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© Sven Hoppe / Panther Media
 
Praxis 12. November 2013

Oikocredit: Sparen mit Sinn macht Sinn

Mit einer Geldanlage ab 200 Euro kann den Ärmsten der Armen geholfen werden.

In Österreich setzt sich der Trend zur ethischen Geldanlage weiter fort. Per 25. Oktober 2013 zählte die genossenschaftliche Finanzierungseinrichtung Oikocredit Austria bereits 4.030 heimische Investoren mit einem Anteilskapital von rund 53,8 Millionen Euro. Das ist gegenüber dem Jahresende 2012 eine Steigerung des investierten Kapitals von 28 Prozent. Oikocredit unterstützt Menschen in Armut durch faire Darlehen an sozial nachhaltig arbeitende Mikrofinanzinstitutionen, Genossenschaften und Klein- und Mittelbetriebe (KMU´s) in rund 70 Entwicklungsländern des Südens.

Mehr als eine Milliarde Menschen leben weltweit in Armut und können sich keine stabile Lebensgrundlage aufbauen, da sie keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen haben. „Mit einer Geldanlage bei Oikocredit kann jeder Anleger seinen persönlichen Beitrag leisten und im wahrsten Sinne des Wortes Armut ersparen“, betont Oikocredit Austria-Vorstandsvorsitzender Peter Püspök anlässlich des traditionellen Pressegesprächs zum Weltspartag 2013.

Durch die Vergabe fairer Darlehen setzt die internationale Entwicklungsgenossenschaft wirkungsvolle Maßnahmen, um Menschen in den Armutsregionen Afrikas, Lateinamerikas, Asiens aber auch Osteuropas beim Aufbau wirtschaftlicher Strukturen und neuer Einkommensquellen zu unterstützen. „Mindestsicherung bedeutet für uns, dass jeder auch die Chance erhält, wirtschaftlich etwas zu tun“, so Püspök.

Bereits ab einer Geldanlage ab 200 Euro können Privatanleger eine große soziale Wirkung erzielen. Dabei handelt es sich nicht um eine Spende, sondern um eine Investition in eine realwirtschaftliche Anschubfinanzierung. Dadurch werden wirtschaftlich benachteiligte Menschen in sogenannten Entwicklungsländern gestärkt und zu gleichberechtigten Partnern. „Die Anleger sehen bei Oikocredit ganz genau, wohin das Geld fließt und dass die soziale Wirkung im Vordergrund steht“.

Oikocredit-Anteile sind keine fest verzinsten Spareinlagen, sondern Beteiligungen mit Gewinnausschüttung. Jährlich wird eine Dividende in der Höhe von bis zu zwei Prozent ausbezahlt, sie richtet sich nach den Veranlagungsergebnissen. Die empfohlene Anlagedauer beträgt mindestens ein bis zwei Jahre, eine Rückerstattung ist jederzeit möglich und wird innerhalb weniger Wochen nach Erteilung des Verkaufsauftrages durchgeführt.

Der Kauf von Oikocredit-Anteilen ist spesenfrei. Es werden keine Verwaltungs-, Depot- oder Managementgebühren verrechnet. Die Anleger leisten lediglich als Mitglieder von Oikocredit Austria einen jährlichen Mitgliedsbeitrag in der Höhe von 20 Euro (Jugendliche bis 18 Jahre € 4,-; von 18 bis 25 Jahre € 15,-; für fördernde Mitglieder ab € 40,-).

Geldanlage mit sozial nachhaltiger Wirkung

„Österreichs Anleger befinden sich derzeit in einer prekären Situation. Sie sind hemmungslose Sparer, aber aufgrund der niedrigen Zinsen zunehmend frustriert“, erklärte Wilhelm Rasinger vom Interessenverband für Anleger (IVA). Zwar verfüge Österreich nach wie vor über eine Sparquote von 5,2 Prozent, aber wer aktuell möglichst risikolos veranlagen möchte, erhält selbst für deutsche Bundesanleihen magere 0,5 Prozent Rendite pro Jahr, was einen Realverlust bedeutet. „Anders ausgedrückt: die Sparer werden enteignet“, fasst Rasinger die aktuelle Situation zusammen.

Daher steige in Österreich das Interesse für sinnvolle Geldanlage, wie sie Oikocredit anbietet. Hier stehe neben einer moderaten, nicht überzogenen Verzinsung die sinnvolle Verwendung der finanziellen Mittel im Vordergrund. Das veranlagte Kapital unterstützt damit auch Menschen, denen es finanziell wesentlich schlechter geht als uns, und leiste damit einen wesentlichen Beitrag für mehr Gerechtigkeit.

„Was mir gut gefällt ist, dass das veranlagte Geld direkt für Projekte in den Entwicklungsländern verwendet wird und damit eine starke Risikostreuung gegeben ist (70 Länder, 849 Projektpartner und bisher 28 Millionen erreichte Menschen). Außerdem verfügt die 1975 vom ökumenischen Weltkirchenrat gegründete Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit über 38 Jahre Erfahrung und Know-how bei ihren Mikrokreditprogrammen und Projektfinanzierungen in Entwicklungsländern. „Es gibt Anlagen mit einem wesentlich höheren Risiko, aber entscheidend ist, dass diese Institution über einen langen Zeitraum bewiesen hat, dass das ihr anvertraute Geld verantwortungsvoll eingesetzt wird“, so der Anlagenexperte. „In der fast 40-jährigen Geschichte von Oikocredit hat noch nie ein Anleger auch nur einen Cent verloren, viele Menschen aber Selbstbestimmung und die Chance auf eine bessere Zukunft gewonnen“, ergänzte Püspök.

In Österreich beträgt das durchschnittliche Veranlagungsvolumen rund 10.000 Euro, 85 Prozent der Investoren, die sich in den letzten fünf Jahren beteiligt haben, sind auch derzeit noch bei Oikocredit veranlagt.

Oikocredit International wächst weiter

Weltweit investierten per Jahresende 2012 rund 48.000 Anleger bei Oikocredit International mit Firmensitz im niederländischen Amersfoort. Insgesamt wurden 530 Millionen Euro an Krediten in rund 70 Ländern an 583 Mikrofinanzinstitutionen sowie 271 Kleinunternehmen und Kooperativen vergeben. Per 30. September 2013 betrug das Kreditvolumen 567 Mio. Euro, davon waren 16 Prozent oder 90,72 Mio. Euro in Afrika investiert. Heuer wuchs allein das Portfolio in Afrika um 11,22 Millionen Euro. 46 Prozent des Kreditvolumens entfielen davon auf Länder in Lateinamerika, gefolgt von Asien mit 26 und Afrika mit 16 Prozent.

Ziel ist es, das Oikocredit-Portfolio in Afrika auf rund 20 Prozent zu steigern. Ein neues Fokusland wird dabei Kamerun sein, wo ein neues Länderbüro errichtet werden soll. Verstärkt will sich Oikocredit in Nigeria, Mosambik und Ruanda engagieren, außerdem sollen Kapitalbeteiligungen in der Strategie der kommenden Jahre eine stärkere Rolle spielen. Die Mikrokreditnehmer sind zu 83 Prozent Frauen, 53 Prozent von ihnen leben in landwirtschaftlichen Gebieten. Viele von ihnen sind Bäuerinnen bis zu Saisonarbeitskräften und von ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit abhängig. Deshalb hat sich Oikocredit zum Ziel gesetzt, das landwirtschaftliche Portfolio in den nächsten fünf Jahren von derzeit zwölf auf 30 Prozent zu vergrößern.

Insgesamt sind für Oikocredit International 230 Mitarbeiter tätig, davon kümmern sich 170 Mitarbeiter vor Ort um die Auswahl der Kooperationspartner. Seit 1. Jänner 2013 leitet der ehemalige Investmentbanker David Woods die Geschicke der internationalen Entwicklungsgenossenschaft. „Ich schätze, dass das Potenzial für Mikrokredit-Finanzierungen derzeit erst zu 10 bis 20 Prozent ausgeschöpft ist“, so Püspök abschließend.

M. Strausz, Ärzte Woche 46/2013

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