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Von Mag. Susanne Glawatsch, MEDplan
 
Praxis 21. August 2014

Wohnst du schon oder arbeitest du noch?

Steuern in der Praxis

Privatwohnung und Ordination unter einem Dach bereiten Steuerprüfern oft Kopfschmerzen.

Befinden sich Wohnung und Ordination im selben Haus, sorgt das für hitzige Diskussionen bei Betriebsprüfungen. Dennoch, was am Land üblich ist, macht längst auch in der Stadt Schule: Bei zahlreichen Ärzten fällt der Standort ihrer Ordination mit ihrem Wohnsitz zusammen. Oft befindet sich im Erdgeschoss die Ordination, während die oberen Stockwerke als Privatwohnung dienen. Bei einer solchen Konstellation entbrennen bei fast jeder Betriebsprüfung heftige Diskussionen über die mit der Wohnung verbundenen Privatanteile.

Wenn Sie ein Gebäude sowohl privat als auch beruflich nutzen, können Sie nur jene Kosten von der Steuer absetzen, die Ihrer Ordination zuzuordnen sind. Zu diesem Zweck wird in der Praxis ein bestimmter Schlüssel, der sich in der Regel an der Nutzfläche in Quadratmeter orientiert, festgelegt. Alternative: Sind die Räume unterschiedlich hoch, wäre eine Aufteilung nach der Kubatur zu bevorzugen. Ein kostenbezogener Aufteilungsmaßstab wird bei stark variierender Ausstattung (etwa Marmorboden im Privatbereich, Fliesen im betrieblichen Bereich) heranzuziehen sein.

Die Gebäudekosten wie Strom, Gas, Wasser, Grundsteuer, Müllabfuhr, Rauchfangkehrer, Instandhaltung und Versicherung können Sie dann in dem Ausmaß, in dem sie nach Maßgabe des Schlüssels betrieblich sind, absetzen.

Kriterien für die absetzbare Nutzfläche

Ferner sind zur Festlegung des betrieblichen – und damit für die steuerliche Absetzbarkeit der Aufwendungen ausschlaggebenden – Nutzungsausmaßes folgende Kriterien zu beachten:

• Bei zusammenhängenden Objekten ist zu prüfen, ob diese bautechnisch (Ineinandergreifen der Räumlichkeiten, aneinander angrenzender Bauweise, gemeinsamem Eingangs etc.) als Einheit oder als selbstständige Gebäude zu behandeln sind.

• Erfolgt in einem Gebäude derart eine getrennte Nutzung, dass abgegrenzte Gebäudeteile ausschließlich betrieblich oder privat genutzt werden, stellt der betrieblich genutzte Teil Betriebsvermögen dar. Die auf diesen Teil entfallenden Aufwendungen (Strom, Wasser, Kanalgebühren etc.) sind dann als Betriebsausgaben abzugsfähig.

• Bei abwechselnder oder gleichzeitiger betrieblicher und privater Nutzung von abgegrenzten Gebäudeteilen (gemischter Nutzung) kommt es auf das zeitliche Überwiegen der jeweiligen Nutzungsart an.

• Nicht abgegrenzte Räumlichkeiten, die sowohl betrieblichen als auch privaten Zwecken dienen (wie etwa Stiegenhaus, Keller, Heizraum), werden nach dem Verhältnis der privaten und betrieblich genutzten Räumlichkeiten aufgeteilt (gemeinschaftliche Nutzung).

Unter Umständen kann es aber vorkommen, dass Ihnen der Betriebsprüfer einen Besuch abstattet, damit er sich vor Ort persönlich von den Ausmaßen der betrieblich und privat genutzten Fläche ein Bild machen kann.

Mag. Susanne Glawatsch ist geschäftsführende Gesellschafterin der Steuer- und Unternehmens- beratungskanzlei MEDplan.

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