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Von Mag. Susanne Glawatsch, MEDplan
 
Praxis 10. Juni 2014

Auch am Fuße der Pyramiden mitversichert

Steuern in der Praxis

Krankenversicherung gilt für im Ausland lebende Kinder.

In der letzten Ausgabe haben wir darüber informiert, dass kein Anspruch auf Familienbeihilfe besteht, wenn ein Kind in einem Drittland studiert. Anders verhält es sich mit der Mitversicherung von im Ausland lebenden Kindern. Sie können die Leistungen der Krankenversicherung in Anspruch nehmen, wenn sie in Ausbildung sind.

Im Ausland lebende Kinder eines in Österreich lebenden Versicherten haben Anspruch auf die Leistungen einer Krankenversicherung, wenn sie sich im Ausland in einer Schul- oder Berufsausbildung befinden. Zu dieser Erkenntnis kam der Verwaltungsgerichtshof in einer jüngst ergangenen Entscheidung.

Frau und Kinder in Ägypten

Dabei wurde über folgenden Sachverhalt entschieden: Ein Versicherter, seine Ehegattin, und seine sechs ehelichen Kinder sind österreichische Staatsbürger. Alle sieben halten sich seit drei Jahren in Ägypten auf. Im Sommer 2011 melden sich schließlich die Gattin als auch die Kinder ihren Wohnsitz in Österreich ab und leben offiziell in einer Wohnung in Ägypten, die dem Versicherten gehört. Einer geregelten Beschäftigung geht die Ehegattin nicht nach, während die Kinder ihre Ausbildung vor Ort absolvieren. Schließlich erkrankt die Ehefrau und muss auf eigene Kosten gepflegt werden.

Anspruch auch bei Leben im Ausland

Keine Voraussetzungen für den Leistungsanspruch seitens der Krankenversicherung sind ein gewöhnlicher Aufenthalt der Kinder im Inland oder der Mittelpunkt der Lebensinteressen der gesamten Familie im Inland. Kinder und Enkel gelten auch dann als „Angehörige“, wenn diese zum einen im Rahmen der Altersgrenzen liegen (bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres) und sich zum anderen im Ausland in einer Schul- oder Berufsausbildung befinden.

„Vorübergehender Aufenthalt im Inland“

Die Angehörigeneigenschaft im Sinne dieser Bestimmung besteht auch „bei nur vorübergehendem Aufenthalt im Inland“ und schließt damit definitiv aus, dass für den Leistungsanspruch nach dieser Bestimmung ein gewöhnlicher Aufenthalt im Inland – also eine dauerhafte, nicht nur vorübergehende Beziehung zwischen einer Person und einem Aufenthalt – Voraussetzung ist.

Zehn Monate Hausgemeinschaft reichen aus

Ende gut – alles gut. Denn wenn schon nicht für die ägyptische Ehefrau, dann zumindest für ihre Kinder. Doch es bedarf keines „Auszugs nach Ägypten“ (zu Ausbildungszwecken), um in den Genuss einer Mitversicherung zu kommen. Auch Lebensgefährtinnen/Lebensgefährten (gleich- oder andersgeschlechtlich) können bei Fehlen eines eigenen Krankenversicherungsschutzes als Angehörige in der Krankenversicherung mitversichert werden. Die Voraussetzung für die Mitversicherung ist, dass jemand seit mindestens zehn Monaten mit der Versicherten/dem Versicherten in einer Hausgemeinschaft lebt und ihr/ihm seit dieser Zeit unentgeltlich den Haushalt führt. Außerdem darf keine arbeitsfähige Ehegattin/eingetragene Partnerin bzw. kein arbeitsfähiger Ehegatte/eingetragener Partner im gemeinsamen Haushalt leben. Die Möglichkeit der Mitversicherung bleibt auch bestehen, wenn jemand (etwa krankheitsbedingt) zur Führung des Haushalts nicht mehr in der Lage ist. Mitversicherte/Mitversicherter kann aus diesem Grund nur eine einzige Person sein.

Mag. Susanne Glawatsch ist geschäftsführende Gesellschafterin der Steuer- und Unternehmens- beratungskanzlei MEDplan.

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