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Praxis 7. August 2014

Ambulanzen entlasten

Ärztekammer: Vermeidbare Notfälle fordern Ambulanzen - Appell an Patienten.

Die Urlaubszeit bedeute für die überlastete Spitalsärzteschaft zusätzliche Herausforderungen, die durch eine Stärkung der Gesundheitskompetenz der Patienten gemeistert werden könnten. So seien viele Kreislaufprobleme durch ausreichendes Trinken von Wasser weitgehend vermeidbar, Freizeitunfälle könnten durch adäquate Schutzmaßnahmen abgemildert oder ganz verhindert werden. Oft reiche ein Besuch beim niedergelassenen Arzt oder dessen Vertretung, außerhalb der Ordinationszeiten stehe der Ärztenotdienst zur Verfügung, sagte der Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Harald Mayer, am Donnerstag in einer Aussendung.

"Uns ist es wichtig, bei den Menschen das Bewusstsein dafür zu stärken, dass sie im niedergelassenen Bereich gut aufgehoben sind und Selbstzuweisungen in die Ambulanz oft nicht zielführend sind", sagte Mayer. Erst unlängst hatte die Bundeskurie ein Konzept präsentiert, das Ambulanzbesuche nur noch über Zuweisung durch den niedergelassenen Arzt bzw. im Notfall zulassen soll, um die Ambulanzen zu entlasten. "Wir möchten damit gleichzeitig die Gesundheitskompetenz der Menschen stärken und an sie appellieren, zunächst den niedergelassenen Arzt oder den Ärztenotdienst in Anspruch zu nehmen", betonte Mayer.

Manche Beschwerden könnten leicht vermieden werden, erklärte der Kurienobmann. So sei die ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei großer Hitze unerlässlich. "Das bedeutet, dass pro Kilo Körpergewicht täglich 30 bis 40 ml Wasser getrunken werden sollten, mindestens aber 1,5 Liter Wasser", so Mayer. Bei körperlicher Anstrengung oder Hitze steige der Bedarf. Ein Flüssigkeitsmangel könne schlimmstenfalls zum Kreislaufkollaps führen, warnte Mayer.

Aber auch in der Freizeit bzw. beim Sport könne so manche Verletzung verhindert oder zumindest gemildert werden, etwa durch das Tragen der richtigen Schutzausrüstung bei Sportarten wie Mountainbiken, Skaten oder Radfahren, auch wenn das bei Hitze nicht immer angenehm sei.

Eine unterschätzte Gefahrenquelle sei das beliebte Grillen. Mayer: "Jährlich landen rund 900 Österreicherinnen und Österreicher mit Verbrennungen im Spital, die meist auf unsachgemäßen Umgang mit dem Feuer zurückzuführen sind. Spiritus oder Benzin sind keine Zündhilfen, werden aber leider immer wieder eingesetzt." Grillen gelte bei rund zwei Dritteln der Bevölkerung nach wie vor als ungefährlich. Entsprechend leichtsinnig sei der Umgang mit Vorsichtsmaßnahmen.

Aber nicht nur das nach draußen verlagerte Freizeitverhalten und die erhöhte Unfallgefahr führten im Sommer zu noch mehr Andrang in den Ambulanzen. Auch eine wegen Urlaubs geschlossene Ordination könne sich bemerkbar machen. "Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen haben zwar in der Regel Vertretungen, aber der Gang in die Ambulanz fällt vielen Patientinnen und Patienten offenbar leichter als der Gang zu einem Vertretungsarzt", führte Mayer aus.

Selbstverständlich stehen die Spitalsärztinnen und -ärzte rund um die Uhr für Notfälle zur Verfügung, bekräftigte der Kurienobmann, dennoch wolle er an die Patientinnen und Patienten appellieren, sich mit kleineren Verletzungen entweder an den niedergelassenen Arzt, dessen Vertretung oder an den Ärztenotdienst zu wenden. "Das entlastet nicht nur die Spitalsärzteschaft, sondern erspart den Patientinnen und Patienten auch lange Wartezeiten in den überlaufenen Ambulanzen", sagte Mayer abschließend.

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