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Praxis 31. Jänner 2014

2014: Schicksalsjahr für Goldinvestoren

Gold hat zuletzt an Glanz verloren, die Zukunft sieht jedoch positiv aus.

Der Goldexperte und Incrementum Fonds-Manager Ronald Stöferle erwartet bis Juli einen Goldpreis um die 1.480 Dollar und innerhalb eines Jahres einen Anstieg auf 1.500 bis 1.600 Dollar pro Feinunze.

Von seinem historischen Tiefstand von 278 US-Dollar kletterte der Goldpreis in lichte Höhen und erreichte sein All-Time-High am 6. September 2011 bei 1.920,70 Dollar. Nach dem Goldpreisverfall im Vorjahr (-28%) lag der Tiefstand bei 1.170 Dollar. Zuletzt setze eine Erholung ein. Der Goldpreis lag bei Redaktionsschluss am 24. Jänner bei 1.266 Dollar. „Ich empfehle nach wie vor fünf bis zehn Prozent des Anlagevermögens in Gold zu investieren“, betont Stöferle. Gerade in einer Phase, in der viele Börsen zu neuen Höchstständen klettern, sei Gold als antizyklisches Investment zu betrachten. Bei vielen Aktien ist die Euphorie bereits eingepreist und der Anstieg der Aktienkurse werde sich noch in diesem Jahr umkehren.

Bankenprognosen über die Goldpreisentwicklung 2014

Die Analysten der internationalen Großbanken stehen Gold weiterhin kritisch gegenüber. Insbesondere die Geldpolitik der US-Notenbank Fed und die allgemeine Zinsentwicklung spielen bei den Schätzungen eine wichtige Rolle.

Ole Hansen, Rohstoffstratege der dänischen Saxo Bank, rechnet mit einem weiteren Kursrückgang auf 1.080 Dollar. „Bei diesem Niveau hätten wir die Hälfte erreicht, was zuvor gewonnen wurde.“ Bei Goldman Sachs prognostiziert Analyst Eugene King einen Goldpreis von 1.144 Dollar. Im Commodity Outlook von Bank of America Merrill Lynch heißt es, dass aufgrund einer strafferen US-Geldpolitik und steigenden Zinsen der Goldpreis kurzfristig auf ein Niveau von 1.100 Dollar pro Feinunze fallen könnte.

Doch man erkennt auch Positives: „Wir sehen einige ermutigende Signale, vor allem die physische Nachfrage aus den Schwellenländern (wie China), die Gold mittelfristig als solides Investment erscheinen lassen.“

Die Schweizer USB erwartet einen durchschnittlichen Goldpreis von 1.200 Dollar. Man reduzierte die eigene Prognose damit deutlich von früheren Forecasts, die zuletzt noch 1.325 Dollar für 2014 vorhersahen. Erst bei 1.050 Dollar sieht man wieder ein „angemessenes“ Einstiegsniveau.

„Der Goldpreis dürfte sich vom historischen Einbruch im Vorjahr erholen und in diesem Jahr moderat steigen“, so die deutsche Commerzbank. Man rechnet mit einem Goldpreis von 1.400 Dollar am Ende 2014. Die robuste Goldnachfrage aus Asien und ein allmählicher Wiederanstieg der Investmentnachfrage werden als Basis für diese optimistische Prognose herangezogen. Das Zentralinstitut der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (DZ Bank) geht davon aus, dass die geldpolitische Wende in den USA nur schrittweise voranschreitet. „Im Tief rechnen wir 2014 mit einem Goldpreis von 1.100 Dollar“, so die DZ Bank in ihrem Ausblick. Ronald Stöferle ist bullish: „Ich rechne mit einer Renaissance von Gold und rechne mit einem Goldpreis von 1.480 Dollar im Juli 2014.“

Ende des Aufschwungs oder Korrektur?

Wenn man den Goldmarkt beobachtet, erhält man ein zweigeteiltes Bild: Viele Privatanleger glauben an einen baldigen Wiederanstieg des Edelmetalles und kaufen derzeit vor allem Goldmünzen- und Barren in großen Mengen.

Professionelle Investoren äußern sich eher pessimistisch und lassen von Gold als Anlageinstrument aktuell lieber die Finger. Wer richtig liegt, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden. „Die Goldhausse ist unserer Meinung nach keinesfalls beendet“, gibt sich Daniel Marburger von Jewellers Trade Services in London durchaus zuversichtlich. „Wenn wir über Gold reden, reden wir über einen Rohstoff, der endlich vorhanden ist. Je näher wir an diesen Tag X rücken, umso höher wird der Goldpreis sein.“

Auch GR Asset-Manager Uwe Bergold sieht mittelfristig nur eine mittelfristige Konsolidierung nach zwölf Jahren ununterbrochen Goldpreisanstieg. „Nach Ende dieser zyklischen Korrektur, was aus fundamentaler Sicht zwischen 1.100 und 1.200 Dollar/Unze sein wird, wird der Goldpreis seine säkulare Hausse fortsetzen und neue Höchststände erreichen.“ Als Grund nennt Bergold die expansive Geldpolitik, die zwangsweise zu steigender Inflation und negativer Realverzinsung führe. Somit scheint klar, dass dem Goldpreis noch einige schwierige Monate bevorstehen. „Der Großteil der „schwachen Hände“ hat den Markt bereits verlassen und wir könnten Mittelzuflüsse und eine Preisstabilisierung ab dem zweiten Quartal 2014 sehen“, glaubt Eugen Weinberg, Chef-Rohstoffanalyst der Commerzbank.

Für Gold-Fans wie Dirk Müller, der seine Karriere als „Mr. Dax“ durch die Messen und Talkshows Deutschlands als Händler startete, gehören Edelmetalle wie Gold und Silber „ganz automatisch“ in jedes Portfolio. „Diese sollten im Depot einen Anteil von 10 bis 20 Prozent ausmachen.“

Was sagt die Charttechnik?

Als Erstes sticht der zunächst steile, mittelfristige Abwärtstrend ins Auge. Betrachtet man den Goldpreis hingegen aus einer längerfristigen Perspektive, erkennt man rasch, dass die wichtigste und seit dem Jahr 2001 gültige Aufwärtstrendlinie dennoch nicht gebrochen wurde. Nach wie vor hat der Goldpreis die Chance auf die Ausbildung eines Doppeltiefs und damit auf eine untere Umkehrformation. Sollte der Turnaround gelingen, hätte der Goldpreis kurzfristig Kurspotenzial bis in den Bereich von 1.300 Dollar, mittelfristig wäre dann ein Anstieg bis auf 1.600 Dollar wieder im Bereich des Möglichen, so die Charttechniker. Sollte allerdings das im Juni 2013 markierte Drei-Jahres-Tief – die massive Unterstützung bei 1.180 Dollar – nicht halten, so müssten sich Anleger auf einen Rückgang des Goldpreises bis in den Bereich von 1.000 Dollar je Feinunze einstellen. Große Investoren wie Warren Buffet, selbst ein bekennender Aktien-Dan und Gold-Hasser, meinen hingegen, dass eine miese Anlegerstimmung (Sentiment) ein hervorragender Kontraindikator ist.

Wo bleibt die Rally bei Goldminen-Aktien?

„Goldminen sind die Persona non grate in der Investmentlandschaft“, weiß Gold- und Rohstoff-Report-Chefredakteur Jochen Stanzl. Die Minen haben bis 2007 Gold zu 300 Dollar und darunter verkauft, obwohl der Goldpreis bereits auf 850 Dollar gestiegen war. Dann begannen sie, ihre Vorausverkäufe aufzulösen. Dieser schmerzhafte und Milliarden US-Dollar verschlingende Prozess dauerte bis zum Jahr 2011. Ausgerechnet in diesem Jahr, ab dem die Preise eigentlich weiter steigen und die Margen weiter zulegen sollten, bildete Gold seinen Höhepunkt bei 1.923,70 Dollar aus. „Jetzt stehen die Minen ´nackt im Markt´, das heißt, sie haben keine Preisabsicherung mehr“. Sie seien daher vollständig von den Marktpreisen abhängig, die an den verschiedenen Terminbörsen für Gold gehandelt werden. Und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt fiel Gold vom Höchststand auf zwischenzeitlich unter 1.200 Dollar.

Die Vorstände der Minengesellschaften haben also alles falsch gemacht, was sie hätten falsch machen können. „Ich frage mich daher: Welcher Vermögensverwalter soll diese Aktien kaufen?“ Daher glaubt Stanzl, dass man derzeit bei Goldminen ein großes, nicht notwendiges Risiko eingehe, indem man versucht bei Goldminen-Aktien den Boden zu finden und antizyklisch einzusteigen. „Ich warte daher bei den Goldminen auf einen massiven Kaufschub. Derzeit bezweifle ich freilich, dass dieser Schub kommen wird“, erklärt Stanzl. Die Margen würden nie wieder so groß werden können, wie sie es einmal waren, außer den Minen gelänge es, die Kosten zu drücken, was angesichts weiter wachsender Lohn- und Materialkosten zweifelhafte Erfolgsaussichten haben dürfte. „Lassen sie sich hier also keinen Bären aufbinden. Wenn man schon Risiken mit Aktien eingehen muss, dann nicht auch noch Goldminen-Aktien“, so Stanzl. Seiner Ansicht nach sind Blue Chips wie BASF, Procter & Gamble doer Lindt & Sprüngli die bessere Alternative.

M. Strausz, Ärzte Woche 6/2014

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