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Praxis 9. Dezember 2013

Emerging Markets – Quo vadis?

Schoellerbank Analysebrief: großes Entwicklungs- und Ertragspotenzial in Asien.

Für mehr als ein Jahrzehnt haben die Schwellenländer dieser Welt – besser bekannt unter dem Modebegriff „Emerging Markets“ – die globale Konjunktur maßgeblich geprägt. Vor allem die sogenannten BRIC-Staaten, namentlich Brasilien, Russland, Indien und China, haben beeindruckende Wachstumsraten verzeichnet. Insbesondere während der Phasen der Subprime-Krise in den USA sowie der nach wie vor andauernden Staatsschulden-Krise in der Eurozone, haben diese Zukunftsmärkte zur Stabilität der Weltwirtschaft erheblich beigetragen.

„Dieser Umstand spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass die genannten Nationen inzwischen zu den zehn größten Volkswirtschaften der Welt zählen und beinahe 50 Prozent der weltweiten wirtschaftlichen Leistung auf sich vereinen“, berichtete Mag. Akhil Dhawan, Asset Manager der Schoellerbank in seinem kürzlich veröffentlichten Analysebrief. Im Sog dieser positiven Entwicklung profitierten auch die jeweiligen Finanzmärkte. Der enorme Kapitalzufluss sorgte in weiterer Folge dafür, dass die Indizes der betreffenden aufstrebenden Länder enorme Zuwachsraten verzeichneten und sich somit die Anleger über hohe Renditen freuen durften.

Emerging Markets – Konjunkturmotor im Wanken

In diesem Jahr ist jedoch der Motor der etablierten Schwellenländer gehörig ins Stottern geraten: Neben rückläufigem Wachstum und weiterhin zum Teil erheblichen strukturellen Problemen ist es die amerikanische Geldpolitik, die tiefe Sorgenfalten bei den dortigen Entscheidungsträgern sowie bei den Anlegern verursacht. „Die Ankündigung der US-Notenbank Fed, das so genannte `Quantitative Easing“ (QE)-Programm schrittweise zurückzufahren, führte in diesen Regionen zu Kapitalabflüssen in großem Stil, brachte die nationalen Währungen unter Druck und schickte auch gleichzeitig die Kapitalmärkte auf Talfahrt“, so Dhawan.

Diese monetäre Lockerung der US-Zentralbank kommt dann zum Einsatz, wenn der Zinssatz der Zentralbank bereits auf null oder fast null gesetzt wurde und weiterhin eine expansive Geldpolitik angesagt ist. In diesem Fall kauft die Zentralbank private oder Staatsanleihen, um weiterhin die Wirtschaft und die jeweiligen Staaten mit mehr Geld zu versorgen. Nachdem der Zeitpunkt für diese geldpolitische Maßnahme vorerst offen gelassen wurde, hat sich dieser Trend umgekehrt und die meisten Indizes haben die Niveaus vor dieser Bekanntgabe erreicht bzw. sogar übertroffen.

Dennoch werde es wohl in absehbarer Zeit zum Ende des mittlerweile dritten Quantitative Easing kommen, welches in den letzten Jahren Treiber für hohes Wirtschaftswachstum in den Emerging Markets gewesen ist. Unter dem Eindruck der diesjährigen Entwicklung sowie deren kurzfristigen, aber äußerst heftigen Auswirkungen stelle sich daher die Frage, welches Potenzial diese Schwellenländer unter der gegenwärtigen Ausgangslage noch bieten und ob sich mit dem noch eher unbekannten Thema „Frontier Markets“ eine neue Investmentstory in den Startlöchern befinde.

Frontier Markets = Emerging Markets 2.0?

Laut Asset Manager Akhil Dhawan werden die „Frontier Markets“ als nächste Stufe der Emerging Markets gesehen. Es handle sich dabei um Staaten, welche sich noch in einer frühen Phase ihrer ökonomischen Entwicklung befinden. „Sie sind charakterisiert durch unterentwickelte Kapitalmärkte, günstige demographische Strukturen, Export und Produktion von Rohstoffen sowie eine ausbaufähige Infrastruktur“, analysiert Dhawan.

Die genannten Faktoren gepaart mit höheren Wachstumsraten würden dafür sorgen, dass Länder wie Katar, Kuwait (größte Gewichtung im MSCI Frontier Markets-Index mit knapp 23 Prozent), Nigeria und Saudi-Arabien – die vier gegenwärtig bedeutendsten Märkte für Investoren – langsam an Bedeutung gewinnen. Aufgrund der geringeren Liquidität könne man von Fehlbewertungen profitieren und zusätzlich sorge eine geringe Korrelation zu den bewährten Aktienmärkten für eine geringere Volatilität. „Sollte es 2014 zu der erwarteten Umkehr der amerikanischen Geldpolitik kommen, werden die genannten Schwellenländer in einem weitaus geringeren Ausmaß davon betroffen sein, als dies mit den entwickelten Märkten der Fall war beziehungsweise zu erwarten ist“, betont Dhawan. Denn wo zuvor weit weniger Kapital hingeflossen sei, könne ebenso wenig zurückfließen.

Auch wenn das Diversifizierungspotenzial mit dieser Anlagekategorie groß sei und die Bewertungen attraktiv einzustufen sind, sei ein Investment in die Frontier Markets mit großen Risiken behaftet. Obwohl einige der betroffenen Länder viel stabiler als noch vor einem Jahrzehnt sind, seien politische Risiken noch immer evident, wie es die Ereignisse im Nahen Osten – Stichwort „Arabischer Frühling“ – demonstriert haben. Zwar könne der illiquide Handel von Vorteil sein, in der Regel sind aber damit Liquiditätsrisiken verbunden, beispielsweise die generelle Handelbarkeit von Aktien.

Last, but not least sei in diesen Ländern die Korruption noch ein großes Problem, zusätzlich bestehe eine hohe Abhängigkeit von Rohstoffpreisen. Positiv sei, dass viele Währungen der Frontier Markets noch unterbewertet sind, was langfristig zu einer zusätzlichen Ertragsquelle führen sollte. Anleger müssten jedoch einen langen Atem beweisen, weil starke Währungsschwankungen nicht ausgeschlossen seien.

Fazit: Emerging Markets bleiben im Anlegerfokus

Eine regionale Bestandsaufnahme der Emerging Markets zeichne ein gemischtes Szenario: Die Wachstumsraten seien durch die Bank rückläufig, Prognosen gehen aber von einer Trendumkehr aus: Die zentral- und osteuropäische Region leide nach wie vor unter den Nachwirkungen der Eurokrise, Lateinamerika kämpft mit seiner Rohstoff-Abhängigkeit und Asien (mit Ausnahme Japans) werde von seinen strukturellen Defiziten beeinträchtigt. „Dennoch wird man an den Emerging Markets als Investment auch in Zukunft nicht vorbeikommen, weil der Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung weiter zunehmen wird, wenn auch nicht mehr derart hohe Wachstumsraten zu realisieren sein werden“, betont Dhawan. Während sich in den etablierten Schwellenländern das Wachstum normalisiere, sind es die Frontier Markets, wo sich die Wirtschaft in den kommenden Jahren überproportional entwickeln werde. Ein Investment sollte in diesen Ländern aber wohl überlegt sein, da die Risiken derzeit noch eindeutig überwiegen. „Gemäß unserem Grundsatz `Investieren statt Spekulieren` setzen wir bei unserer Anlagestrategie auf sichere und langfristige Veranlagung. In dieser Hinsicht setzen wir weiterhin in Asien ausgezeichnete Anlagemöglichkeiten und bieten hier Lösungen sowohl im Fondsbereich als auch auf Einzeltitelbasis an“, so Dhawan abschließend.

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