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Von Mag. Susanne Glawatsch, MEDplan
 
Praxis 7. Juli 2014

Fünf Wochen ohne Chef

Steuern in der Praxis

Als Ordinationsführer sind Sie für die korrekte Urlaubsabwicklung verantwortlich.

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Doch wie viel Wochen dürfen Ihre Mitarbeiter dabei verplanen? Und was passiert, wenn ihnen in den Ferien etwas zustößt? Für Sie als Arzt lohnt es sich in jedem Fall, über den Urlaubsanspruch Ihrer Mitarbeiter Bescheid zu wissen.

Der Urlaubsanspruch Ihrer Mitarbeiter hängt davon ab, wie lange sie schon in Ihrer Ordination tätig sind. In der Regel hat ein Mitarbeiter Anspruch auf 30 Werktage. Dies gilt auch für Teilzeitbeschäftigte; auch sie haben Anspruch auf fünf Wochen (=30 Werktage) Urlaub.

Für lang gediente Mitarbeiter gibt es einen Treuebonus: Wenn Sie nämlich einen Mitarbeiter bereits 25 Dienstjahre lang beschäftigen, verlängert sich sein Urlaubsanspruch auf 36 Werktage. Der Mitarbeiter muss dabei aber nicht 25 Jahre für Sie gearbeitet haben. Neben den Jahren, die er für Sie tätig war, werden nämlich noch folgende Zeiten bis zu maximal fünf Jahre angerechnet:

• Dienstzeiten bei anderen Arbeitgebern, bei denen er mindestens sechs Monate beschäftigt war.

• Zeiten der Selbstständigkeit, die mindestens sechs Monate gedauert haben.

• Entwicklungshelferzeiten

Werden sowohl Vordienstzeiten als auch Schulzeiten angerechnet, so sind für das Urlaubsausmaß insgesamt höchstens sieben Jahre anrechenbar.

Anspruch bei neuen Ordinationsmitarbeitern

Voraussichtlich beschäftigen Sie in Ihrer Ordination nicht nur ältere Dienstnehmer, sondern stellen auch neue an. Diese Neuzugänge haben nach sechs Monaten Anspruch auf die vollen fünf Wochen Urlaub. Im ersten Halbjahr ab dem Eintritt bemisst sich ihr Urlaubsanspruch aliquot im Verhältnis zur Dienstzeit.

Wichtig ist, dass der Urlaub nicht ausbezahlt werden kann. Solche Vereinbarungen sind rechtsunwirksam, weil sie dem Erholungszweck des Urlaubs zuwiderlaufen.

Vermindert wird dieses Guthaben aber beispielsweise durch Verjährung. Wenn Ihr Mitarbeiter seine Urlaubstage nicht innerhalb von drei Jahren nützt, geht der Anspruch darauf unweigerlich verloren.

Beispiel: Beginn Urlaubsjahr: 1. April 2011; Eintritt Verjährung für Jahresurlaub 2011: 1. April 2014. Der Arbeitnehmer konnte daher den Jahresurlaub für 2011 nur bis zum 31. März 2014 verbrauchen.

Krankheitsfall im Urlaub

Erkrankt Ihr Mitarbeiter im Urlaub, dann wird der Urlaub unterbrochen, wenn:

• Die Erkrankung länger als drei Kalendertage dauert,

• die Erkrankung nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig herbei geführt wurde,

• der Mitarbeiter Ihnen nach drei Tagen die Erkrankung meldet und

• bei Wiederantritt des Dienstes eine Bestätigung des Krankenstands vorliegt.

Die krankheitsbedingte Unterbrechung verlängert den Urlaub allerdings nicht. Sobald die freien Tage wie vereinbart zur Neige gehen, muss der (wieder gesundete) Mitarbeiter zur Arbeit erscheinen. Die Tage, die er krank war, werden freilich zu seinem noch bestehendenden Urlaubsguthaben dazugerechnet.

Tipp: Führen Sie unbedingt Aufzeichnungen über alle verbrauchten Urlaubstage Ihrer Ordinationsmitarbeiter und halten Sie die konsumierten Urlaubszeiten datumsmäßig und glaubwürdig fest. Denn aus arbeitsrechtlicher Sicht sind Sie als Arbeitgeber bezüglich des Urlaubsverbrauchs beweispflichtig.

Mag. Susanne Glawatsch ist geschäftsführende Gesellschafterin der Steuer- und Unternehmens- beratungskanzlei MEDplan.

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