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Mag. Susanne Glawatsch, MEDplan
 
Praxis 3. Juni 2014

Harvard kostet, mitunter auch die Familienbeihilfe

Steuern in der Praxis

Kein Anspruch auf staatliche Unterstützung bei einem Studium in Übersee.

Heute ist die internationale Ausbildung für viele Studierende eher Regel als Ausnahme. Ob Wirtschaftsausbildung in Fontainebleau oder Masterstudienlehrgang in Harvard, die Studierenden sind mobiler denn je. Freilich haben Wanderjahre auch ihren Preis, und der besteht neben gesalzenen Uni-Gebühren und hohen Lebenshaltungskosten auch im Verlust der Familienbeihilfe.

Einen Anspruch auf Familienbeihilfe haben Eltern, deren Lebensmittelpunkt sich in Österreich befindet und deren Kind mit ihnen zusammen in einem Haushalt lebt oder für das sie überwiegend Unterhalt leisten, wenn zu keinem Elternteil Haushaltszugehörigkeit besteht.

Ab Vollendung des 18. Lebensjahres wird die Auszahlung von Familienbeihilfe nur unter bestimmten Voraussetzungen gewährt. Dies ist der Fall, wenn das Kind beispielsweise u. a. eine Berufsausbildung (auch Studium) absolviert.

Vor Kurzem beschäftigte sich der Unabhängige Finanzsenat mit der Frage, ob Familienbeihilfe auch während eines Studiums außerhalb der EU beansprucht werden kann. In einem Fall beantragte eine Beihilfenwerberin die Auszahlung der Familienbeihilfe für ihren Sohn ab Jänner 2011. Aus den Angaben der Antragstellerin ging hervor, dass der Sohn in den Vereinigten Staaten von Amerika ab dem genannten Monat ein Studium betreibe, welches voraussichtlich im Jahr 2015 enden werde.

Berufung gegen Absage

Gegen diesen Bescheid wurde Berufung erhoben. Die Antragstellerin führte aus, dem Sohn wäre ein Stipendium in Aussicht gestellt worden, weshalb er sich entschlossen habe, „einen Teil seines Studiums“ in den USA zu absolvieren. Eine längerfristige Visummöglichkeit wäre möglich, die Dauer des Aufenthaltes in den USA sei jedoch offen. Die Studiendauer werde sich maßgeblich an den Studienerfolgen und insbesondere auch daran orientieren, inwieweit es der Berufungswerberin möglich sei, die finanziellen Belastungen zu tragen.

Es sei beabsichtigt regelmäßig zu prüfen, inwieweit eine Fortsetzung des im Ausland verbrachten Teiles des Studiums noch möglich und sinnvoll erscheine. Vorerst sei vorgesehen, dass die im Ausland verbrachte Studienzeit 1 bis 1,5 Jahren nicht übersteigen solle. Die Abwesenheit sei daher vorübergehend. Der Sohn habe die Sommerferien in der elterlichen Wohnung verbracht. Es werden außerdem noch einige Wochen zur Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel folgen, die er zu Hause verbringe.

Wo liegen die Lebensinteressen?

Der Mittelpunkt der Lebensinteressen liege demnach in Österreich. Es sei zudem eine Ungleichbehandlung, wenn Eltern, die zusätzliche hohe finanzielle Belastungen tragen, um dem Kind eine Ausbildung im Ausland zu ermöglichen, die Unterstützung durch die Familienbeihilfe entzogen werde.

Die vorgebrachten Argumente konnten den Finanzsenat nicht überzeugen. Er verneinte den Anspruch auf Familienbeihilfe, zumal sich der Sohn seiner Meinung nach ständig in einem Drittstaat aufhielt. Außerdem legten mehrere Umstände wie etwa ein für mehrere Jahre erteiltes Visum den Schluss nahe, dass von Beginn an ein längerfristiger Aufenthalt in den USA angedacht war. Die vorübergehende Abwesenheit vom Studienort in den Ferien ändert daran ebenso wenig wie der Umstand, dass die Eltern zu den Kosten des Unterhalts wesentlich beitragen. Zudem hat der Verfassungsgerichtshof vor geraumer Zeit den Ausschluss der Familienbeihilfe bei ständigem Aufenthalt des Kindes im Ausland als verfassungsrechtlich zulässig erachtet.

Mag. Susanne Glawatsch ist geschäftsführende Gesellschafterin der Steuer- und Unternehmens- beratungskanzlei MEDplan.

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