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Von Mag. Susanne Glawatsch, MEDplan
 
Praxis 30. Juni 2014

„Home-Office“ für Radiologen nicht genehmigt

Steuern in der Praxis

Ist das Arbeitszimmer eines Radiologen steuerlich absetzbar? Der Verwaltungsgerichtshof sagt „Nein“.

Tätigkeitsmittelpunkt eines als Primarius an einem Bezirkskrankenhaus tätigen Radiologen ist der Ort, an dem die ärztliche Untersuchung und Betreuung von Patienten erfolgt, also das Krankenhaus. Daher können Aufwendungen für zwei im Wohnungsverband gelegene Arbeitszimmer für administrative Tätigkeiten, Aufbewahrung, Verwaltung, Begutachtung und Studium von Röntgenbildern sowie anderen medizinischen Darstellungen nicht als Werbungskosten abgezogen werden.

Im gegenständlichen Fall hat der beschwerdeführende Radiologe und Primarius an einem Krankenhaus neben seinen Einkünften als Angestellter auch Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit aus seinen Sonderklassegebühren erzielt. Der Arzt hat in seiner Steuererklärung unter anderem Aufwendungen für zwei betrieblich verwendete Arbeitszimmer in seinem Einfamilienhaus als Betriebsausgaben geltend gemacht.

Laut der ständigen Rechtsprechung liegt ein Arbeitszimmer dann vor, wenn es im Wohnungsverband gelegen ist und über einen gemeinsamen Eingang mit den anderen Wohnräumlichkeiten verfügt.

Zunächst muss geprüft werden, ob das im Wohnungsverband gelegene Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit des Radiologen bildet.

Mittelpunkt der Tätigkeit

Der Mittelpunkt einer Tätigkeit ist nach ihrem materiellen Schwerpunkt zu beurteilen. Im Zweifel muss eruiert werden, ob das Arbeitszimmer in zeitlicher Hinsicht für mehr als die Hälfte der Tätigkeit im Rahmen der konkreten Einkunftsquelle benützt wird.

Gute Gründe

In der erhobenen Berufung wurde vorgebracht, dass der Beschwerdeführer neben seiner nichtselbstständigen auch selbstständige Tätigkeiten ausübe. Einen Teil dieser selbstständigen Verrichtungen könne er nicht im Krankenhaus erledigen. Er sei deshalb darauf angewiesen, diesen Tätigkeiten in anderen Räumen nachzugehen. Ebenso sei es für die Archivierung umfangreicher Bildmaterialien (bildgebende Diagnostik), Literatur, Organisation der Vortragsunterlagen, Wartung und Aufbewahrung optischer Darstellungsgeräte und anderer Arbeitsbehelfe unbedingt notwendig, über Betriebsräumlichkeiten zu verfügen. Mangels PC mit Zugang zu elektronischer Fachliteratur am Arbeitsplatz befinde sich ein geeignetes Gerät in diesen Räumlichkeiten. Des Weiteren werde hier die „Honorarverarbeitung“ vorgenommen. Es handle sich also nicht um ein Arbeitszimmer, sondern um Betriebsräumlichkeiten für selbstständige Tätigkeiten, die in geringem Umfang auch im Zusammenhang mit den nichtselbstständigen Tätigkeiten genützt würden. Keinesfalls würden die Räumlichkeiten privat genutzt. Dies ergebe sich einerseits aus der hinreichenden Größe des Wohnbereichs und andererseits aus der räumlichen Trennung des Privatbereichs von den betrieblichen Räumlichkeiten.

Auch wenn in der Berufung des Radiologen ausgeführt wird, dass das Büro für administrative Tätigkeiten, für Aufbewahrung und Verwaltung, Begutachtung und Studium von Röntgenbildern sowie medizinischen Darstellungen verwendet wird, hat der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) die Ansicht vertreten, dass der Tätigkeitsmittelpunkt eines Arztes an jenem Ort gelegen ist, an dem die ärztliche Untersuchung und die Betreuung von Patienten erfolgen.

Insofern hat der VwGH nach ständiger Rechtsprechung die Anerkennung der Aufwendungen für ein Arbeitszimmer eines Radiologen nicht als Betriebsausgabe anerkannt.

Mag. Susanne Glawatsch ist geschäftsführende Gesellschafterin der Steuer- und Unternehmens- beratungskanzlei MEDplan.

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