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Praxis 11. April 2014

Stabilitätsanker im Portfolio

Allianz-Studie: Dividendenrenditen schlagen Anleiherenditen um Längen.

Historisch niedrige Zinsen, temporäre Anstiege der Volatilität an den Kapitalmärkten und eine Phase, in der die Industriestaaten ihre Schulden abbauen müssen, sind ein Umfeld, in dem Dividendenstrategien ihre Qualitäten ausspielen sollten – insbesondere in Hinblick auf eine Zeit der „Finanziellen Repression“.

Eine aktuelle Studie von Allianz Global Investors zeigt, dass die Diskrepanz zwischen den Dividendenrenditen europäischer Unternehmen und den Renditen von Staats- und Unternehmensanleihen im historischen Vergleich selten so groß war wie derzeit. Während in Europa die durchschnittliche Dividendenrendite bei 3,2 Prozent liegt, bringen Staatsanleihen mit hoher Bonität weniger als zwei Prozent Ertrag. Europäische Unternehmensanleihen (Investmentgrade) rentieren nach einer vierjährigen Hausse gerade einmal bei durchschnittlich zwei Prozent. „Anleger, die auf Dividendentitel setzen, können von hohen Renditen und historisch niedrigen Kursvolatilitäten bei gleichzeitigem Inflationsschutz profitieren“, kommentiert Martin Bruckner, Vorstand der Allianz Investmentbank und CIO der Allianz Gruppe Österreich die Studienergebnisse.

Europa mit höchsten Dividendenrenditen

Wie ein Blick auf die Performance-Anteile von Dividenden und Kursgewinnen zwischen 1970 und 2014 zeigt, sind europäische Unternehmen am ausschüttungsfreundlichsten: Über den gesamten Zeitraum war die annualisierte Gesamtrendite der Aktienveranlagung für Europa zu etwa 42 Prozent durch den Performance-Beitrag der Dividenden bestimmt, gegenüber rund 33 Prozent in Nordamerika und der Pazifik-Region. Auch die aktuellen europäischen Dividendenrenditen liegen über dem Niveau der anderen Regionen. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass Dividenden dem Depot zu mehr Stabilität verhelfen können: So war der Performance-Beitrag von Dividenden des MSCI Europa-Index über rollierende Fünfjahreszeiträume seit 1973 stets positiv. Dadurch konnten Kursverluste zwischen 1973 bis 1978 zum Teil kompensiert oder zumindestens abgemildert werden (1998–2003 bzw. 2008–2013).

Auch heuer zeigen sich die europäischen Unternehmen ausschüttungsfreundlich: Im Februar 2014 wiesen rund sechzig Indexmitglieder des MSCI Europa eine Dividendenrendite von über vier Prozent auf.

Dividenden als Stabilitätsanker

Beim Blick auf die Ausschüttungsquoten in Europa fällt das Verhältnis von ausbezahlter Dividende zum Gewinn pro Aktie mit etwa 55 Prozent (USA: 35%) im historischen Vergleich immer noch relativ moderat aus: „Der Spielraum für weitere zukünftige Dividendenerhöhungen bleibt somit für die Unternehmen unverändert gegeben“, prognostiziert Studienautor Dennis Nacken. Da Dividendenkürzungen oder -ausfälle von den Marktteilnehmern sehr negativ bewertet werden, da sie Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der Unternehmen schüren, seien die Konzerne bestrebt, kontinuierliche Dividendenzahlungen zu gewährleisten. Wie sich herausgestellt hat, waren Dividendenzahlungen deutlich geringeren Schwankungen unterworfen als die Unternehmensgewinne, wie Daten aus den USA zeigen. Ein Vergleich von Dividenden und Gewinnen der Indexmitglieder des S&P 500 seit 1900 zeigt, dass die Unternehmensgewinne weitaus größeren Schwankungen unterworfen waren. Insbesondere in den letzten 13 Jahren war die Volatilität der Gewinne mit annualisierten 34 Prozent deutlich höher als die Schwankungen der Dividenden von jährlich drei Prozent. „Jedoch sollten Anleger nicht ausschließlich auf die Dividendenzahlungen achten“, warnt Nacken, „sondern das Geschäftsmodell der Unternehmen sollte nachhaltige Erträge erwarten lassen.“ Faktoren wie Marktanteile, Eintrittsbarrieren für Mitbewerber oder Preisführerschaft spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle. Stimme das Geschäftsmodell können solche Unternehmen eine mögliche Inflation über Preiserhöhungen wettmachen. Dies steigere den Gewinn und letztendlich die Dividende.

Was spricht für die Nachhaltigkeit von Dividenden?

Grundsätzlich disziplinieren sich Unternehmen durch hohe Ausschüttungen sowie dem Streben, diese wegen der Signalwirkung zuverlässig und kontinuierlich zu gewährleisten. Daher müssen sie mit ihren finanziellen Ressourcen umsichtig haushalten und diese effizient verwenden. Drei Faktoren sprechen im aktuellen Marktumfeld für stabile Dividendenrenditen: Erstens sei davon auszugehen, dass die Basis von Dividendenausschüttungen, die Konzerngewinne, auch 2014 moderat wachsen werden. „Insgesamt sollten die geldpolitischen Rahmenbedingungen das globale Wachstum weiter unterstützen, weil die Geldpolitik gewissermaßen das Sicherheitsnetz für die Weltkonjunktur darstellt“, so Nacken. Der einsetzende Lageraufbau in der Industrie sollte der Wirtschaftsdynamik in den entwickelten Volkswirtschaften zusätzlich entgegenkommen. Daneben dürfte eine beschleunigte Investitionstätigkeit zum Wachstum beitragen. Allerdings könnten die langfristigen Wachstumsraten niedriger ausfallen als vor der Finanzkrise, da der anhaltende Abbau der Verschuldung im privaten und öffentlichen Sektor die Konjunktur bremsen dürfte. Zweitens sind aufgrund der erfreulichen Gewinnentwicklung nach der Finanzkrise 2008/2009 die Ausschüttungsquoten der Konzerne deutlich gesunken. Daher bleibe der Spielraum für weitere, künftige Dividendenerhöhungen unverändert vorhanden. Drittens verfügen die Unternehmen derzeit über einen hohen Bestand an frei verfügbaren Mitteln (Cashflow). So liege der Netto-Cashflow der US-Unternehmen bei rund 1.700 Mrd. US-Dollar, was in Relation zum US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) fast 14 Prozent ausmacht und damit nahe dem Höchststand aus dem Jahr 2011. Die Phase des „Deleveraging“ nach der Finanzkrise – d.h. die Eigenkapitalbasis zu stärken und Fremdkapital abzubauen – sei bei den Konzernen bereits weit vorangeschritten, wodurch sich die Unternehmen 2014 weiter dem Shareholder-Value widmen könnten.

Was spricht gegen eine Erhöhung der Dividenden?

„Historische Erfahrungen zeigen, dass die Erholung nach Finanzmarktkrisen eher schwach ausfällt und ein selbsttragender Aufschwung nur zähflüssig in die Gänge kommt“, berichtet Nacken. Dies nährt die Erwartung einer unverändert schwachen Wachstumsdynamik.

Darüber hinaus gebe es viele Unternehmen mit volatilen Erträgen wie Banken, die aufgrund des hohen Refinanzierungsbedarfs sowie der zunehmenden Regulierung kaum Dividendenkontinuität gewährleisten können. Dies sind aber Unternehmen, die sich nicht durch Dividendenstrategien auszeichnen. Und last but not least könnten Unternehmen, anstatt die frei verfügbaren Mittel auszuschütten, verstärkt nach Investitionsmöglichkeiten suchen und beispielsweise Übernahmeaktivitäten verfolgen. Studien zu Übernahmen aus der Vergangenheit würden allerdings zeigen, dass die überwiegende Anzahl von Übernahmen niemals die versprochenen Renditen erreicht haben.

Der Allianz European Equity Dividend-Fonds

Wer vor dem Kauf von dividendenstarken Einzeltitel zurückschreckt, hat die Möglichkeit sich langfristig an der Entwicklung mehrerer Dividendentitel über den Fonds „Allianz European Equity Dividend“ zu beteiligen. Dieser defensiv ausgerichtete Fonds setzt auf Aktien von qualitativ hochwertigen europäischen Unternehmen mit dem Ziel, für die Anleger eine hohe nachhaltige Dividendenrendite zu erzielen und langfristige, stabile Kapitalerträge zu generieren.

Der Fonds setzt auf europäische Blue-Chip-Aktien wie GlaxoSmithKline, Royal Dutch Shell, BP, Münchner Rück und British American Tobacco und ist sowohl was die Auswahl der Länder und die der Sektoren betrifft breit diversifiziert. Der Fonds erzielte seit Auflage im Jahr 2001 eine annualisierte Wertentwicklung von 9,70 Prozent.

Dividendenstrategien

sind in der Regel durch Unternehmen charakterisiert, welche

• eine überdurchschnittliche Dividendenrendite innerhalb des jeweiligen Marktindex erwarten lassen

• eine Ausschüttungsquote von weniger als 70 Prozent aufweisen

• Potential für zukünftige Dividendensteigerungen besitzen und gleichzeitig

• eine zuverlässige Dividendenpolitik sowie Dividendenhistorie aufweisen

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