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Praxis 7. April 2014

Ampel für Biotech-Aktien steht weiterhin auf Grün

Steigende Lebenserwartung pusht Biotechnologie-Medikamente.

In den vergangenen zehn Jahren zählte die Gesundheits-Branche zu den Spitzenreitern an den internationalen Börsen. Besonders Aktien aus der Biotechnologie-Branche ließen andere Sektoren weit hinter sich. So kletterte der NASDAQ-Biotech Index allein in den letzten fünf Jahren auf Dollar-Basis um 304,92 Prozent (Quelle: Bloomberg per 28.12. 2013). Nach diesem rasanten Höhenflug stellt sich jetzt natürlich die Frage, ob Biotech-Aktien bereits zu teuer sind und wie die Zukunftsperspektiven aussehen.

Für die Experten der Erste-Sparinvest sind die Aussichten für das Biotechnologie-Segment weiterhin positiv zu bewerten: „Die Überalterung der Gesellschaft, die fortwährenden Medikamenten-Innovationen, die Konsolidierung der Branche sowie ein jährliches Umsatzwachstum der Unternehmen zwischen 10 und 15 Prozent und des Gewinnwachstums, welches aktuell bei 20 bis 25 Prozent liegt, sind die treibenden Faktoren“, fasst Harald Kober, Fondsmanager der Sparinvest, die wichtigsten Argumente für eine Fortführung des positiven Trends zusammen. Laut Eurostat-Schätzungen wird die Weltbevölkerung bis 2060 auf 9,9 Mrd. Menschen wachsen, rund 30 Prozent (derzeit 11%) der Bevölkerung werden dann 65 Jahre und älter sein. Allein in Deutschland wird es zwischen 2009 und 2060 laut Biotech-Report zu einem Anstieg der Pflegebedürftigen um 93 Prozent kommen. Dies führe durch die steigende Lebenserwartung zu einer zunehmenden Nachfrage nach Medikamenten und Gesundheitsdienstleistungen. Allgemein steht die Gesundheitspolitik unter einem großen Druck, die Kosten weiter zu senken und innovative Wege zu verfolgen. Die Pharmacotherapy könnte helfen, die generellen Kosten zu reduzieren. „Die Kosten für das Gesundheitswesen werden explodieren. Bereits 2018 könnten Biotech-Produkte den Umsatz mit konventionellen Medikamenten überholen“, sagte ESPA Stock Biotec-Fondsmanager Harald Kober vor Medienvertretern in Wien. 2011 lag der Anteil der Biotech-Produkte erst bei 22 Prozent.

Biotech-Medikamente besitzen gegenüber konventionellen Behandlungsmethoden einen entscheidenden Vorteil: Sie konzentrieren ihre Wirkung auf die befallenen Bereiche des Körpers, beispielsweise mutierte Zellen. Dadurch können Eingriffe wesentlich präziser durchgeführt und die Nebenwirkungen erheblich reduziert werden. In den vergangenen Jahren lebte die Biotechnologie vor allem von der Phantasie, dass sie in der Forschung einen Durchbruch erzielt. Diese Hoffnung auf Forschungs- und Absatzerfolge wurde nicht enttäuscht: In den letzten zehn Jahren erfolgten hunderte Neuzulassungen und Medikamenten-Neuanträge. „Medikamente aus den Labors der Biotechnlogie-Unternehmen treten immer öfter an die Stelle der herkömmlichen Blockbuster“, bestätigt Kober. Infolge dieser Erfolge wurden Biotechs zu begehrten Übernahmezielen der Pharmaunternehmen.

Zahlreiche Börsegänge und M&A-Aktivitäten

Alleine in den USA gab es im Vorjahr M&A (Merger & Akquisitions)-Transaktionen im Ausmaß von 39 Milliarden US-Dollar. So wurde Life Technologies von Thermo Fisher Scientific, Onyx von Amgen, Viropharma von Shire sowie Algeta von Bayer übernommen. Die 47 Börsegänge im Vorjahr, davon 36 im zweiten Halbjahr, zeugen von der hohen Aufmerksamkeit der Investoren für den Biotechnologie-Sektor. Um die Jahrtausendwende habe es zwar viel Zukunftsphantasie, aber geringe Umsätze gegeben. Das sei nun anders. Bei den größten zehn börsenotierten Biotechnologie-Titeln werden die Umsatzerlöse laut Schätzungen bis 2016 auf 80,6 Mrd. US-Dollar ansteigen (von 48,5 Mrd. im Jahr 2013). Gleichzeitig sollen die Gewinne von 11,7 Mrd. im Vorjahr auf 32,5 Mrd. US-Dollar klettern.

Grund dafür ist, dass sich die regulatorischen Rahmenbedingungen stark verbessert haben. So wurden laut amerikanischer FDA (Food and Drug Administration) 2013 insgesamt 27 Medikamente neu zugelassen und 36 Neuanträge gestellt. Im Vorjahr waren die Kurssteigerungen (bis zu 50%) außergewöhnlich hoch. Dies werde sich aber nicht mehr in diesem Ausmaß fortsetzen. Im heurigen Jahr sei mit vorübergehenden Rückschlägen zu rechnen, welche die Anleger als Kaufgelegenheiten nutzen sollten. „Die Entwicklung ist jedoch fundamental untermauert, daher kann man nicht von einer Blase sprechen.“ Den Anlegern stehe demnach keine neue Durststrecke wie nach dem Platzen der Hightech-Blase im Jahr 2000 bevor. „Für Investoren mit entsprechender Risikobereitschaft empfehle ich daher aufgrund der hohen Volatilität ein Engagement über einen Fondssparplan mit regelmäßigen Einzahlungen“, so Kober.

Diversifikation mit dem ESPA Stock Biotec

Der ESPA Stock Biotec-Fonds hat seinen Anlageschwerpunkt vor allem in den USA und orientiert sich bei der Aktienauswahl am Nasdaq-Biotechnologie-Index. „Für unseren Fokus auf die USA spricht die dort weitaus größere Anzahl attraktiver Unternehmen als beispielsweise in Europa und die dort vorherrschende höhere Liquidität der Aktien“, erklärt Kober. Denn der Biotechnologiesektor sei stark fragmentiert, 84 Prozent der Unternehmen verfügen über eine Marktkapitalisierung von unter einer Milliarde US-Dollar. Bei der Auswahl der einzelnen Aktien achtet der Fondsmanager auf eine vielversprechende Produktpipeline und die Frage, wie groß der Markt für ein potenzielles Medikament ist. Das US-Unternehmen Biogen, welches im Fonds zu den beiden größten Positionen zählt, bringe beispielsweise in den USA gerade ein neues Medikament gegen Multiple Sklerose auf den Markt und in Europa steht die Produkteinführung kurz bevor.

Ein weiteres Unternehmen, Sarepta Therapeutics konzentriere sich auf die Entwicklung eines Wirkstoffes zur Bekämpfung der seltenen Krankheit Duchenne Muskeldystrophie (DMD). Patienten mit DMD verlieren zwischen sieben und 13 Jahren die Fähigkeit zu gehen und haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 20 bis 30 Jahren. Beim amerikanische Schwergewicht Celgene befindet das Krebsmedikament Abraxane in der Phase-III-Studie. Zusätzliche positive Impulse verspreche die Markteinführung von Apremilast. Dieses Medikament kommt bei der Psoriasis Arthritis zum Einsatz und bewirkt als Nebeneffekt, dass sich auch die Psoriasis der Haut verbessert.

Ein weiteres großes Biotec-Thema in der Medikamenten-Entwicklung sei die Bekämpfung von Adipositas. Derzeit umfasst der Biotec-Fonds 104 Aktienpositionen, die ähnlich wie im Nasdaq-Index gewichtet sind. Dies sei in diesem Segment von Vorteil. „Die Aktienentwicklung der einzelnen Unternehmen hängt ganz entscheidend von den Studienergebnissen für neue Wirkstoffe ab“, betont Kober. Dabei komme es häufig zu positiven, aber auch negativen Überraschungen. Viele Fonds der Mitbewerber seien stärkere Wetten eingegangen, was sich aber letztendlich nicht wirklich ausgezahlt hat. Kober baut hingegen nur kleinere Positionen auf, bei denen die Unternehmen stärker oder schwächer als im Nasdaq-Biotec-Index positioniert werden. Der ESPA Stock Biotec wurde am 17. April 2000 erstmals aufgelegt und verfügt über ein Fondsvolumen von 89,59 Mio. Euro. Zu den am stärksten gewichteten Titel zählen Biogen, Gilead, Celgene, Amgen und Regeneron. Die durchschnittliche Brutto-Wertentwicklung seit Fondsbeginn lag bei 8,75 Prozent per anno, im vergangenen Jahr erzielte der Fonds sogar eine Wertsteigerung von 72,65 Prozent.

M. Strausz, Ärzte Woche 15/2014

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