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Von Mag. Susanne Glawatsch, MEDplan
 
Praxis 20. Mai 2014

Steuerabzug für die Ausbildung zum Arbeitsmediziner

Ein Fall aus der Praxis zeigt, dass das Finanzamt manchmal „überredet“ werden muss.

In der letzten Ausgabe haben wir über den Steuerabzug von Ausbildungskosten informiert. Es folgt nun ein Fall aus der Praxis.

Ein Arzt wollte die Kosten der Ausbildung zum Arbeitsmediziner, die er während seiner Turnusausbildung absolvierte, in seiner Arbeitnehmerveranlagung geltend machen. Das Finanzamt versagt ihm allerdings den Abzug, weil er den Nachweis der betrieblichen Veranlassung nicht erbracht hatte.

Im Detail: Der Arzt hat die Kosten einer Ausbildung zum Arbeitsmediziner als Fortbildung im Jahr 2011 beantragt. Konkret wurden folgende Fortbildungskosten geltend gemacht:

Notarzt-Ausbildungskurs am Institut 1: 720,- Euro bezahlt im November 2011.

Ausbildung zum Arbeitsmediziner 2011 in der Akademie:

1.764,- Euro bezahlt im Jänner 2011

1.764,- Euro bezahlt im Februar 2011

1.764,- Euro bezahlt im März 2011

Als Beilage wurde eine Rechnung der Akademie mit über 7.005,- Euro übermittelt, datiert am 20. Oktober 2010. Auf dieser Rechnung wurde angeführt, dass der erste Teil über 1.713,- Euro bis 30.11.2010 zu zahlen sei, und die weiteren Teilbeträge iHv 1.764,- Euro im Jänner 2011, 1.764,- Euro im Februar 2011 sowie 1.764,- Euro im März 2011.

Zusätzlich machte der Arzt folgende Angaben:

  • Der Steuerpflichtige sei Arzt und befinde sich in der Turnusausbildung in einem aktenkundigen Spital. Diese Turnusausbildung sei Voraussetzung für die spätere Tätigkeit als Notfallarzt oder Arbeitsmediziner.
  • Die absolvierten Kurse dienten jedenfalls der Verbesserung von ärztlichen Kenntnissen.
  • Die Ausbildungsmaßnahmen zum Notfall- und Arbeitsmediziner stünden in einem engen Zusammenhang mit seiner zukünftigen ärztlichen Tätigkeit. Das jus practicandi sei auch Voraussetzung für die Tätigkeit als praktischer Arzt, Notfall- oder Arbeitsmediziner.
  • Bei den geltend gemachten Kursen handle es sich um Fort- und Ausbildung und nicht um Umschulungsmaßnahmen.

Nein vom Finanzamt

Das Finanzamt versagte dem Arzt den Steuerabzug, weil er den Nachweis der betrieblichen Veranlassung nicht erbracht hatte. Konkret führte das Finanzamt an, dass die abverlangte Bestätigung bzw. Nachweise wie Kursprogramm o.ä., um welche Fortbildung es sich handle, nicht vorgelegt worden seien. Deshalb könne das Finanzamt keinen beruflichen Zusammenhang prüfen. Der Hinweis, dass die Einzahlungen an die Akademie für Arbeitsmedizin erfolgt sei, sei nicht ausreichend für die Berücksichtigung der Aufwendungen.

Berufung beim unabhängigen Finanzsenat

Der Arzt legte gegen den ablehnenden Bescheid Berufung ein. Der Unabhängige Finanzsenat (UFS Wien 11.12.2013, RV/2409-W/11) anerkannte die Ausbildung, da diese Kosten unter die abzugsfähigen Fort- bzw. Ausbildungsaufwendungen gem. §16 EStG einzuordnen sind, und nannte bei der Begründung weitere abzugsfähige Fort- und Ausbildungsaufwendungen:

  • Aufwendungen iZm dem Besuch einer HTL (Elektrotechnik) durch einen Elektriker
  • Aufwendungen iZm dem Architekturstudium eines Baumeisters (HTL) an einer technischen Universität
  • Aufwendungen einer Restaurantfachfrau iZm dem Besuch eines Lehrganges für Tourismusmanagement
  • Aufwendungen eines Technikers iZm der Ablegung der Ziviltechnikerprüfung, Aufwendungen iZm der Ablegung einer Beamten-Aufstiegsprüfung oder dem Besuch einer AHS (BHS) oder einem einschlägigen Universitätsstudium durch öffentliche Bedienstete
  • Mediationscurriculum eines Juristen beim Verein für Sachwalterschaft
  • Fachausbildung eines Kfz-Mechanikers zur Sicherheitsfachkraft in seiner Werkstätte
  • Spezialisierungen eines Arztes, wie der Besuch eines Lehrganges für Tropenmedizin oder für Akupunktur

 

Mag. Susanne Glawatsch ist geschäftsführende Gesellschafterin der Steuer- und Unternehmens- beratungskanzlei MEDplan.

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