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Praxis 24. Oktober 2013

Wiener Börse und CEE-Märkte

Erholung geht weiter: Top-Empfehlungen – OMV, Post, RHI, Krka und PhosAgro.

In der kürzlich von Raiffeisen Research veröffentlichten „Strategie für Österreich und Zentral- und Osteuropa (CEE)“ sprechen die äußerst attraktiven Bewertungen und die bislang unterdurchschnittlichen Kursentwicklungen für einen versöhnlichen Jahresausklang an den Aktienmärkten. „Die Aufhellung der Konjunktur sollte sich besonders deutlich in der ersten Jahreshälfte 2014 mit weiter steigenden Aktienindizes bemerkbar machen. Das Kurspotenzial bis Jahresmitte liegt bei den CEE-Indizes zwischen 10 und 19 Prozent“, prognostiziert Peter Brezinschek von Raiffeisen Research der Raiffeisenbank International (RBI).

Nach dem enttäuschenden Jahresbeginn hat sich die Konjunktureinschätzung der Analysten von Raiffeisen Research für die Folgemonate verbessert. „Nur bei Russland und Ukraine sind die Frühjahrszahlen recht bescheiden ausgefallen, daher haben wir die Brutttoinlandsprodukt(BIP)-Prognose für Russland für 2014 auf plus zwei Prozent zurückgenommen, betont Brezinschek. Auch für die Türkei gab es eine Absenkung der BIP-Aussichten. Sonst seien alle Prognosen durch die programmgemäße Stimmungsaufhellung in der Eurozone und den CEE-Staaten gut abgesichert.

Für Österreich erwartet Brezinschek für 2013 einen Anstieg des realen BIP um 0,5, im nächsten Jahr um 1,5 und 2015 um 2,3 Prozent. Insgesamt werden sich die Wachstumsdifferenzen im kommenden Jahr für CEE deutlich reduzieren. Verantwortlich dafür sei die optimistische Prognose für Deutschland, das für viele offene CEE-Volkswirtschaften den Impuls für steigende Netto-Exporte offerieren sollte. Die Binnennachfrage dürfte erst zeitversetzt anspringen, weshalb die Leistungsbilanzen keine nennenswerte Änderung erfahren dürften. Inflationsseitig sei der Tiefpunkt der Teuerung überwiegend durchschritten. Daher sei ab dem zweiten Halbjahr generell mit leicht steigenden Preisen zu rechnen, welche den Inflations-Schnitt 2014 erhöhen werden, so Brezinschek.

Starke ATX-Entwicklung setzt sich fort

Im dritten Quartal holte der heimische Aktienmarkt die bislang zurückgebliebene Kursentwicklung teilweise auf. Besonders zyklische Titel wie Zumtobel und Wienerberger, die im vergangenen Jahr dem Markt hinterherhinkten, konnten deutlich an Terrain gewinnen. Auch die ATX-Schwergewichte wie voestalpine, Erste Group oder OMV trugen zu der starken Kursentwicklung des Wiener Börseindex ATX bei. „Wir erwarten, ausgehend von einem positiven Aktienumfeld in Westeuropa und basierend auf einem zunehmend dynamischen Wirtschaftswachstum in Österreich sowie der CEE-Region, eine Fortsetzung dieses Trends im vierten Quartal, der sich auch in der ersten Jahreshälfte 2014 fortsetzen sollte. Wir rechnen für diesen Zeitraum mit einer weiteren Erholung des ATX auf die 2.800-Punktemarke (+12 Prozent)“, erklärt Raiffeisen Centrobank (RCB)-Chefanalyst Stefan Maxian. Bis Jahresende 2013 rechnet Maxian mit einer Kursentwicklung von plus fünf Prozent auf 2.630 Punkte. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,7 (Einjahressicht) sei der ATX weiterhin knapp unter dem langfristigen Durchschnittsniveau bewertet.

Im Licht des aktuellen Niedrigzinsumfeldes könnten sich die Bewertungskennzahlen im weiteren Jahresverlauf durchaus erhöhen. Obwohl die Profitabilität der österreichischen Unternehmen durch die verhaltene wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigt sei, gehen die Raiffeisen-Analysten davon aus, dass die Gewinne mit geschätzten 24 Prozent im heurigen Jahr deutlich zweistellig wachsen werden. Diesbezüglich besteht ein deutlicher Unterschied zu den Unternehmen des deutschen Aktienindex (DAX) sowie des europäischen Euro STOXX 50, wo 2013 mit einer rückläufigen Entwicklung zu rechnen sei.

Zu den Top-Empfehlungen unter den heimischen Aktien zählen laut RCB-Analysten die OMV, die Österreichische Post, sowie der Feuerfestproduktehersteller RHI. Für die Kaufempfehlung der Aktie des Ölkonzerns OMV sprechen die angekündigten Investitionen im Upstream-Segment, welche als strategisch sinnvoll und wertsteigernd eingeschätzt werden. Das Kursziel liegt bei 42,40 Euro. Bei der Post sollten sich die besser als erwartete Kostenentwicklung, die positiven Effekte der jüngsten Nationalratswahl auf das Briefvolumen sowie der Börsegang der englischen Royal Mail auf den weiteren Kursverlauf belebend auswirken. Das prognostizierte Kursziel liegt bei 37 Euro. Die positive Einschätzung der RHI beruht nach wie vor auf der Ausweitung der Produktionsstandorte in den Wachstumsmärkten (BRIC, USA) und den positiven Effekten aus der höheren Rückwärtsintegration. Insgesamt sollte die Wiener Börse in den kommenden Monaten von ihrer moderaten Bewertung und von der generell geringeren Risikoaversion gegenüber weniger stark kapitalisierten Aktienmärkten profitieren.

Stimmungsaufhellung an den CEE-Aktienmärkten

Die osteuropäischen Börsen (Russland, Tschechien) konnten trotz der Unsicherheit über die weitere Geldpolitik der US-Notenbank FED die US-Börse teilweise outperformen. „Das konjunkturelle Bild in Zentral- und Osteuropa hellt sich langsam auf und aus der Hoffnung folgt Zuversicht mancher Länder auf eine Rückkehr zu höheren Wachstumsraten. Die prognostizierte Erholung der Eurozone sollte zudem eine Expansion der CEE-Aktienmärkte begünstigen“, analysiert Stefan Theußl aus dem Raiffeisen Research. Besonders die Aktienmärkte von Rumänien und Polen sollten die Wachstumsimpulse aus der Eurozone nutzen können.

Für die rumänische Börse prognostizieren die Analysten für die nächsten sechs Monate eine Kursentwicklung von 17,5 Prozent, für die Warschauer Börse von 11,8 Prozent. Für den rumänischen Markt sprechen der freundliche Mix aus attraktiven Fundamentaldaten und soliden Makrodaten, weshalb mit einer überproportionalen Kursentwicklung zu rechnen sei.

Allgemein seien die Einstiegsniveaus im CEE-Raum sehr attraktiv und das Renditepotenzial hoch. Getrübt werde die Stimmung zwar durch die hohe Volatilität der CEE-Aktienmärkte, aber bei einer nachhaltigen Erholung der etablierten Märkte rechnen die Raiffeisen-Analysten bei Aktien mittelfristig mit einem höheren Kurspotenzial als bei festverzinslichen Wertpapieren. „Daher empfehlen wir eine Übergewichtung des Aktienanteils gegenüber dem Anleihesegment im Verhältnis 55:45 Prozent“, betont Theußl.

Bei den Einzeltiteln empfiehlt Pharmaanalyst Daniel Damaska den slowenischen Pharmakonzern Krka zum Kauf. Das Unternehmen mit der Firmenzentrale in Novo Mesto erzielte im ersten Quartal in Russland im Jahresvergleich ein Umsatzwachstum von 30 Prozent vom 114,9 Mio. Euro auf 143 Mio. Euro. Hauptgründe waren die Erweiterung der Produktpalette, der weitere Ausbau des Vertriebes in neue Regionen Russlands sowie ein starkes Wachstum des gesamten Pharmamarktes von sechs Prozent. „Gemäß unseren aktuellen Schätzungen erwarten wir für 2013 einen Umsatz von 1,13 Mrd. Euro, was einem Wachstum von 6,5 Prozent im Jahresvergleich entspricht“, so Damaska. Derzeit notiert der Pharmatitel bei 50 Euro, das Kursziel beträgt 62 Euro.

Eine weitere Kaufempfehlung gibt das RCB Company Research-Team für den polnischen Kupfer- und Silberproduzenten KGHM aufgrund eines neuen Projektes in Kanada ab, das Kursziel beträgt 150 polnische Zloty (PLN).

In Russland setzt die RCB auf die Aktie von PhosAgro, einem Hersteller für Phosphatdüngemittel. Das prognostizierte Kursziel beträgt 18,20 US-Dollar.

Allgemein rechnen die Raiffeisen-Analysten, dass angesichts der üppigen Liquidität mangels fehlender Alternativen weiterhin verstärkt Kapital in die CEE-Aktienmärkte fließen werde. Dies sollte sich bereits im vierten Quartal durch steigende Konjunkturvorlaufindikatoren widerspiegeln und für einen freundlichen Jahresausklang in Wien und an den CEE-Börsen sorgen.

M. Strausz, Ärzte Woche 43/2013

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