zur Navigation zum Inhalt
Dr. David GabrielCEO Austrian Health und Organisator von „Doc on Board“
© (2) D.Gabriel

Dr. David Gabriel, ausgebildeter Arzt und passionierter Pilot setzt auf die Qualität des österreichischen Gesundheitswesens.

 
Praxis 3. Juni 2014

„Austrian Health will Botschafter der heimischen Medizin werden“

Dr. David Gabriel, Gründer und CEO von Austrian Health wünscht sich mehr Medizintouristen.

Wer glaubt, interessante Projekte in der Medizin wären rar gesät, sollte mit Dr. David Gabriel sprechen, denn der hat schon mehrere bemerkenswerte Projekte realisiert. Nun steht er mit Austrian Health vor einer weiteren Herausforderung. Nämlich Österreichs Medizin im Ausland zu vermarkten.

Dr. David Gabriel ist zwar ausgebildeter Arzt, hat sich aber früh entschlossen, seine Karriere außerhalb des klinischen Betriebes fortzuführen. So hat er etwa einen Notfall-Refresherkurs ins Leben gerufen, der in Österreich noch immer seinesgleichen sucht: Im Rahmen von „Doc on Board“ können Ärzte Erste-Hilfe-Maßnahmen in einem bemerkenswerten Ambiente, nämlich in Flugsimulatoren am Schwechater Airport, erlernen. Der Luftfahrt ist der passionierte Pilot irgendwie auch mit seinem nächsten Projekt verbunden geblieben. Mit Austrian Health baut Gabriel derzeit eine medizinische Plattform auf, die sich vor allem an internationale Patienten richtet. Die Idee dahinter mutet simpel an, denn unzählige Menschen suchen weltweit medizinische Behandlungsmöglichkeiten im Ausland. Und obwohl Österreich eines der qualitativ besten Gesundheitssysteme der Welt hat, ist es in den weltweiten Rankings kaum vertreten. Austrian Health will das ändern und die österreichische Medizin im Ausland besser repräsentieren. Die Ärzte Woche sprach mit Dr. David Gabriel, dem CEO der jungen Firma, über die Philosophie und die Chancen seines jüngsten Projektes.

 

Woran liegt es, dass Österreich nicht zu den medizinischen Topdestinationen gehört, wenn ausländische Patienten Behandlungen in Anspruch nehmen?

Gabriel: Ich denke, dass wir puncto Medizintourismus gar nicht so schlecht dastehen. Studien sprechen von einem weltweiten Volumen von etwa 30 bis 50 Milliarden Euro jährlich, die Patienten für ihre Behandlung im Ausland ausgeben, Tendenz steigend. Im internationalen Vergleich steht Asien mit Thailand an der Spitze. Wir in Österreich konkurrieren vor allem mit Deutschland, Schweiz und Israel. Unsere Mitbewerber zeigen hierbei eine starke mediale Präsenz, die vor allem eines signalisiert: Sie, werter Patient, sind bei uns herzlich willkommen! Zudem bieten diese Länder eine gute Kooperationsstruktur mit internationalen Agenturen an. Deutschland zum Beispiel bringt der Medizintourismus mittlerweile etwa eine Milliarde Euro Umsatz jährlich. In Österreich wirbt zwar jedes Privatspital, zum Teil sehr professionell, um ausländische Patienten, allerdings reicht dies nicht, um unser Land als medizinisches Spitzengebiet darzustellen. Wir wollen mit Austrian Health aber langfristig genau diese Botschaft in die Welt trommeln.

 

Womit können wir am medizinischen Tourismusmarkt punkten?

Gabriel: Mit Qualität und Kompetenz. Die österreichische Medizin hat eine lange Tradition. Patientensicherheit, Strukturqualität, Risikomanagement sowie die Aus- und Weiterbildung des medizinischen Personals stellen die Schwerpunkte unserer Qualitätsstrategie dar. Ergänzt werden diese Tugenden durch eine starke soziale Kompetenz. Dieses Paket aus Hightech-Medizin und Menschlichkeit ist eigentlich unschlagbar.

 

Wie sieht der typische Patient aus, den Sie nach Österreich zur Behandlung holen?

Gabriel: Den ’typisch ausländischen Patienten‘ gibt es nicht. Eines haben aber fast alle gemeinsam, wenn sie nach Österreich kommen: Sie sind sich über ihren Gesundheitszustand zumeist im Unklaren. Diese Unsicherheit erstreckt sich natürlich auch auf ihre bisherige Therapie. Generell könnte man diese Menschen in vier Kategorien einteilen. Ein Teil der Patienten sucht nach einer möglichst kostengünstigen Behandlung, diese meist aus dem Bereich der Ästhetischen Medizin, also Plastische Chirurgie, Dermatologie oder Zahnmedizin. Diese Patienten nehmen häufig Angebote osteuropäischer Länder oder Asiens in Anspruch. Der Großteil unserer Anfragen richtet sich jedoch an die kurative Medizin. Diese Patienten oder ihre Angehörige kontaktieren uns aufgrund konkreter medizinischer Probleme. Die dritte Gruppe betrifft die Gesundheitsvorsorge, die vierte die Rehabilitation. Unterschiede gibt es auch im finanziellen Background. Es gibt reiche Patienten, für die eine Behandlung im Ausland kein finanzielles Problem darstellt. Es gibt aber auch Patienten, die für eine Behandlung Kredite aufnehmen oder Immobilien verkaufen müssen.

 

Wo liegt Österreich im preislichen Vergleich ?

Gabriel: Wir liegen hierzulande eher im oberen Preissegment. Die Behandlungen sind etwas teurer als zum Beispiel in Deutschland. Ich denke jedoch, dass der Preis nicht unbedingt ausschlaggebend ist. Die Patienten suchen nach den bestmöglichen medizinischen Lösungen für ihr individuelles Problem. Das Preis-Leistungsverhältnis muss stimmen.

 

Rebelliert nicht der altruistische Arzt in Ihnen, privilegierte Menschen aus armen Ländern auszufliegen, um ihnen eine besondere Behandlung zukommen zu lassen?

Gabriel: Ich danke Ihnen für diese Frage, denn Ethik und Moral bilden wichtige Grundprinzipien von Austrian Health. Kranke Menschen, egal ob privilegiert oder nicht, sind Menschen in Not. Die Behandlung im Ausland wird oft als letzte Heilungschance gesehen. Hinter den meisten Anfragen verbergen sich menschliche Schicksale und lange Krankengeschichten. Unsere Arbeit ist deshalb mit einer sehr hohen Verantwortung verbunden, die wir jedoch gerne tragen. Das ist nicht überall so, denn viele internationale Agenturen vermitteln Patienten blind an ausländische Kliniken, ohne sich mit den medizinischen Details auseinanderzusetzen. Das Management von Erkrankungen erfordert jedoch ein breites medizinisches Wissen und ein fundiertes Netzwerk. Austrian Health kann auf beides zurückgreifen. Es ist leicht, ahnungslosen Patienten verschiedenste Untersuchungen zu verkaufen. Wichtig ist jedoch, dass ausschließlich Diagnostiken angewandt werden, die für die Patienten auch sinnvoll sind. Daher müssen die Fäden der Checks irgendwo zusammenlaufen, damit eine seriöse Aussage über weitere Behandlungsschritte gemacht werden kann. In vielen Ländern werden diese Aspekte ignoriert.

 

Aus welchen Ländern kommen die meisten Patienten?

Gabriel: Der Großteil der Patienten kommt aus Russland, den umliegenden GUS Staaten und Rumänien. Aber auch viele Menschen aus den arabischen Ländern schätzen die heimische Medizin.

 

Wie kam es zur Idee von Austrian Health?

Gabriel: Ich habe vor mehr als zehn Jahren gemeinsam mit Dr. Joachim Huber das Projekt Doc on Board ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um ein spezielles Training für medizinisches Personal im Umgang mit medizinischen Notfällen an Bord von Verkehrsflugzeugen. Unter den bisher 1.500 Absolventen befinden sich Ärzte aller Fachrichtungen und zahlreiche Spezialisten sowie Klinikvorstände. Diese wertvollen Kontakte bestärkten uns in der Idee. Vermehrte Patientenanfragen aus dem Ausland für medizinische Flugbegleitungen sowie für Behandlungen in Österreich gaben letztlich den ausschlaggebenden Impuls für das Projekt.

 

Wie lautet die Firmenphilosophie und welche Serviceleistungen bieten Sie konkret an?

Gabriel: Jede Anfrage wird von uns individuell behandelt. Wir analysieren die Krankengeschichten, konsultieren Fachleute, empfehlen behandelnde Ärzte und das Krankenhaus. Bevor sich die Patienten für eine Behandlung in Österreich entscheiden, prüfen sie in der Regel kritisch unsere Empfehlungen und suchen im Internet nach bestätigenden Informationen. Uns ist es wichtig, dass die Patienten vorab über ihr medizinisches Programm genau Bescheid wissen und ihre behandelnden Ärzte sowie die Kosten kennen. Das rasche Zusammentreffen von Patient und Arzt spart Geld und wichtige Zeit, die dem Heilungsprozess zugute kommt.
Was das Service betrifft, so bieten wir alle wichtigen Leistungen aus einer Hand. Wir unterstützen unsere Patienten bereits vor ihrer Anreise bei allen organisatorischen und administrativen Fragen, koordinieren medizinische Termine, erledigen Visa-Ansuchen und vieles mehr. Ab der Ankunft in Österreich werden unsere Kunden von uns persönlich betreut. Wir organisieren alle Transporte, stellen Dolmetscher zur Verfügung, begleiten die Patienten zu allen Untersuchungen und führen sie durch das medizinische Programm. Gerne sind wir auch beim Rahmenprogramm behilflich, wenn es um die Reservierung von Konzertkarten oder Sightseeing-Touren geht. Für VIPs organisieren wir sogar Personenschutz.

 

Sie meinten, Sie möchten als Botschafter der österreichischen Medizin wirken. Wie können nun konkret heimische Kollegen von Ihrer Arbeit profitieren?

Gabriel: Über Austrian Health kommen Patienten nach Österreich, die in Privatspitälern, Privatordinationen oder in öffentlichen Krankenhäusern behandelt werden. Viele Ärzte haben andererseits ausländische Patienten bereits in ihren Ordinationen, haben jedoch für organisatorische Anliegen ihrer Patienten keine freien Kapazitäten oder das erforderliche Know-How. Gerne übernimmt Austrian Health gewisse Teilaufgaben. Zudem stehen wir zusatzversicherten österreichischen Patienten gerne mit Rat in Bezug auf die freie Arzt- und Krankenhauswahl zur Verfügung.

 

Wo sehen Sie Verbesserungsmöglichkeiten im heimischen Medizintourismus?

Gabriel: Es lassen sich bei uns zwei Lager erkennen. Private Krankenanstalten verstehen sehr gut die Wertigkeit ausländischer Selbstzahler für das österreichische Gesundheitssystem und passen die Qualität ihrer Leistungen an die Wünsche und Anforderungen dieser Patienten an. Bei öffentlichen Krankenhäusern stoße ich jedoch regelmäßig auf vollkommenes Unverständnis und erfahre harsche Abweisung, wenn es um organisatorische Dinge, wie etwa die rasche Erstellung von Kostenvoranschlägen geht. Ein großes Problem, das mir persönlich sehr am Herzen liegt, besteht bei der Behandlung von ausländischen Kindern. Hier gibt es leider den größten Nachholbedarf. Wir haben gerade ein pädiatrisches Vorsorgeprogramm gestartet, da es sich bei vielen unserer Anfragen um tragische Erkrankungen im Endstadium handelt, die bei einer effektiven Routineuntersuchung rechtzeitig entdeckt und erfolgreich behandelt werden könnten.

 

Was benötigen wir, um die österreichische Medizin international populärer zu machen?

Gabriel: Um die gesundheitliche Infrastruktur Österreichs im Ausland besser zu präsentieren, ist eine Unterstützung aus den Bereichen Politik und Tourismus dringend notwendig. Gerne unterstützen wir diesen Prozess. Außerdem würde eine engere Zusammenarbeit der Privatspitäler auf internationaler Ebene einen großen Sprung nach vorne im weltweiten Ranking der beliebtesten medizinischen Reisedestinationen bewirken. Schließlich hat das Land Österreich noch viel mehr zu bieten als ausgezeichnete Medizin.

Das Gespräch führte Raoul Mazhar.

www.austrianhealth.at

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 23/2014

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben