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Praxis 5. Mai 2014

Kapitalmarktprognose für Österreich und Zentraleuropa

Analysten sind für Wiener Börse und osteuropäische Aktienmärkte optimistisch.

„Das verbesserte Konjunkturmomentum sowie ein stärkeres CEE-Wirtschaftswachstum bieten ein positives Aktienumfeld“, erklärt Raiffeisen Centrobank (RCB)-Chefanalyst Stefan Maxian anlässlich der Präsentation des Kapitalmarktszenarios für Österreich sowie Zentral- und Osteuropa.

Ebenso unterstützt das anhaltend niedrige Zinsniveau die Asset-Klasse Aktien. Ausgehend von einem Stand des heimischen Börseindex ATX von 2.530,24 Punkten (7.April 2014) erwartet die RCB bis Jahresende einen Anstieg auf rund 2.700 Punkte.

Banken-, Versicherungs-, Industrie- und Energieaktien im Fokus

In Österreich signalisieren die Vorlaufindikatoren eine weitere Konjunkturbeschleunigung im Verlaufe dieses Jahres. „Dies sollte sich in den erwarteten BIP-Wachstumsraten von 1,5 Prozent für heuer und 2,3 Prozent im nächsten Jahr niederschlagen“, prognostiziert Raiffeisen Research-Chefanalyst Peter Brezinschek. Im Fall von weiteren Wirtschaftssanktionen zwischen der EU und Russland wären für Österreich konjunkturelle Auswirkungen zu erwarten. Allerdings sei zu erwähnen, dass die wirtschaftliche Verflechtung zwischen Österreich und Russland nach wie vor relativ gering ist.

„2013 gingen lediglich 2,8 Prozent – das entspricht rund 3,5 Mrd. Euro – der heimischen Güterexporte nach Russland, während Österreich nur 2,4 Prozent seiner Güterimporte, hauptsächlich Energie und Brennstoffe, aus Russland bezieht“, rechnet Brezinschek vor. Im ersten Quartal verlief die Entwicklung am heimischen Aktienmarkt durchaus turbulent. Nach einer Jännerrally mit einem Jahreshöchststand von 2.729 Punkten erreichte der ATX aufgrund der Krise in der Ukraine Mitte März das bisherige Jahrestief von 2.386 Punkten.

Aktuell ist der österreichische Aktienmarkt mit einem Kurs/Gewinnverhältnis (KGV) von 13,6 für 2014 bewertet, die Dividendenrendite beträgt rund drei Prozent. „Die steigende internationale Nachfrage nach österreichischen Aktien steht im Einklang mit einem gesamteuropäischen Trend“, erklärt Börsevorstand Michael Buhl. Ausländische Investoren haben zuletzt wieder mehr Kapital in europäische Unternehmen investiert und Anleihen in Aktien umgeschichtet. Die gesamte Marktkapitalisierung an der Wiener Börse beträgt rund 88 Mrd. Euro.

„Derzeit gibt es wenige Alternativen zu Aktien. Auch für Privatanleger scheint daher der Zeitpunkt gut geeignet, um einzusteigen“, so Buhl. Branchenseitig erachten die Analysten Banken, Versicherungen, Industriewerte und Unternehmen mit einer hohen Förderkomponente im Öl- und Gassektor als interessant. Das Umfeld für Banken sei zwar weiterhin sehr herausfordernd, nach den jüngsten Kursverlusten sieht das Research-Team der RCB jedoch einzelne Titel wie die Erste Bank, die polnischen Banken PKO BP und Bank Handlowy sowie die rumänische BRD-GSK als durchaus attraktiv bewertet und empfiehlt diese zum Kauf.

Der anhaltend robuste Rohölpreis macht auch die Ölgesellschaften wie OMV und die russische LUKoil und Novatek zu Kaufkandidaten. Die Versicherungsaktien in Österreich und Osteuropa profitieren von internen Restrukturierungsmaßnahmen, einer anhaltend guten Entwicklung am Anleihemarkt sowie einer geringen Schadensentwicklung infolge des milden Winters. Der Industriesektor wird durch die Verbesserung von Konjunkturindikatoren und einer Trendumkehr einzelner Subsektoren wie Bau (Kaufempfehlung: Porr) und Automobile getrieben.

Rumänien, Tschechien und Ungarn übergewichten

Angesichts der geopolitischen Spannungen in der Region war der schwache Start der CEE-Börsen in das Jahr 2014 wenig überraschend. Bereits im Vorfeld des Krim-Konfliktes erlitten die wichtigsten CEE-Börsen bereits im Vorfeld starke Verluste. „Daher erwarten wir, dass die Performance von CEE-Aktien möglicherweise größeren Schwankungen ausgesetzt sind als in den etablierten Märkten“, warnt RCB-Finanzanalyst Stefan Memmer. Andererseits setzt sich die Konjunkturaufhellung in Zentraleuropa unvermindert fort. Die RCB hat die BIP-Schätzungen für Polen (3,1%), Tschechien (2,3%) und Ungarn (2%) angehoben. Darüber hinaus sind die Wachstumsprognosen für Rumänien und Bulgarien stabil. In Russland senkten die Analysten hingegen ihre BIP-Prognose von 1,7 auf 1,0 Prozent, ebenso passten sie die Wachstumsprognosen für das kommende Jahr nach unten an. Schließlich dürfte der radikale Umbau der Ukraine 2014 zu einem massiven Einbruch des BIP um drei bis sieben Prozent führen. Daher wurde die Prognose für das BIP-Wachstum der gesamten CEE-Region wurde auf 1,2 Prozent gesenkt.

„Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir eine defensive Allokation innerhalb unseres Portfolios, indem wir Rumänien, Ungarn und Tschechien übergewichten“, so Memmer. Das niedrige Zinsniveau und die politischen Reformen seitens der Regierung sollten die Aufwärtsdynamik an der rumänischen Börse gut unterstützen. Zudem sprechen auch die soliden Bewertungen und die positiven Gewinnaussichten für eine Übergewichtung rumänischer Aktien. Mit einer Dividendenrendite von 5,7 Prozent und einem Kurs-Gewinnverhältnis von 10,6 (2014e) stellt die rumänische Börse weiterhin eine attraktive Investmentmöglichkeit dar.

Tschechische Titel sind hingegen aufgrund ihrer hohen Dividendenrendite (4,3%) attraktiv, sodass die Analysten im Umfeld eines sehr niedrigen Zinsniveaus von einer künftigen Outperformance ausgehen. Hauptverantwortlich für die positive Erholung seit Jahresbeginn waren die Indexschwergewichte CEZ und Komercni Banka, wobei letztere sogar ein neues Allzeithoch erklimmen konnte. Profitieren sollten die ansässigen Unternehmen weiterhin von der im November 2013 durch die tschechische Nationalbank beschlossenen Interventionen zur Abschwächung der tschechischen Krone.

Der ungarische BUX-Index kam im Zuge der Krise zwischen Ukraine und Russland massiv unter Druck, konnte sich aber zuletzt deutlich erholen. Hauptverantwortlich dafür war die stark gewichteten Indexmitglieder OTP Bank (+19,7%) und der Pharmakonzern Gedeon Richter (+15,8%). Darüber hinaus scheint sich die konjunkturelle Lage in Ungarn weiter zu verbessern. Für 2014 erwarten die RCB-Analysten ein KGV von 10,7 für die ungarische Börse.

Russland und Kroatien mit Vorsicht genießen

Die Moskauer Börse steht derzeit ganz im Zeichen der Krim-Krise, die nicht nur für die Wirtschaft Russlands aufgrund der Sanktionen eine Gefahr bedeutet, sondern auch für die Stabilität des lokalen Finanzmarktes. Aufgrund der Internationalisierung der Börse (70% Ausländeranteil bei Aktien) sei die Volatilität der Finanzströme besonders hoch. Die konjunkturelle Abkühlung auf ein Prozent Wachstum bringen die Unternehmensgewinne ebenso unter Druck wie die jüngste Leitzinsanhebung auf sieben Prozent. Angesichts der politischen Spannungen dürfte die Volatilität in den nächsten Wochen hoch bleiben, obwohl in den aktuellen Kursen schon sehr viel eingepreist ist. Dies führe zu einer äußerst attraktiven Bewertung der Moskauer Börse (KGV: 4,9).

Die rumänische Wirtschaft stagniert weiterhin (BIP 2014e: 0,0%) und der Druck der kroatischen Regierung den Sparstift anzusetzen bleibt groß. Durch die für 2014 erwarteten sinkenden Unternehmensgewinne der CROBEX10-Titel um 18,2 Prozent scheint der ohnehin teure Markt (KGV 2014e: 27,1) für Investoren derzeit wenig interessant. „Alles in allem rechnen wir daher mit einer verhaltenen Entwicklung der kroatischen Börse“, so die RCB-Analysten. „Insgesamt erwarten wir für das 2. Quartal noch Rückschlagspotential, jedoch mit Fortdauer eine stärkere Betonung der Fundamentaldaten und damit eine Kurserholung an den CEE-Börsen“, so Brezinschek abschließend.

Anleihen als Sparbuchalternative

Neben Aktien bieten auch Investitionen im Anleihesegment für sicherheitsorientierte Anleger gute Chancen auf Realrenditen. „Inflation ist eine schleichende Gefahr für Anleger. Wer sein Geld unter den Kopfpolster oder auf ein Sparbuch legt, verliert bei einer durchschnittlichen Inflation von drei Prozent über zwanzig Jahre hinweg etwa die Hälfte seiner Veranlagungssumme“, warnt Martin Bruckner, Vorstandsmitglied der Allianz Investmentbank.

Die selektive Auswahl von Anleihen sowie ein sorgfältiges Laufzeiten (Duration)-Management seien Basis für gute Investments im Anleihenbereich. Eine Möglichkeit an den positiven Anleiherenditen zu profitieren, bietet der „Allianz Invest Rentenfonds“, der auf in Euro lautende Rentenpapiere mit mittlerer und langer Laufzeit setzt. Ziel ist es, für den Privatanleger eine nachhaltige Rendite zu erwirtschaften und langfristige Kapitalerträge zu generieren. Der Fonds erzielte innerhalb von zehn Jahren eine annualisierte Wertentwicklung von 5,15 Prozent.

M. Strausz, Ärzte Woche 19/2014

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