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Von Mag. Susanne Glawatsch, MEDplan
 
Praxis 6. Oktober 2014

Ein Baby kommt! So geht es ohne Nachwehen

Steuern in der Praxis

Welche Rechte und Pflichten haben Sie, wenn Ihre Ordination Nachwuchs bekommt?

Ordinationshilfen sind in der Regel Frauen, weshalb eine schwangerschaftsbedingte Auszeit keine Seltenheit ist. Was genau bedeutet das für Sie als Ordinationsinhaber? Und welche Pflichten hat Ihre Mitarbeiterin, wenn sich bei ihr Nachwuchs einstellt? Ein kurzer Leitfaden.

Ist der Storch bei einer Ihrer Mitarbeiterinnen im Anflug, ist zunächst die Freude groß. Grenzenlos darf sich die Mitarbeiterin ihrer Freude aber noch nicht hingeben, denn Sie hat als schwangere Arbeitnehmerin auch eine Reihe von Pflichten.

Informationspflicht

So muss die Dienstnehmerin Sie über den Eintritt der Schwangerschaft informieren. Wenn Sie es wünschen, muss sie außerdem eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Schwangerschaft und den voraussichtlichen Geburtstermin vorlegen. Melden muss Sie auch die erfolgte Geburt und die Art der Geburt (Früh-, Mehrlingsgeburt, Kaiserschnitt), desgleichen ein vorzeitiges Ende der Schwangerschaft.

Pflichten des Dienstgebers

Mit der Meldung der Schwangerschaft treten die Schutzbestimmungen des Mutterschutzgesetzes in Kraft wie etwa das Verbot, Überstunden zu machen, schwere bzw. gesundheitsgefährdende Arbeiten zu verrichten oder in der Nacht zu arbeiten.

Sobald Sie von der Schwangerschaft in Kenntnis gesetzt werden, müssen Sie dem Arbeitsinspektorat den Eintritt der Schwangerschaft melden. Am besten erfolgt die Meldung über www.arbeitsinspekt ion.gv.at.

Sie müssen außerdem dafür Sorge tragen, dass die schwangere Dienstnehmerin die Möglichkeit hat, sich unter geeigneten Bedingungen hinzulegen und auszuruhen (z. B. Liegemöglichkeit in einem Aufenthaltsraum).

In den letzten acht Wochen vor der voraussichtlichen Entbindung dürfen Sie die schwangere Mitarbeiterin nicht beschäftigen (absolutes Beschäftigungsverbot). Dieser Zeitraum kann auch beträchtlich länger ausfallen. Nämlich dann, wenn Gefahr für die Gesundheit des Kindes oder der Mutter besteht. Ein Amtsarzt kann die Dienstnehmerin von der Arbeit freistellen und somit ein individuelles Beschäftigungsverbot begründen. Zudem besteht auch ein Beschäftigungsverbot acht Wochen nach der Geburt (bzw. 12 Wochen bei Mehrlings- und Frühgeburten und Kaiserschnitt).

Während des Beschäftigungsverbotes erhält Ihre Dienstnehmerin kein Entgelt mehr von Ihnen, sondern Wochengeld von der Krankenkasse. Das Dienstverhältnis bleibt aufrecht. Die Folge: Die Zeiten des Beschäftigungsverbotes gelten als Dienstzeiten und der Urlaubsanspruch wird weiterhin erworben.

Karenz

Während der Karenzzeit ist das Dienstverhältnis weiterhin aufrecht, jedoch ruhen die gegenseitigen Rechte und Pflichten (kein Entgelt, keine Arbeitspflicht). Die Karenz muss mindestens zwei Monate dauern und kann höchstens bis zum zweiten Geburtstag des Kindes in Anspruch genommen werden.

Wenn Mutter oder Vater unmittelbar im Anschluss an das Beschäftigungsverbot in Karenz gehen möchten, müssen sie dies innerhalb des Beschäftigungsverbotes mitteilen.

Sollte der Dienstnehmer nach Ende der Karenz nicht zur Arbeit erscheinen, so ist er zum Arbeitsantritt aufzufordern – eine Entlassung ist nur im Ausnahmefall möglich.

Mag. Susanne Glawatsch ist geschäftsführende Gesellschafterin der Steuer- und Unternehmens- beratungskanzlei MEDplan.

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