zur Navigation zum Inhalt
© weerapat1003 / fotolia.com
Selbst aus dem harten Boden der Wirtschaft können Pflänzchen der Ethik und Moral sprießen.
 
Praxis 8. März 2015

Geld oder Ethik?

(Klein-)Unternehmen können auch moralisch geführt werden.

Gerade Ärztinnen und Ärzte befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen ethisch-medizinischen Grundsätzen und wirtschaftlichem Handeln. Schließlich ist eine Arztpraxis auch ein Unternehmen, das finanziell auf gesunden Beinen stehen sollte.

Ärztinnen und Ärzte, die moralisch und ethisch führen, befinden sich häufig in einem Konflikt mit ihren wirtschaftlichen Zielen. Dennoch lohnt es sich, das eigene Handeln zu hinterfragen und Entscheidungen verantwortungsvoll abzuwägen. Denn moralisches Verhalten bringt Unternehmen Vorteile.

Mitarbeiter mit einer ausgeprägten moralischen Persönlichkeit engagieren sich stärker für ihr Unternehmen als solche, bei denen ethische Aspekte eine untergeordnete Rolle spielen. Dies ist das Ergebnis einer Studie der amerikanischen Psychologin Taya Cohen. Die Professorin, die an der Carnegie Mellon University lehrt, untersuchte gemeinsam mit ihren Kollegen moralische Eigenschaften von Arbeitnehmern wie Ehrlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Feinfühligkeit, Selbstbeherrschung und die Auswirkungen auf deren tägliche Arbeit. „Moralische Personen schädigen das Unternehmen weniger, verhandeln fair und werden seltener straffällig, so die Ergebnisse, die im „Journal of Personality and Social Psychology“ publiziert wurden.

Dilemma zwischen Unternehmenszielen und ethischer Führung

„Die Moral bezeichnet die in einer Gruppe geteilten oder internalisierten Verhaltensnormen. Die Ethik sucht darüber hinaus nach allgemein gültigen handlungsleitenden Prinzipien. Die Moral ist damit abhängig von gesellschaftlichen und historischen Gegebenheiten,“ erläutern die Springer-Autoren Michael Paschen und Erich Dihsmaier im Buchkapitel „Führung, Erfolg und Moral“ (siehe Buchtipp). Dabei ist moralisches Verhalten von Mitarbeitern letztlich abhängig vom Verhalten ihrer Führungskräfte. Diese befinden sich allerdings in einem Dilemma. Sie sind „von Gegnern ihrer Ziele umgeben und von eingeschränkten Ressourcen, mit denen Sie Ihre Ziele erreichen müssen. Wenn sie ihre Ziele durchsetzen, verursachen Sie damit anderen Menschen im metaphorischen Sinne Kosten.“ Anderen Menschen „Kosten verursachen“ bedeutet, dass Führungskräfte gegenüber ihren Mitarbeitern schuldig werden.

Auswirkungen des eigenen Handelns hinterfragen

Die Autoren veranschaulichen dieses Problem mit folgendem Beispiel: Wenn ein Ordinationsinhaber zwei Mitarbeiter hat, die beide als junge Familienväter während der Osterferien in Urlaub fahren wollen, die Präsenz einer der beiden Mitarbeiter aber dringend im Team gebraucht wird, um den Betrieb nicht zu gefährden, steht der Chef strukturell vor dem gleichen Dilemma. Auch in diesem Fall ist es nicht möglich, nur Nutzen zu stiften. Irgendjemand wird dafür „bezahlen“. Entweder es „bezahlt“ die Praxis, die sich mit einem eingeschränkten Service zufrieden geben muss, oder es „bezahlt“ einer der jungen Familienväter, dem der Wunsch nach Urlaub mit der Familie nicht gewährt werden kann.

Die Frage ist, wie Führungskräfte solche Situationen auflösen können. Die Antwort darauf: Ein ausschließlich ethisches Verhalten, das immer allen Beteiligten gerecht wird, ist nicht möglich. Wichtig ist es aber, dass Chefs sich bewusst machen, welche Auswirkungen ihr eigenes Handeln auf andere hat und dass sie dieses verantwortungsvoll abwägen.

Moral muss sich lohnen

Diese Prämisse gilt auch für das wirtschaftliche Handeln insgesamt. Im Buchkapitel „Moral in der Marktwirtschaft: Hat der ‚ehrbare Kaufmann‘ ausgedient?“ (Corporate Social Responsibility – Verbindliche Standards des Wettbewerbsrechts?, Springer 2014) schreibt Christoph Lütge, das sich Moral für Unternehmen lohnen muss, sonst könne sie am Markt nicht bestehen. Das gilt auch für Corporate-Social-Resonsiblity-Maßnahmen. Die Umsetzung solcher Maßnahmen hat in Unternehmen langfristig nur dann eine Chance, wenn sie zur Wertsteigerung des Unternehmens beitragen. Und was für die großen Konzerne gilt, kann auch auf die kleinen Praxen heruntergebrochen werden.

 

RM/springerprofessional.de, Ärzte Woche 10/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben