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Praxis 13. April 2006

Arzt-Patient-Gespräch: So ist das Setting ideal

Eine der Voraussetzungen dafür, dass das Gespräch zwischen Arzt und Patient gelingt, ist auch das richtige Setting. Tipps, welche räumlichen Situationen für Patienten am angenehmsten sind, gibt der Gladbecker Internist Professor Linus Geisler in seinem Buch "Arzt und Patient im Gespräch". 

Räumliche Distanz 

Stimmt die Distanz zwischen Arzt und Patient nicht, kann bei den Gesprächspartnern ein Gefühl des Unbehagens aufkommen, und das kann das Gespräch erheblich stören. Vier Distanzzonen, innerhalb derer Menschen kommunizieren, werden unterschieden. Für das Arzt-Patienten-Gespräch relevant ist die "weite persönliche Distanz" von 90 bis 150 Zentimetern. 
Sie markiert die äußerste Grenze des persönlichen Dominanzbereichs. Diese Distanz hat sich für Gespräche im Sitzen bewährt. Man sollte sie auch bewahren, wenn man sich bei Hausbesuchen auf das Bett des Patienten setzt: Nimmt man beispielsweise am Fußende Platz, befindet man sich außerhalb dieser persönlichen Distanz in einer Position, die nicht mehr für ein vertrauliches Gespräch geeignet ist. 

Sitzordnung 

Das Sitzen vis à vis zeigt an, dass man sich ganz seinem Gesprächspartner widmet und sich voll auf ihn konzentriert. Doch manche Menschen fühlen sich zu direkt konfrontiert. Das Sitzen über Eck in einem Winkel zwischen 90 und 150 Grad bietet dagegen einige Vorteile: Der frontale Einschüchterungscharakter wird vermieden, außerdem ist eine bewegliche Gesprächssituation gegeben. Die schräge Schreibtischsituation erlaubt es dem Arzt, sich Notizen zu machen und Unterlagen anzusehen, ohne sie zwischen sich und den Patienten zu halten. Die Sitzhöhe der Gesprächspartner sollte gleich hoch sein. Wenn einer tiefer sitzt als sein Partner, kann das das Gefühl der Unterlegenheit auslösen. Wenn die Gesprächspartner an einem Tisch sitzen, sollte der nicht breiter als 80 bis 100 Zentimeter sein, man sollte sich noch die Hand reichen können. 

Kompetente Patienten 

Verantwortung für den Therapieerfolg übernehmen 

Kompetenz heißt Sachverstand. Was aber ist dann die Kompetenz von Patienten? Ärzte haben es nicht nur mit Krankheitssymptomen zu tun, sondern mit kranken Menschen. Und wenn es um die eigene Person und die eigene Persönlichkeit geht, ist niemand kompetenter als der Patient selbst. 

Er ist der Experte für sein Wissen, seine Vorlieben, seine Ängste, seine Befindlichkeit, seine Lebensgewohnheiten - und all das sind Aspekte, die für eine funktionierende Therapie wichtig sind und die Ärzte berücksichtigen sollten.

Solcherart kompetente Patienten sind also zuständig für sich selbst, aber sie sind auch zuständig für die Wahrnehmung ihrer Interessen. Das wiederum bedeutet, sie haben aktiv teil an Entscheidungen über ihre Gesundheit. Sie wirken mit bei der Therapie und übernehmen Verantwortung für deren Erfolg. 

Herauszufinden, wie Patienten denken, scheint vielen Ärzte ein zeitaufwendiges Unterfangen zu sein. Sie befürchten, dass Patienten, wenn man sie nicht unterbricht, sich in stundenlangen Monologen verlieren. Untersuchungen von Kommunikationsforschern zeigen, dass die meisten Patienten nur wenige Minuten brauchen, um viel Wesentliches zu erzählen. 

Büchertipps zum Thema: 

Linus Geisler: Arzt und Patient - Begegnung im Gespräch, pmi Verlag AG, 2002, ISBN 3-897-86041-6 

Philip R. Myerscough/Michael Ford: Kommunikation mit Patienten - Die Chancen des ärztlichen Gesprächs nützen, Verlag Hans Huber 2001, 
ISBN 3-456-83210-9

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