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Praxis 5. Mai 2014

Job & Familie – das geht

Vor allem junge Mediziner versuchen Praxis und Familie in Einklang zu bringen.

Eine eigene Praxis führen und Zeit für die Familie haben - das muss sich nicht ausschließen. In Deutschland wird diese Herausforderung von der Ärztekammer unterstützt.

Wenn sich junge Mediziner Gedanken über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf machen, sollten sie nicht nur an die Arbeit als Angestellte in einer Klinik denken. Die Niederlassung bietet durchaus auch Gestaltungsmöglichkeiten. Die HNO-Ärztin Dr. Christiane Friedländer weiß dies aus eigener Erfahrung: „Es ist die positive Seite meiner Selbstständigkeit, dass sie mir große persönliche Ermessensspielräume gegeben hat.“ Das habe sowohl für die Erziehung ihrer drei Kinder gegolten als auch für die Zeit, in der sie ihren Mann gepflegt hat. „Ich konnte das sehr gut organisieren, weil ich mein eigener Chef war.“

38,5 Stunden-Woche ist schwierig

Ihr Traum sei immer gewesen, Familie und Praxis unter einem Dach zu vereinen, berichtete Friedländer. Die Verwirklichung dieses Traums habe viel Zeit und Energie gespart, weil die Familie mitzog und sie externe Unterstützung hatte, ist es der Ärztin nach eigenen Angaben gut gelungen, das Privatleben, die Arbeit in der Praxis und später auch das berufspolitische Engagement unter einen Hut zu bringen.

Auch Dr. Arndt Berson, Hausarzt aus Kempen, Deutschland schätzt die Handlungsfreiräume, die ihm die eigene Praxis bietet. Berson arbeitet in einer Berufsausübungsgemeinschaft mit zwei Kolleginnen, sie beschäftigen eine angestellte Ärztin und acht Fachangestellte. „Das Gefühl, der eigene Chef zu sein, könnte ich heute nicht mehr missen“, berichtete er. Allerdings ist die Freiheit mit dem Verzicht auf Freizeit teuer erkauft. „Von einer 38,5 Stunden-Woche kann ich in der Praxis nur träumen.“

Großer Nachholbedarf

Die heute tätigen Ärzte erheben stärker denn je den Anspruch, Privates und Berufliches in Einklang zu bringen. Vor allem junge Ärzte - gerade die Mütter und Väter - wollen nicht mehr 60 bis 80 Stunden pro Woche arbeiten, sondern streben eine gute Balance zwischen Privatleben und Beruf an. Allerdings haben sowohl in Deutschland als auch in Österreich gerade medizinische Einrichtungen einen großen Nachholbedarf. Dabei bedeuteten Arbeitsplätze, die das Privatleben respektieren, im enger werdenden Arbeitsmarkt für Mediziner einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Die Ärztekammern sind ebenfalls gefragt. In Deutschland setzt man daher auf die Umsetzung der Muster-Weiterbildungsordnung. ÄKNo-Präsident Rudolf Henke: „Ziel der Reform ist eine Struktur, die die bisherigen starren Abschnitte möglichst weitgehend durch Qualifikationen in Kompetenzblöcken und -ebenen, die modularer sind, ablöst.“ Innerhalb des neuen Rahmens sollte dann auch die Weiterbildung in Teilzeit eine größere Rolle spielen. Man darf gespannt sein, wie das Projekt in Deutschland ungesetzt wird.

 

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