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Von Mag. Susanne Glawatsch, MEDplan
 
Praxis 16. Juni 2014

Steuerzuckerl für Triefnasen

Steuern in der Praxis

Die jährliche Pollenbelastung könnte – je nach Selbstbehalt – zur Steuerentlastung führen.

Kaum zieht der Sommer ins Land, beginnt für viele ein kleines Martyrium: die Augen brennen und die Nase tropft. Für rund zwei Millionen heimische Pollenallergiker ist die angeblich schönste Jahreszeit oft die qualvollste. Kleiner Hoffnungsschimmer für die Leidgeplagten: Medizinische Ausgaben im Rahmen einer Pollenallergie können steuerlich abgesetzt werden.

Leiden Sie selbst unter Allergien? Oder behandeln Sie Patienten, die Abwehrreaktionen auf diverse Fortpflanzungsbestandteile der Flora zeigen? Wenn ja, dann kann der folgende Beitrag Ihr Leid möglicherweise ein wenig lindern, denn bestimmte Kosten für die Allergiebekämpfung gegen Birke, Gräser und Co. können als „außergewöhnliche Belastung“ von der Steuer abgesetzt werden. Ausgaben für Arzt- und Krankenhaushonorare, Medikamente und Rezeptgebühren, soweit sie nicht von der Krankenversicherung oder Krankenzusatzversicherung gedeckt sind, werden anerkannt.

Steuerabzug mit Limit

Die Behandlungskosten können allerdings nur eingeschränkt abgesetzt werden: Erst wenn ein Selbstbehalt überschritten wird, machen sich die Kosten steuerlich bezahlt. Der Selbstbehalt beträgt bei einem jährlichen Einkommen von …

• höchstens 7.300.– €: 6 %

• 7.300 – 14.600.– €: 8 %

• 14.600 – 34.600.– €: 10 %

• über 36.400.– €: 12 %

Wenn Sie Alleinverdiener oder Alleinerzieher sind, steht Ihnen dafür und für jedes Kind ein Abzug von je einem Prozent zu. Ein Beispiel: Ein Alleinverdiener hat zwei Kinder und im Kalenderjahr Aufwendungen für Krankheitskosten in der Höhe von 2.762.– €. Das für den Selbstbehalt maßgebliche Einkommen beträgt 21.075.– €. Der Selbstbehalt von grundsätzlich zehn Prozent vermindert sich um drei Prozent: als Alleinverdiener um ein Prozent und für jedes Kind um ein weiteres Prozent. Der Selbstbehalt beträgt daher sieben Prozent. Die Gesamtausgaben in Höhe von 2.762.– € reduzieren sich um den Selbstbehalt von 1.475,25 € (7% von 21.075.– €). Steuerlich wirken sich daher 1.286,75 € als außergewöhnliche Belastung aus.

Alles auf einmal

Da die Absetzbarkeit der Allergieaufwendungen voraussetzt, dass der Selbstbehalt überschritten wird, sollten die Beträge für die Allergiebehandlung nicht auf mehrere Jahre verteilt werden, sondern in einem Jahr bezahlt werden. So steigen die Chancen, dass der Selbstbehalt überstiegen wird.

Wollen Sie als Allergiker allerdings im Haushalt Allergie-auslösende Gegenstände wie Möbel, Bettzeug, Teppiche, Teppichböden, Polstermöbel oder Holzeinbauten durch allergiefreie Teile ersetzen, dann beißen Sie beim Finanzamt auf Granit: Die Kosten für neue Fußböden oder allergiegerechte Bettwäsche können nicht geltend gemacht werden. Nicht so bei unseren deutschen Nachbarn: Dort konnte ein fürsorglicher Vater, der wegen der Allergie seiner Tochter 67 Birken fällen ließ, die Rodungskosten von 7.700.– € von der Steuer absetzen. Bei uns hätte diese Art der Gartenumgestaltung aufgrund einer Allergie, keine Chance vom Finanzamt anerkannt zu werden.

Mag. Susanne Glawatsch ist geschäftsführende Gesellschafterin der Steuer- und Unternehmens- beratungskanzlei MEDplan.

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