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Darum prüfe, wer sich ewig bindet. Der gute Router schützt auch das Patientengeheimnis.
 
Praxis 19. Jänner 2015

WLAN im Wartezimmer

Wer darf auf Ihrer Welle surfen? Es kommt auf den richtigen Router an.

Ärzte und Kliniken, die Patienten in Wartezimmern oder auf der Station WLAN anbieten möchten, dürfen dabei technische und haftungsrechtliche Fragen nicht außer Acht lassen.

Der Lesezirkel kommt allmählich in Bedrängnis: Gerade jüngere Patienten vertreiben sich die Zeit im Wartezimmer heute fast ausnahmslos mit ihren Smartphones. Und zu stationären Klinikaufenthalten bringen die Patienten nicht selten ihre Tablets oder Notebooks mit.

Dabei sind Arztpraxen und Kliniken in puncto Mobilfunkempfang eher problematische Umgebungen: Abschirmungen durch Bausubstanz und technische Einrichtungen verschlechtern den an vielen Standorten ohnehin schwierigen „In-House-Empfang“ zusätzlich.

Motiviert vom Servicegedanken, überlegen manche Ärzte und Krankenhausbetreiber deshalb, ihren Patienten gezielt den Zugang ins Internet per WLAN (drahtloses lokales Netzwerk) anzubieten.

Nur getrennt vom Praxissystem

Doch dieser an sich naheliegende Gedanke stellt die Betreiber bei näherer Prüfung vor neue Herausforderungen. Denn während die Patienten einen ungestörten und leistungsfähigen Zugang zum Internet schon fast als selbstverständlich voraussetzen, gibt es für Praxen und Kliniken mehrere Fragen zu berücksichtigen: Wie lässt sich gewährleisten, dass der für die Patienten zugängliche Internetanschluss zuverlässig von den Daten- und Laufwerksfreigaben der Praxis- oder Kliniksysteme isoliert bleibt? Oder wie kann man die WLAN-Versorgung technisch so auslegen, dass sie an den benötigten Empfangsorten wie Wartezimmer oder Stationen auch mit ausreichender Qualität und Leistung zur Verfügung steht?

Hinzu kommen nicht unerhebliche haftungsrechtliche Aspekte. Werden über einen Internet-Anschluss illegale Angebote abgerufen oder gar ins Netz eingestellt – etwa Raubkopien, verbotene pornografische oder politisch radikale Inhalte – und ist der tatsächlich verantwortliche Nutzer nicht zu ermitteln, könnte dies den Anschlussinhaber in arge Bedrängnis bringen.

Gastzugang schafft Sicherheit

Eine technische Lösung, mit der sich die geschilderten Probleme umschiffen lassen, ist die in manchen Routern beziehungsweise WLAN-Basisstationen angebotene Funktion „WLAN-Gastzugang“. In dieser Betriebsart erzeugt die WLAN-Basis ein eigenes Funknetz für die Nutzung durch die Patienten und sorgt mit einem speziell konfigurierten Filter (beziehungsweise Firewall-Funktionen) dafür, dass dieses eigenständige WLAN vom restlichen Praxis- oder Klinik-Netzwerk getrennt bleibt. Zudem können die Filterfunktionen den öffentlich nutzbaren Internet-Zugang so weit einschränken, dass der Betreiber vor den größten haftungsrechtlichen Risiken geschützt wird.

Um dies zu erreichen, lässt sich das WLAN-Gastnetz so konfigurieren, dass die Patienten nur ganz bestimmte Internet-Funktionen wie zum Beispiel E-Mail und Webzugriffe nutzen können. Problematische Funktionen wie der Download und Upload aus Filesharing-Börsen (also Plattformen zum Tausch von potenziell urheberrechtlich geschützten Medieninhalten wie Musik oder Filme) werden dagegen gesperrt. Die Problematik des möglichen Zugriffs auf verbotene Inhalte im Web lässt sich zudem über konfigurierbare Filter entschärfen, die von den Herstellern in erster Linie mit der Zielsetzung Kinder- und Jugendschutz eingebaut wurden. Im Internet lassen sich einige Datenbanken finden, die bedenkliche Internetangebote auflisten und sich gut als Grundlage entsprechender Sperr-Funktionen verwenden lässt.

Um zu vermeiden, dass diese Liste mögliche Interessenten überhaupt erst auf „interessante“ Fundstellen aufmerksam macht, bleibt ihr Inhalt unsichtbar und wird von der Sperrfunktion automatisch und im Hintergrund berücksichtigt.

Router dazwischen schalten

Mittlerweile geben spezielle Router, die vorab einen Missbrauch verhindern können. Die Geräte lassen sich dann entweder zusätzlich zur bereits installierten Internet-Technik der Praxis oder Klinik betreiben, wobei sie als „WLAN-Access-Point“ die vorhandene Internet-Leitung mit benutzen. Oder sie können bei kleineren Praxen oder Kliniken auch die komplette Internet-Versorgung übernehmen und dann neben dem separat betriebenen Patienten-WLAN auch Funk- und/oder Festnetz-Zugänge zum Datennetz für die ärztlich genutzten PCs und Geräte bereitstellen. Dabei bietet die Betriebssoftware diverser Router weitere nützliche Funktionen. So lässt sich die Verfügbarkeit des Gastzugangs etwa auf bestimmte Zeiträume einschränken, etwa die Öffnungszeiten der Praxis, oder um die in einer Klinik definierte Nachtruhe durchzusetzen. Eventuell kann der in der Praxis oder Klinik eingesetzte Router ebenfalls ein Gastnetz aufbauen. Es lohnt sich also, beim Anbieter nachzuhaken.

So funktioniert das Gast-WLAN

Der Router baut ein virtuelles WLAN auf. Über Smartphone, Tablet-PC oder Notebook können sich die Patienten mit dem virtuellen Netz verbinden und dann über den Router ins Internet gelangen. Dabei ist das Gast-WLAN vom Haupt-Netzwerk getrennt.

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