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© nenetus / fotolia.com
Man muss nicht darüber glücklich sein, dass die Jungen v.a. über mobile Geräte kommunizieren, nutzen sollte man die Tatsache trotzdem.
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Praxis 9. Februar 2015

Patientenkommunikation wird mobil

Junge Patienten erreicht man auf digitalen Kanälen - Risiko und Chance.

Für die jüngere Generation wird das Smartphone immer mehr zum Kommunikationsmittel Nummer eins. Ärzte sollten diesen Trend nutzen, gute Gründe dafür gibt es einige.

Neun von zehn Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren besitzen bereits ein eigenes Smartphone. Für nahezu 90 Prozent der 16- bis 18-Jährigen ist es zudem das wichtigste Zugangsgerät zum Internet. Dies gilt aber auch schon für 44 Prozent der Zehn- und Elfjährigen. Das zeigt die aktuelle Studie „Jung und vernetzt - Kinder und Jugendliche in der digitalen Gesellschaft“ des Hightech-Verbands Bitkom.

Im Rahmen der repräsentativen Studie wurden 962 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren befragt. Dabei bezieht die junge Generation einen Großteil ihrer Informationen aus dem Internet: Bereits bei den Acht- bis Neunjährigen liegt der Anteil derjenigen, die das Internet nutzen, bei 76 Prozent. Von den Zehn- und Elfjährigen nutzen 94 Prozent das Internet.

Fast 100 Prozent online

Ab 16 Jahren sind laut der Bitkom-Studie faktisch alle Jugendlichen online. Damit sind bereits junge Patienten ab elf Jahren für Praxen per Smartphone und Internet mit am besten zu erreichen. Das gilt für Präventionsangebote, aber eben auch für die Hilfestellung bei chronischen Erkrankungen.

Schon Zwölfjährige sind täglich im Web

Denn für Jugendliche ist es wesentlich schwieriger, feste Therapie-Rhythmen einzuhalten. Da kommen Schulstundenpläne, Treffen mit Freunden, Partys oder einfach nur das interessantere Computerspiel und das Posten von Nachrichten auf Facebook dazwischen. Gerade das Zeitfenster, in dem sich die Teenager im Internet befinden, könnten Praxisteams aber gezielt innerhalb der Therapie nutzen.

Schon im Alter von zehn, elf Jahren sind die meisten Kinder mehrmals pro Woche im Internet, so das Ergebnis der Bitkom-Studie. Drei von vier Teenagern im Alter von zwölf und 13 Jahren sind mindestens einmal täglich online. Bei den 14- und 15-Jährigen sind es schon 89 Prozent, bei den 16- bis 18-Jährigen 97 Prozent.

Jeder Zweite sucht aktiv nach Infos

Was könnten diese Daten für die Praxen bedeuten? Zunächst einmal sollte Ihre Website mit entsprechenden, für Teenager aufbereiteten Infos bestückt werden. Sie sollte aber auch ein mobilfähiges Format haben, damit sie sich problemlos und schnell über das Smartphone aufrufen lässt. Hilfreich können in der Kommunikation bzw. Aufklärung zu chronischen Erkrankungen in Form von Videos sein. Die lassen sich relativ unkompliziert über YouTube ins Netz stellen und auch auf der eigenen Praxiswebsite integrieren. Schließlich sind Filme und Videos die Online-Anwendung Nummer eins für Teenager. Drei Viertel der Kinder und Jugendlichen bis 18 schauen sich im Web liebend gerne Filme und Videos an oder laden diese herunter.

Knapp über die Hälfte sucht im Web zudem aktiv nach Informationen, die sie interessieren. Daher sollten Arztpraxen nicht nur auf ihrer Website insbesondere für chronisch kranke Jugendliche Links zu seriösen Hilfs- und Infoangeboten platzieren.

Ärzte oder medizinische Fachangestellte sollten sich auch im Gespräch mit Jugendlichen Zeit nehmen, um über hilfreiche Informationsangebote im Internet zu sprechen. Und vielleicht auch Tipps bzw. Linklisten zu Selbsthilfegruppen oder digitalen Tagebüchern für die jeweilige chronische Erkrankung geben. Sehr technikaffine Praxen könnten zusätzlich darüber nachdenken, eigene App-Angebote zu erstellen. Zumindest könnten sie seriöse und datensichere Angebote empfehlen.

Gesundheits-Apps durchaus gefragt

Das macht nicht nur bei Teenagern Eindruck. So zeigen Umfragen, dass viele User das Sammeln persönlicher Körper- und Fitnessdaten über Apps, Smartwatches oder Aktivitätstracker gut finden. Nur knapp jeder Fünfte lehnt nach einer deutschen Umfrage digitale Gesundheitshelfer ab. 62 Prozent würden die damit gewonnenen Daten auch ihrem Arzt zur Verfügung stellen. Besonders interessant für Jugendliche sind digitale Angebote, bei denen sie Fotos hochladen können. Bei Jugendlichen mit Adipositas könnte dies etwa ein Tagebuch, in dem die Mahlzeiten per Bild festgehalten werden, sein.

SMS weiterhin beliebtestes Tool

Aber auch die ganz gewöhnliche Kommunikation via SMS sollten Praxen im Umgang mit jungen Patienten nicht vernachlässigen. So kann etwa die Terminerinnerung oder die Info zu einem Präventionsangebot via SMS laufen. Auch das zeigt die Bitkom-Studie: SMS, MMS und Messaging-Dienste sind bei den Teenagern nach wie vor die meist genutzte Smartphone-Funktion (94 Prozent). Für SMS oder gar die Variante mit Foto (MMS) gilt allerdings: Die Praxis sollte sich für Infos und Erinnerungen zuvor die Einverständniserklärung nicht nur des Jugendlichen, sondern auch eines Erziehungsberechtigten einholen.

Die Bitkom-Studie „Jung und vernetzt – Kinder und Jugendliche in der digitalen Gesellschaft“ kann unter www.bitkom.org (Menüpunkt: Studien und Grundsatzpapiere) eingesehen werden.

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