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Praxis 18. Februar 2014

Die große Banken-Abzocke

Bankenmonitoring der Arbeiterkammer Wien.

Die Arbeiterkammer Wien untersuchte die Bankspesenentwicklung zwischen Dezember 2012 und November 2013 und stieß auf teilweise saftige Preiserhöhungen.

Die AK hat 53 Dienstleistungen von zwölf Wiener Banken erhoben. Das Ergebnis: nur drei der Banken (easybank, Santander Consumer Bank und WSK Bank) haben im Beobachtungszeitraum keine Preis- bzw. Entgelterhöhungen vorgenommen. Hingegen haben acht Banken mehr als einen Preis erhöht. Dabei schoss die Bank Austria mit Preiserhöhungen bei 27 Positionen (zwischen 6,35% und 8,0%) den Vogel ab. An zweiter Stelle rangiert die Generali Bank, die 19 ihrer Preise zwischen 6,67 und 25 Prozent „anpasste“ – Bankenfachjargon für Verteuerungen. Immerhin wurden zwei Konditionen um die Hälfte gesenkt (Sperrgebühr für Sparbuch bzw. Konto im Verlassenschaftsverfahren – von 60 auf 30 Euro). An dritter Stelle der „Preiserhöher“ liegt die Erste Bank mit Preissteigerungen bei zwölf Positionen (zwischen 1,18 und 163,16 (!) Prozent). Gleichzeitig gab es bei drei Positionen Preissenkungen.

Preiserhöhungen ausgewählter Bankinstitute

Die ING Diba erhöhte zwar lediglich einen Preis für Stundung einer oder mehrerer Kreditraten um 210 Prozent, bietet aber als Spezialbank deutlich weniger Dienstleistungen an. „Die Preiserhöhung ist zwar mehr als deutlich ausgefallen, aber die Stundungsgebühr lag zuvor beträchtlich unter dem durchschnittlich verrechneten Entgelt anderer Institute“ betont AK Wien Finanzdienstleistungsexperte und Co-Studienautor Martin Korntheuer. Mit den aktuell verlangten 45 Euro sei sie noch immer geringfügig günstiger als der Marktdurchschnitt (Medianwert 50 Euro).

Bei der Bank Austria fanden zahlenmäßig die meisten Preiserhöhungen statt. „Bis auf eine Ausnahme (Einzahlung auf fremden Bank Austria-Konto um plus 21,62 Prozent) wurden die Erhöhungen relativ gleichmäßig – zwischen 6,35 und acht Prozent durchgeführt, was zu keinen nennenswerten Ausreißern bei den Anpassungen geführt hat“, so Korntheuer.

Erwähnenswert ist auch die Volksbank Wien-Baden, welche teils saftige Preiserhöhungen durchführte (Erhöhungen im Kredit- und Wertpapierbereich zwischen 50 und 167 Prozent).

Fazit: Die Mehrzahl der beobachteten Banken hat die Spesen bei den untersuchten 53 Leistungspositionen des Zahlungsverkehrs-, Spar-, Kredit-und Wertpapierbereich teilweise kräftig erhöht. „Auffallend ist, dass die stärksten Preisanpassungen bei jenen Dienstleistungen vorgenommen wurden, die bereits in der Vergangenheit nicht unbedingt durch faire Kosten geglänzt haben, z.B. Bareinzahlungen am Schalter sowie Mahnspesen, aber auch im Kredit- und Wertpapierbereich lagen die Erhöhungen deutlich über der Inflationsrate“, fasst Korntheuer das Bankenmonitoring zusammen. Andererseits war die Zahl der Preisposition, die abgesenkt wurden verschwindend gering.

Girokonten-Kosten für Otto Normalverbraucher

Beim anschließenden Girokontentest wurden die Preise von 41 Gehaltskonten von 19 Banken in Wien bzw. Online-Banken am 9. Jänner 2014 erhoben (Quelle: www.bankenrechner.at). Das Ergebnis: Die jährlichen Gesamtkosten für einen „Normalnutzer“ (280 Buchungen pro Jahr) reichten von 0 bis 240,32 Euro. Die teuren Kontopakete erhalten jedoch im Schnitt deutlich mehr Leistungen als kostengünstige Girokonten, beispielsweise eine oder mehrere Kreditkarten. Der in der Mitte liegende Wert (Median) bei den jährlichen Kontokosten beträgt 87,56 Euro. In diesen jährlichen Gesamtkosten sind keine Zinsen (für Guthaben und/oder Überziehungen) berücksichtigt. Die günstigsten Sollzinsen (7,50%) gibt es bei www.direktanlage.at und der easybank. Dort erhält man auch die meisten Habenzinsen (0,25%). Die Gesamtkosten dieser Online-Banken betragen 0 Euro. Die Überziehungszinsen (innerhalb des Rahmens) betragen zwischen 4,70 Prozent (Hypo Alpe-Adria) und 13,50 Prozent bei der türkischen VakifBank. Die Zinsen für Guthaben betragen zwischen null (Bank für Tirol und Vorarlberg) und 0,5 Prozent (easybank). „Die Bank für Tirol und Vorarlberg, die eher die betuchte Klientel anspricht, verlangt auch die höchsten Gesamtkosten für das BTV-Gehaltskonto von 240,32 Euro“, erzählt Korntheuer. An der zweiten Position der Gesamtkosten liegt die Unicredit Bank Austria (Erfolgskonto Gold (sic!) mit 189 Euro.

Tipps für Verbraucher

„Zinsen für Guthaben und Überziehungen beinhart verhandeln: In den meisten Fällen ist es möglich, über Sollzinsen zu verhandeln“, empfiehlt Korntheuer. Entscheidend sind letztendlich die persönliche Bonität, langjährige Kundenbindung und Verhandlungsgeschick. Bei Habenzinsen gibt es ebenfalls Verhandlungsspielraum: Bei manchen Instituten sind die Einlagezinsen betragsabhängig gestaffelt. Überlegen Sie eine langfristige Kontoüberziehung in einen Privatkredit umzuschulden. Die Kreditzinsen sind häufig deutlich geringer als die im Durchschnitt verrechneten Überziehungszinsen am Girokonto.

Ein weiterer Tipp: Beleghafte Buchungen sind teurer als beleglosen Buchungen. Vermeiden Sie außerdem die Nichtdurchführung von Dauer- und Einziehungsaufträgen mangels Kontodeckung. Nicht durchführbare Einziehungsaufträge können über zehn Euro kosten. Empfehlung: Eventuell den Durchführungszeitpunkt bei Daueraufträgen ändern lassen, beispielsweise wenn Monatszahlungen (Gehalt, Lohn) eingehen. Einige Banken bieten für besondere Berufsgruppen – beispielsweise für Ärzte – günstigere Konditionen in mehreren Produktbereichen, nicht nur bei Girokonten, an. Nachfragen kann sich lohnen.

Weitere nützliche Tipps der AK-Experten

• Änderung von Daueraufträgen können 3,20 Euro kosten. Aber in vielen Fällen sind Änderungen via Internet-Banking spesenbegünstigt oder sogar kostenlos.

• Keine Barbehebungen oder Bankeinzahlungen am Schalter: Die Geldausgabeautomaten oder Bankomaten sind jedenfalls billiger als Schaltertransaktionen. Einige Institute (Erste Bank,...) bieten die Möglichkeit, im Foyer bei Automaten Geld einzuzahlen.

• Meiden Sie Bareinzahlungen von Zahlscheinen an der Kassa: Kosten bis zu sieben Euro sind möglich – kostengünstiger ist die Überweisung von ihrem Girokonto. Auch Dauer- und Einziehungsaufträge sind billiger.

• Bei Konten mit Einzelpreisverrechnung gilt: Weniger Transaktionen, weniger Spesen – daher „unnötige“ Buchungen vermeiden.

• Bei Konten mit Pauschalverrechnung: Pauschal ist nicht pauschal – prüfen Sie daher, ob alle oder nur eine bestimmte Anzahl von Buchungen kostenlos sind.

• Kontoauszüge über Auszugsdrucker sind kostengünstiger als periodische Kontoauszüge, die Sie am Schalter erhalten.

• Benützung der Bankomatkarte im Ausland: Bei Bargeldbehebungen am Bankomaten außerhalb des Euroraums werden 0,75 Prozent plus 1,82 Euro verrechnet. Bezahlen Sie mit der Bankomatkarte, fallen 0,75 Prozent plus 1,09 Euro an.

• Kontrollieren Sie ihre Kontoauszüge regelmäßig und reklamieren Sie Fehler unverzüglich. Ein Einspruch muss gemäß Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) der Banken innerhalb von zwei Monaten schriftlich erfolgen. Auch die ausverhandelten Zinsen sowie die Höhe des Überziehungsrahmens sollten regelmäßig „gecheckt“ werden.

• Last but not least: Nutzen Sie den AK-Kontovergleich unter www.bankenrechner.at und wählen Sie jenen Nutzertyp aus der ihrem persönlichen Konto-Nutzungsverhalten am ehesten entspricht (Normal-, Wenig- oder Vielnutzer).

Die Forderungen der Arbeiterkammer

Dass jeder Verbraucher ein Girokonto benötigt und auch einen Rechtsanspruch darauf haben soll, hat nun auch die EU-Kommission erkannt und eine neue Bankkonto-Richtline vorgeschlagen. Denn es gibt noch immer viele Menschen, die durch die Weigerung der Banken ein Konto zu eröffnen bei der Jobsuche und im Alltag benachteiligt werden. Vor allem sind für Zahlungen ohne Kontovertrag sehr hohe Zahlscheingebühren zu berappen, die in Summe häufig mehr kosten als ein Konto. Die AK fordert daher, dass alle Banken ein Basiskonto anbieten müssen.

Weiter Forderungen der AK-Experten:

• Transparenz bei Girokonten: Preise sollen klarer und Fachbegriffe verständlicher werden

• Preisaushang und klare Preisinfo im Internet

• Transparente Zinsanpassungsklauseln

M. Strausz, Ärzte Woche 8/2014

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