dies stärkt wieder das Wir-Gefühl, wenn nicht vorrangig ein Schuldiger gesucht wird, sondern der Lösungsansatz und die künftige Fehlervermeidung in den Vordergrund rückt.

Ohne klare Ziele geht nichts

Das Praxisteam benötigt, um als solches zu funktionieren aber noch etwas: klare Ziele. Karweina: „Diese sollten allen Teammitgliedern bekannt sein, denn erst so wird das Ziehen an einem Strang wirklich möglich.“ Dabei sollten die Ziele so konkret wie möglich gefasst werden. „Definieren Sie Messgrößen. Zum Beispiel, wie viele Präventionsangebote genau Sie durchführen wollen“, erklärt er. Dazu müssen unweigerlich der Ist-Zustand und die daraus resultierende Veränderungsnotwendigkeit vom Team dokumentiert werden.

„Das Ziel muss aber auch realistisch sein“, betont Karweina. Sonst wird es von den Mitarbeitern blockiert und wirkt irgendwann demotivierend. „Besprechen Sie das mit Ihren Mitarbeitern, damit sie sich mit dem Ziel identifizieren“, mahnt der Praxiscoach.

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