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Praxis 17. März 2014

Tipps für Qualitätsaktien

Fidelity empfiehlt Pharma-, Banken-, Technologie-, Medien- und Telekom-Branche.

An den Börsen wird die Zukunft gehandelt, die auf den europäischen Aktienmärkten recht unterschiedlich aussieht. Europas Aktien sind besonders in der zweiten Jahreshälfte 2013 gut gelaufen und die schwächeren Unternehmen haben sich positiver entwickelt als die Blue Chips. Die internationale Fondsgesellschaft Fidelity analysiert, in welchen Branchen jetzt Qualitätsaktien mit starken Wettbewerbspositionen zu finden sind, die sich langfristig gute entwickeln dürften.

In den vergangenen fünf Jahren war das Gewinnwachstum der Pharmaunternehmen das erste Mal seit 30 Jahren ins Stocken geraten. Das ändert sich nun wieder: Wegen der Aussicht auf eine Neubewertung und einem Gewinnwachstum im mittleren einstelligen Bereich verspricht der Sektor bis 2017 jährlich niedrige zweistellige Renditen. Neben der günstigen Bewertung ist auch die Dividendenrendite attraktiv. Sie liegt bei Pharmawerten im Schnitt bei 4,0 Prozent und damit über dem Durchschnitt aller Branchen in Europa, der 3,4 Prozent beträgt. „Europäische Pharmaunternehmen haben mittelfristig das Potenzial, sich besser zu entwickeln als der breite Markt. Die Branche tritt in eine neue Wachstumsphase und kann wieder optimistisch in die Zukunft blicken“, berichtet Fidelity-Kapitalmarktstratege Carsten Roemheld. Nachdem zahlreiche Patente umsatzstarker Medikamente ausgelaufen sind, kommen von einigen Firmen ermutigende Zeichen inneren Wachstums. Europäische Konzerne seien Weltmarktführer in den Bereichen Onkologie, Diabetes und Atemwegserkrankungen, in denen die Krankheitsfälle deutlich zunehmen. Dass sich wieder viele pharmazeutische Produkte in der Pipeline befinden, hätten die Märkte bislang weitgehend ignoriert. Der Fokus liege auf der Behandlung von Krebs. Etwa die Hälfte der entwickelten Produkte, die kurz vor der Zulassung stehen, betrifft die Onkologie. „Die Umsätze in diesem Bereich werden voraussichtlich von rund 80 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012 auf über 100 Milliarden Dollar im Jahr 2017 steigen“, prognostiziert Roemheld.

Novartis, Roche, AstraZeneca und Sanofi als Top-Picks

Europäische Konzerne wie Novartis, Roche und AstraZeneca dominieren das Geschäft. Im Kampf gegen Atemwegserkrankungen sind AstraZeneca und GlaxoSmithKline führend. Sie dürften für gut die Hälfte der für 2017 geschätzten Umsätze verantwortlich sein. Dies beinhaltet auch Medikamente gegen COPD. Novo Nordisk und Sanofi sind im Bereich Diabetes gut aufgestellt. Speziell in den Industriestaaten, wo die Zahl der an Diabetes Erkrankten durch falsche Ernährung und Bewegungsmangel stark ansteigt, wird mehr Insulin benötigt.

Profiteure der digitalen Revolution

„Das digitale Zeitalter revolutioniert nicht nur den Alltag, sondern auch Prozesse und Geschäftsmodelle zahlreicher Branchen. Die europäischen Technologie-, Medien- und Telekom-Unternehmen (TMT) stellen sich auf die enorme globale Nachfrage von Konsumenten und Unternehmen nach digitaler Vernetzung ein“, so Roemheld.

• Im Technologiesektor bringt die rasante Verbreitung von Smartphones eine enorme Vielfalt von Anwendungsmöglichkeiten. Dies führe zu einer verstärkten Nachfrage nach Mikrochips, mobiler Netz-Infrastruktur und Cloud-Computing. Aktuellen Schätzungen zufolge wird es bis 2020 rund 50 Milliarden mit dem Internet verbundene Geräte geben. Mit dem sogenannten „Internet der Dinge“ werden z.B. Thermostate bis hin zu Autos mit dem Internet verbunden. Daraus ergeben sich eine unglaubliche Datenflut sowie komplett neue Anwendungsmöglichkeiten. Zu den Profiteuren dürfte SAP gehören – dank der Datenbank HANA, einer Kombination aus Hardware und Software – die schnelle In-Memory-Technologie für die Verarbeitung und Analyse enormer Datenmengen nutzt. „SAP ist auch deshalb für Anleger reizvoll, weil das Unternehmen auf jährlich wachsende Einnahmen aus Wartung und Updates zählen kann“, betont Roemheld. Auch die Hardware-Industrie habe attraktive Titel wie ASML zu bieten, welche eine marktführende Stellung bei Lithographiesystemen, die für die Produktion von Mikrochips notwendig sind, einnimmt.

• Im Mediensektor haben die Firmen ihre Geschäftsmodelle angepasst und den Sprung ins digitale Zeitalter geschafft. Reed Elsevier beispielsweise hat sich von einem traditionellen Verlagshaus zu einem der weltgrößten Anbieter von Online-Datenbanken sowie Analyse- und Recherche-Tools gewandelt. Das Unternehmen bietet Medien und Services für Medizin, Recht und Wirtschaft an und dürfte von seiner guten Marktposition profitieren. Gute Gelegenheiten findet man im europäischen Mediensektor auch in Nischenmärkten. Ein Beispiel ist britische WPP. Der Werbekonzern sei neben den entwickelten Märkten auch in den Schwellenländern gut positioniert.

• Bei den Telekomwerten spielen die fortschreitende Konsolidierung und die Anpassung der Geschäftsmodelle an regulatorischen Vorgaben eine wichtige Rolle. Telekomunternehmen bieten eine immer größere Vielfalt an Services an – von Festnetz- über Mobil- bis hin zu TV-Angeboten. Das führt zu steigender Kundenbindung in einer Branche, in der die Wechselfreudigkeit der Kunden bisher hoch war. Die British Telekom (BT) sei ein gutes Beispiel für ein deutlich verbessertes Service- und Produktangebot. Eine wegweisende aufsichtsrechtliche Entscheidung fällt Mitte 2014, wenn die EU-Kommission über die Übernahme von E-Plus durch O2 entscheidet. „Wenn sie ohne große Klauseln durchgewunken wird, dürfte das die Aktien des gesamten Sektors beflügeln. Umgekehrt würde eine komplette Ablehnung der Fusion negative Auswirkungen auf alle Telekomwerte haben“, erläutert Roemfeld.

Steigende Dividenden im Bankensektor

Wie kaum eine andere Branche in Europa hat der Bankensektor in den vergangenen Jahren unter dem Vertrauensverlust der Investoren gelitten. In den letzten 18 Monaten hat sich die Stimmung jedoch gedreht: Die Aktienkurse der Banken sind stärker gestiegen als der Rest des Marktes. Profitiert hat der Bankensektor auch von der Normalisierung der Anleiherenditen der Peripherieländer wie Griechenland, Spanien oder Italien.

Zum einen ist das Bilanzrisiko deutlich geringer geworden, zum anderen sind die Kreditinstitute jetzt weniger misstrauisch, untereinander Geschäfte zu tätigen. Der Rückenwind für die Kreditinstitute komme vor allem von der anspringenden Konjunktur. Viele europäische Banken sind für die Zukunft gut aufgestellt und diese Stärke werde sich auch im Gewinnwachstum niederschlagen.

Ein weiterer wichtiger Treiber für Kursgewinne sind die Ausschüttungen an die Aktionäre. Analystenschätzungen zufolge wird das Dividendenwachstum der Branche in den kommenden Jahren das aller anderen Sektoren in Europa übertreffen. „Der Mix aus steigenden Dividenden, dem sich abzeichnenden Wirtschaftswachstum und den daraus resultierenden Gewinnsteigerungen dürfte die Banken im anhaltenden Niedrigzinsumfeld attraktiv machen“, zeigt sich Roemfeld optimistisch.

Empfehlenswerte Bankaktien

Aussichtsreich sei beispielsweise die KBC. Die belgische Bankengruppe besitzt ein starkes Retail-Geschäft und bewegt sich am Heimmarkt und in Tschechien auf einem oligopolistischen Markt und hat vergleichsweise wenige direkte Wettbewerber. Darüber hinaus lohne sich ein Blick auf die Erste Bank. Deren Abschreibungen für Kredite in Rumänien und Ungarn erscheinen jetzt mit Blick auf die Markterwartungen ausreichend. Zudem steht eine Restrukturierung des lokalen Geschäfts in Österreich an, aus der sich Gewinnsteigerungschancen ergeben. Die Schweizer UBS bleibt ebenfalls interessant. Die Marktteilnehmer erwarten einen Rückzug aus dem Investmentbanking innerhalb von drei bis vier Jahren. Gelänge dies, könnten Aktionäre davon profitieren, dass die Bank weniger Kapital einsetzen und weniger Risiken eingehen muss. Bis dahin seien Risiken aus dem Investmentbanking, insbesondere Rechtsrisiken, allerdings nicht auszuschließen, so Roemfeld abschließend.

M. Strausz, Ärzte Woche 12/2014

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