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Praxis 7. April 2014

Diktieren mit dem Smartphone

Optionen für niedergelassene Ärzte.

Die Anbieter von Spracherkennungssystemen gehen in die mobile Offensive. Von App-Lösungen über Cloud-Systeme soll Ärzten an jedem Ort und mit jedem mobilen Device künftig das tippfreie Arbeiten möglich sein.

Es fing an mit ersten Diktier-Apps für Smartphones. Das Ziel: Die kleinen Software-Anwendungen fürs Mobiltelefon sollten es Nutzern ersparen, auf Hausbesuch und Co. zusätzliche Hardware in Form eines Aufnahmegerätes mit sich herumzuschleppen. Zumal die meisten MP3-Player und Smartphones bereits selbst integrierte Rekorder besaßen – aber meist ohne die komfortablen Funktionen eines ausgefeilten Diktiergerätes. Wie etwa einer speziellen Datenverwaltung.

Es ging also auch darum, im Markt nicht plötzlich durch Handy-Hersteller ersetzt zu werden. Doch das mobile Zeitalter hat gerade erst angefangen, und besonders ärztliche Kooperationsformen oder größere Praxiseinheiten verlangen nach mehr als einer Diktier-App.

Sie wollen, dass Daten direkt in Patientenakten eingespielt werden, egal, auf welchem Gerät sie erfasst wurden. Und dieser Forderung versucht gerade der Marktführer der Spracherkennungssysteme im medizinischen Bereich, Nuance, nicht nur gerecht zu werden. Er will medizinischen Einheiten eine sichere Cloud-Lösung zur Verfügung stellen.

Textbausteine via Web verfügbar

360 | SpeechAnywhere Service heißt das neue Kind in der Spracherkennungsfamilie des Unternehmens. „Wir verlassen etwas die Technikecke und begeben uns ins Netzwerk“, fasste es Dr. Markus Vogel, Clinical Consultant DACH bei Nuance der Medica zusammen.

Vogel konnte aber auch zeigen, was er meint: Über den Webbrowser seines Laptops loggte er sich kurzerhand in die Spracherkennungssoftware ein. Dabei sind Textbausteine, die er einmal im System angelegt hat, ohne Probleme verfügbar.

Wie das funktioniert? Die SpeechAnywhere Services sind eine Cloud-basierte Client-Lösung, die sich über eine sichere Netzwerk- oder Mobilverbindung auf den Server einwählt, auf dem die Software samt ihrer Einstellungen hinterlegt ist.

Sie funktioniert über Windows-Applikationen und den Webbrowser ebenso wie über mobile Geräte. „Die sogenannten Speech Dragon Services funktionieren außer derzeit auf dem Blackberry auf allen mobilen Geräten“, so Vogel – also auch mit iOS- und Android-Geräten.

Damit wird das Unternehmen dem zunehmenden Trend gerecht, dass auch Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen mehr und mehr ihre eigenen mobilen Geräte mit an den Arbeitsplatz bringen und für die Arbeit nutzen. Bring your own Device – kurz BYOD – lautet das Stichwort.

Vorsicht bei Schweigepflicht

Vogel ließ es sich auch nicht nehmen, zu demonstrieren, dass die Lösung tatsächlich auch übers iPhone läuft. Auch hier wird das Diktat direkt erfasst und auf das System, das mit dem Arzt sozusagen dessen Art und Weise zu sprechen lernt, zugegriffen.

Nun ist in medizinischen Einrichtungen ja der Schutz der Daten immer ein heikles Thema. Denn zusätzlich zum Datenschutzgesetz greift auch die ärztliche Schweigepflicht.

Damit schwebt über allen technischen Anwendungen Paragraf 203 Strafgesetzbuch, der Verstöße gegen diese Schweigepflicht ahndet.

Die Lösung: Eine private Cloud, das heißt der Server, auf dem die SpeechAnywhere Applikationen liegen, steht in einer Klinik. Und es wird ein klinikinternes Netz aufgebaut. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass Arztpraxen als Cluster irgendwann einmal auf einen Server bei der Ärztekammer zugreifen“, so Vogel, der übrigens selbst Pädiater ist. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Eine interessante Lösung hat nach Angaben Vogels auch die Uniklinik Jena gefunden. Sie hat in einem Pilotprojekt Teile des Personals mit einem iPod ausgestattet – der allerdings nur in der Klinik genutzt wird – und zapft dann über ihr internes gesichertes WLAN die SpeechAnywhereServices im eigenen Haus an. „Die Kliniken tun sich derzeit auch noch schwer damit, dass Mitarbeiter von einem privaten Smartphone aus aufs System zugreifen – obwohl die Daten verschlüsselt übertragen werden“, sagt Vogel.

Direkter Zugriff von der Patientenakte?

In vielen Klinikinformationssystemen (KIS) kann der Client übrigens auch direkt in die Software integriert werden. Aber das hängt laut Vogel immer auch davon ab, ob der KIS-Anbieter dies ermöglicht. Bei den Praxis-EDV-Anbietern dürfte es ähnlich sein. Der Vorteil: Dann lässt sich das Diktat direkt in die Patientenakte sprechen.

Ebenfalls als serverbasierte Lösung für Ärzte und Kliniken kommt ProDictateSAS 2.0 von Devacon daher. Allerdings steckt auch hinter diesem System als Spracherkennungsengine der Nuance 360 | SpeechAnywhere Service.

Es gibt aber wie gesagt auch die einfachen Diktier-App-Lösungen. Mit diesen ist zwar definitiv kein direktes Sprechen in die Patientenkartei möglich, aber hier kann völlig unproblematisch auch jedes private Mobilgerät zum Einsatz kommen. Denn die Diktatdateien werden in der Regel per Mail auf Praxis- oder Klinikrechner geschickt. Aber: Um den verschlüsselten Versand müssen sich die Praxen oder Kliniken dann selbst kümmern.

Solche Apps bieten etwa der Diktiergeräte-Spezialist Philips mit seinem Philips Dictation Recorder, der jedoch nur unter iOS läuft. Ebenfalls auf Apple-Geräten einsetzbar ist die App „Dictamus – Diktieren & Senden“. Die App „ProMobile 2.2.93“ läuft hingegen auch auf dem Blackberry sowie unter Android und Symbian OS.

 

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