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„Ärzte ohne Grenzen“ engagiert sich in vielen Krisengebieten und behandelt jährlich mehr als eine Million Patienten gegen Malaria.
© Patrick Fuller / IFRC

Ein Rot-Kreuz-Mitarbeiter während der Aufräumarbeiten nach dem letzten großen Beben in Japan.

 
Praxis 14. November 2014

Im Dienste der Ärmsten und Verfolgten

Aufgrund vieler internationaler Krisen werden immer mehr Ärzte für Hilfseinsätze benötigt.

Die Mitarbeit bei einer Hilfsorganisation vertieft das medizinische Wissen und ermöglicht emotionale Erfahrungen, die einem der normale ärztliche Alltag in Mitteleuropa kaum bieten kann. Das Salär ist freilich niedrig. Aktuell sucht „Ärzte ohne Grenzen“ etwa einen Radiologen für einen Einsatz in Usbekistan. Geboten wird ein Arbeitsvertrag mit einem monatlichen Bruttogehalt von 1.071 Euro. Auch andere Organisationen suchen Mitarbeiter, die vor allem eines möchten: anderen Menschen helfen.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières, MSF) erhielt im Jahr 1999 den Friedensnobelpreis. Die Organisation hilft Menschen in Not, unabhängig von ihrer politischen und religiösen Anschauung sowie ihrer ethnischen Herkunft. Um den notwendigen Herausforderungen im Einsatz entsprechen zu können, ist eine Mischung aus Engagement, Idealismus und Professionalität erforderlich, das ist der Anspruch den MSF an sich und seine Mitarbeiter stellt.

Die Bewerbung für ein befristetes Engagment verläuft in drei Schritten: Erstens, die Teilnahme an einem Info-Abend (das geht im Übrigen auch online). Zweitens, die Zusendung der Bewerbungsunterlagen (v.a. Lebenslauf und Diplome). Im dritten Schritt werden geeignete Kandidaten zu einem Gespräch vor ein Assessment Center eingeladen, erklärt Isabelle Weisswasser-Jorrot, Leiterin der Personalabteilung. Dabei müssen verschiedene Aufgabenstellungen alleine oder in der Gruppe gelöst werden. Voraussetzung für einen Einsatz bei MSF sind allerdings ein abgeschlossener Turnus. Fachärzte müssen ihre Facharzt-Ausbildung abgeschlossen haben. Eine weitere Voraussetzung für Allgemeinmediziner ist, dass sie einen tropenmedizinischen Kurs absolviert haben müssen. Arbeitserfahrung in den Tropen gilt als Äquivalent und wird ebenfalls akzeptiert.

Sprachbegabte bevorzugt

Verpflichtend ist fließendes Englisch. Französisch und weitere Sprachen (vor allem Arabisch) sind jedoch sehr gefragt. Interessenten sollten bereit sein, mindestens sechs Monate auf Einsatz zu gehen – für Fachärzte sind auch kürzere Einsätze möglich. Generell ist ein Engagement von insgesamt einem Jahr im Feld (also zwei Einsätze) üblich und wünschenswert. Hauptsächlich werden Allgemeinmediziner, Kinderärzte, Gynäkologinnen (vor allem weibliche), Chirurgen, Anästhesisten und Epidemiologen gesucht. Das Gehalt beträgt rund 1.000 Euro netto pro Monat . Außerdem übernimmt MSF die Kosten für Vorbereitungen, Impfungen, Visum, Transport, Unterkunft und Verpflegung. MSF ist derzeit in mehr als 60 Ländern tätig, pro Jahr gehen rund 2.600 Mitarbeiter auf Einsatz und arbeiten mit 30.000 lokalen Mitarbeitern zusammen.

Ebola und andere Krisen

Aktuell engagiert sich MSF besonders im Rahmen der Ebola-Epidemie in Westafrika, aber auch die Krisenherde im Südsudan und Kongo, Haiti, Swasiland (HIV und Tuberkulose), Myanmar, Äthiopien, Irak, Afghanistan und einige mehr halten MSF in Bewegung.

Anstellung beim (Internationalen) Roten Kreuz

Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) ist mit 7.000 hauptberuflichen und rund 60.000 freiwilligen Mitarbeitern eine von weltweit 189 Rotkreuz- bzw. Rothalbmond-Gesellschaften. Zu den Hauptaufgaben des ÖRK zählen Rettungsdienst, Pflege und Betreuung, Blutspende, Katastrophenvorsorge, Katastrophenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Dafür werden auch Ärzte, die für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Krisenregionen arbeiten und Tropenmediziner rekrutiert. Grundsätzlich bedarf es eines Studiums der Humanmedizin, einschlägige Erfahrung und eine für die Einsatzbereiche des RK relevante Facharztausbildung oder Spezialisierung. Außerdem gibt es interne Fort- und Weiterbildungen, z. B. im Bereich Trinkwasser und Hygiene. Gefragt ist darüber hinaus eine mindestens drei jährige Berufserfahrung. Möglich ist eine Anstellung beim IFRC (International Federation of Red Cross oder des International Committee of the Red Cross, ICRC).

Kostenfreie Schulungen

Die individuelle inhaltliche Vorbereitung erfolgt in einem persönlichen Briefing-Gespräch mit den jeweiligen Fachexperten oder durch Kurse, die im Rotkreuznetzwerk angeboten werden. Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie ist dies eine Schulung im Umgang mit Ebola-Patienten, die Aufrechterhaltung der medizinischen Grundversorgung oder Hygieneschulungen, um ein Ansteckungsrisiko zu minimieren. Entsendungen in Projekte der Entwicklungszusammenarbeit dauern ein halbes bis ein Jahr, medizinische Leitungsfunktionen (z. B. Hospital-Manager) in der Regel zwölf bis 24 Monate Die Honorierung erfolgt nach dem Gehaltsschema des ÖRK, abhängig von der Berufserfahrung des Bewerbers. Grundgehalt plus „All-in“ zur Überstundenabgeltung. In den meisten Ländern ist die Auszahlung lohnsteuerfrei.

Malteser setzen auf Internationalität

„Bei den ‚Malteser International‘ arbeiten wir auf lokaler Ebene sehr eng mit Gesundheitsstrukturen und Behörden zusammen, die wir nicht nur unterstützen sondern auch ausbilden. Als Malteser betreiben wir keine eigenen Krankenhäuser und stellen daher auch keine internationalen Mediziner ein, sondern haben große Teams mit lokalen Gesundheitsfachkräften wie Ärzten und Krankenschwestern“, erklärt Sonja Greiner, Personalreferentin der Europazentrale. Die Bewerbungen erfolgen unter anderem über Stellenausschreibung über ein Online-Portal (www.malteser-international.org). Dort gibt es ebenfalls die Möglichkeit zur Initiativbewerbung.

„Für einen Auslandseinsatz erwarten wir eine abgeschlossene Ausbildung, entsprechende Berufserfahrung, Tropentauglichkeit, körperliche Belastbarkeit, Flexibilität und Teamgeist. Gute Englischkenntnisse und Französisch sind erwünscht sowie Arbeitserfahrung in einem Entwicklungsland“, sagt Greiner. Für die Koordination von medizinischen Projekten wird zudem eine Zusatzqualifikation in Public Health und Erfahrung im Projektmanagement verlangt.

Vorbereitung in aller Welt

Die Experten werden sowohl in der Zentrale in Köln als auch in einem der Länderbüros vor Ort auf den Einsatz vorbereitet. Die Einarbeitung besteht aus einer mehrtägigen/-wöchigen Einführung in das Projekt sowie in länderspezifische Thematiken. Vor Ort befinden sich in der Regel nur ein bis zwei internationale Mitarbeiter, die für die Beratung und Administration zuständig sind. Der ärztliche Leiter ist der Ansprechpartner und Berater für das lokale medizinische Personal bzw. die Partnerorganisation.

Medizinische Fachkräfte werden von den Maltesern derzeit im Projekt für syrische Flüchtlinge im türkischen Kilis gesucht. Beim Flüchtlingsprojekt an der burmesischen Grenze in Nordthailand ist der ärztliche Leiter ebenfalls für die Koordination des lokalen medizinischen Teams zuständig. Dort gilt es die medizinische Grundversorgung in einem Flüchtlingslager für ca. 23.000 Menschen zu gewährleisten. Weiterhin sind derzeit ärztliche Koordinatoren in zwei medizinischen Projekten in Myanmar eingesetzt. Diese arbeiten eng mit den lokalen Gesundheitsbehörden zusammen und koordinieren ein Tuberkulose- sowie HIV-Projekte. Greiner: „Die Bezahlung erfolgt im Rahmen unseres Tarifsystems entsprechend der Position und Erfahrung des Mitarbeiters - bei Ärzten zwischen 3.500 und 5.000 Euro pro Monat. Weiterhin übernehmen wir Unterkunft anteilige Übernahme von Mietkosten, eine zusätzliche Auslandskranken- und Unfallversicherung, die Reisekosten sowie einen Heimflug pro Jahr.“

Michael Strausz, Ärzte Woche 47/2014

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