zur Navigation zum Inhalt
Dr. Christoph Völkl, öffentlicher Notar, www.notar-voelkl.at
 
Praxis 9. Februar 2015

Ordinationsübernahme, Teil 2

Rat vom Notar

Die Nachfolge einer Kassenordination muss in Österreich grundsätzlich ausgeschrieben werden.

Für junge Ärzte ist primär die Frage zu klären, ob der berufliche Start in die Selbstständigkeit durch Übernahme einer bestehenden Ordination (dann wohl meist einer Kassenordination) oder durch Eröffnung einer Wahlarztordination erfolgen soll.

Dieser Umstand erklärt auch die schwierige Ausgangslage des Übergebers: Bei Übergabe einer Kassenordination hat der ärztliche Berufsstand – im Gegensatz zu anderen Freiberuflern wie etwa Steuerberatern oder Rechtsanwälten – insofern einen Nachteil, als der Ordinationsnachfolger nicht frei gewählt werden kann.

Auf Basis der in jedem Bundesland separat existierenden Gesamtverträge zwischen den Sozialversicherungsträgern einerseits und den jeweiligen Landesärztekammern andererseits ist die Nachfolge in einer Kassenordination grundsätzlich auszuschreiben und der Nachfolger anhand der Regelungen eines einigermaßen komplexen Punktesystems zu ermitteln. Mit dem dann ausgewählten Kandidaten kann der sich zurückziehende Ordinationsinhaber in Verhandlungen treten. Kommt es zu keiner Einigung, erhält der Kassenplanstellennachfolger (zumindest nach den Regelungen in den meisten Gesamtverträgen) die Kassenplanstelle dennoch und kann sich an einem anderen Standort niederlassen. Der Ordinationsinhaber geht in diesem Falle leer aus.

Eine Variante, um als Ordinationsinhaber dennoch eine wirtschaftliche Gegenleistung bei Aufgabe der Ordination erhalten zu können, stellt die Gründung einer Gruppenpraxis dar. Die Möglichkeit der Gründung einer Gruppenpraxis wird in den späteren Teilen näher beleuchtet werden.

Bei der Veräußerung einer Wahlarztordination unterliegt der Ordinationsinhaber dagegen den oben angeführten Beschränkungen nicht und kann mit dem Übernehmer der Ordination den Kaufpreis frei verhandeln. Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass aufgrund der stark personengebundenen Wahlarzttätigkeit das Halten des Patientenstockes für den Ordinationsübernehmer nicht einfach zu bewerkstelligen sein wird. Daher bietet sich in diesem Fall eine Zusammenarbeit des Ordinationsinhabers mit dem Ordinationsübernehmer – etwa über eine Vertretungstätigkeit – über eine gewisse Zeit an.

Eine gesellschaftsrechtlich abgesicherte Zusammenarbeit zwischen Übergeber und Übernehmer gewährleistet einerseits eine geordnete und über eine vordefinierte Periode laufende Übertragung aller Agenden, und andererseits die weit höhere Chance, einen Patientenstock durch den Übernehmer in Zukunft zu halten. Fortsetzung folgt!

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben