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Von Mag. Susanne Glawatsch, MEDplan
 
Praxis 2. September 2014

Waldi ist nicht steuerabzugsfähig

Steuern in der Praxis

Dass Hundepflege selbst bezahlt werden muss, bestätigte nun auch der Verwaltungsgerichtshof.

Wer für die Pflege von Kindern und Partner aufkommen muss, kann die damit verbunden Kosten unter Umständen als sogenannte „außergewöhnliche Belastung“ von der Steuer absetzen. Voraussetzung ist, dass die Kosten zwangsläufig entstehen und eine wirtschaftliche Belastung nach sich ziehen. Aber wie sieht die Sache aus, wenn es sich bei dem Pflegebedürftigen um keinen Angehörigen, sondern um ein Tier handelt? Mit dieser Fragestellung hat sich der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) vor Kurzem befasst.

Die Ausgangslage: Ein Steuerpflichtiger machte in der Erklärung zur Arbeitnehmerveranlagung 2009 Tierarztkosten für die Behandlung einer Krebserkrankung seiner Schäfer-Mischlingshündin im Betrag von 4.283,29 Euro als außergewöhnliche Belastungen geltend, die das Finanzamt im Einkommensteuerbescheid 2009 nicht berücksichtigte.

In der dagegen gerichteten Berufung brachte der Antragssteller vor, seine Hündin habe Ende April 2009 eine Schwellung im Halsbereich aufgewiesen, die bereits zu Atemnot geführt habe. In Folge sei eine Chemotherapie durchgeführt worden. Leider habe sich der Tumor aber wieder ausgebreitet, die Medikamente blieben wirkungslos und die Hündin wurde am 1.September 2009 eingeschläfert.

Selbst Immanuel Kant musste herhalten

Um die Zwangsläufigkeit der Kosten herauszustreichen, argumentierte der Steuerpflichtige, dass die Behandlungskosten eine außergewöhnliche Belastung darstellten. Letztlich trägt die Mehrzahl der mit dem Beschwerdeführer vergleichbaren Steuerpflichtigen keine bzw. nicht so hohe Ausgaben. Die Tierarztkosten beeinträchtigten die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers wesentlich und übersteigen den Selbstbehalt, heißt es in der Beschwerde.

Weil der Halter eines Tieres nach dem Tierschutzgesetz verpflichtet ist, Verletzungen oder Krankheiten des Tieres unverzüglich und ordnungsgemäß zu versorgen, erforderlichenfalls unter Heranziehung eines Tierarztes, sind die Kosten dem Beschwerdeführer auch zwangsläufig erwachsen. Kranke oder verletzte Tiere seien diesen besonderen Ansprüchen angemessen und erforderlichenfalls gesondert unterzubringen.

Die angeführten Bestimmungen sind Ausdruck der bestehenden Moralvorstellung, wonach Menschen ihren Haustieren gegenüber verpflichtet sind. Auch der Philosoph Immanuel Kant, maßgeblich für die ideengeschichtliche Begründung der Menschenrechte, habe darauf hingewiesen, dass gegenüber einem Tier, das einem gedient habe, eine sittliche Pflicht bestehe, sich um dieses zu kümmern.

Kein Steuerabzug

Den Argumenten des Tierhalters konnte sich weder das Finanzamt noch der Verwaltungsgerichtshof anschließen. Laut Rechtsprechung und Lehre stellten Ausgaben für die Hundehaltung Aufwendungen der privaten Lebensführung dar, die auch dann nicht abziehbar seien, wenn der Hund für den eigenen Schutz gehalten werde. Bei der Hündin handle es sich um einen „Freizeithund“. Anderes gelte nur, wenn der Erwerb des Tieres betrieblich oder beruflich veranlasst sei, wie etwa bei Wachhunden oder Jagdhunden von Berufsjägern und Förstern, was im Streitfall unstrittig nicht gegeben sei.

Die streitgegenständlichen Aufwendungen seien Folge eines Verhaltens, zu dem sich der Beschwerdeführer freiwillig entschlossen habe, weshalb die Erfordernis der Zwangsläufigkeit nicht gegeben sei.

Mag. Susanne Glawatsch ist geschäftsführende Gesellschafterin der Steuer- und Unternehmensberatungskanzlei MEDplan.

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