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© Alex Slobodkin / istockphoto
 
Praxis 7. Oktober 2013

Konjunkturerholung bietet gutes Umfeld für Aktieninvestments

RBI erhöht BIP-Prognosen und Aktienanteil auf Kosten von Anleihen.

„Im Großen und Ganzen haben sich unsere Annahme der letzten Monate bestätigt. Die weltweite Liquiditätsschwemme verliert an Bedeutung und die Finanzmärkte konzentrieren sich auf die Entfaltung der konjunkturellen Kräfte. Wie von den Vorlaufindikatoren richtig angezeigt, hat sich die Stimmungsverbesserung seit dem zweiten Quartal in besseren Wachstumszahlen bemerkbar gemacht. Daher haben wir auch die BIP-Prognose für die Eurozone der Jahre 2013 und 2014 angehoben“, erklärte Valentin Hofstätter, Leiter der Abteilung Bond Market & Currency Research der Raiffeisen Bank International AG (RBI) anlässlich der Präsentation der „Quartals-Strategie Globale Märkte“.

Österreich und Deutschland sollten nach 0,5 Prozent heuer 2014 um 1,5 bzw. 1,8 Prozent wachsen, die gesamte Eurozone von -0,3 auf 1,5 Prozent im nächsten Jahr zulegen. Konjunkturell gesehen habe die Eurozone endgültig das Tief der letzten Jahre hinter sich gelassen und es stelle sich langsam ein positiver Trend ein. Zwar sei die Lage nach wie vor nicht rosig, aber wesentlich besser als noch vor einem Jahr. Hofstätter prognostiziert, dass in den kommenden vier bis sechs Quartalen die Wachstumsdifferenzen zwischen den Kern-Euroländern rund um Deutschland und den Peripherieländern abnehmen werden. Dabei sollten Problemländer wie Spanien, Portugal oder Italien, aber auch Frankreich, das in den letzten Monaten für Kritik sorgte, wieder auf einen bescheidenen Wachstumspfad einschwenken. „Nach einem Rückschritt im dritten Quartal, der auf Sonderfaktoren des Frühjahrs beruht, ist eine mäßige Wachstumsbeschleunigung bis zum Jahresende 2014 unser Hauptszenario“.

Diese Prognose basiere auf den nach wie vor stimulierenden Wirkungen der historischen Niedrigzinspolitik, eingeleiteten Strukturreformen, nachlassendem Druck der Fiskalpolitik und der globalen Aufhellung des Welthandels. „Wir erwarten den Höhepunkt der Wachstumsdynamik Anfang 2015, weshalb die BIP-Schätzungen für diesen Zeitraum über den langfristigen Durchschnitten liegen“, so Hofstätter.

Renditewende in USA und Eurozone vollzogen

Auch wenn die US-Zentralbank Federal Reserve (FED) zuletzt überraschend die Reduktion des Anleihenankaufprogramms (Tapering) nach hinten verschoben hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis dieser Wechsel vollzogen wird. Die Raiffeisen Research-Analysten gehen derzeit davon aus, dass die Reduktion im Dezember angekündigt wird, und sehen den Wechsel zu steigenden US-Leitzinsen dann bereits Ende 2014 eintreten, da sich Arbeitslosenrate und BIP-Wachstum entsprechend positiv entwickeln werden. Hofstätter geht davon aus, dass die Europäische Zentralbank sich vorerst mit Zinsanhebungen noch zurückhalten wird, aber als Reaktion auf die sich normalisierende Situation in den Krisenländern ab 2015 mit der schrittweisen Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes beginnen wird. Für Hofstätter bleibt die relativ enge Renditedifferenz zwischen den USA und Deutschland auch in den kommenden Quartalen Leitlinie für die Relation zwischen US-Dollar und Euro. „Der US-Dollar erscheint derzeit zu billig und wird sich unserer Einschätzung nach bis Herbst 2014 zum Euro um die 1,30 einpendeln. Die abnehmenden Spannungen in der Eurozone begünstigen eine marginale Abschwächung des Schweizer Franken zwischen 1,23 und 1,28 gegenüber dem Euro.“ Hofstätter erwartet, dass der in den letzten Monaten zu beobachtende steile Anstieg der Anleiherenditen in den USA und Deutschland höchstens vorübergehend eine Pause einlegt, bevor im Laufe des nächsten Jahres stärkeres Wirtschaftswachstum und die Aussicht auf näher rückende Leitzinsanhebung zum nächsten Renditeanstieg sowohl in Europa als auch den USA führen werden. Lange Laufzeiten sollten dementsprechend wegen absehbarer Kursrückgänge weiterhin gemieden werden. Das gilt auch für Unternehmensanleihen mit langen Laufzeiten. Angesichts bereits recht niedriger Risikoaufschläge sollten kurze und mittlere Anleihelaufzeiten bevorzugt werden. Bei den Renditedifferenzen zu den Peripherstaaten sieht Hofstätter dagegen ein wenig Spielraum für sich erholende Kurse.

Emerging Markets-Anleihen: Erholung nach Ausverkauf

Ein konjunkturell gemischtes Bild zeigt sich in den Emerging Markets (EM), deren Währungen zuletzt einem starken Abwertungsdruck ausgesetzt waren. „Auch wenn wir von einer Krise wie in den 90er Jahren weit entfernt sind, so müssen doch einige Länder, wie etwa Indien oder Brasilien, nachhaltige Strukturreformen einleiten, um ihr Wachstumspotenzial halten zu können“, so Veronika Lammer, Leiterin der Abteilung Quant Research & Emerging Markets bei Raiffeisen Research. „Positiv hervorzuheben ist einmal mehr China, das einerseits mit zielgerichteten Stimulus-Maßnahmen seine Exporte und die Konjunktur stabilisieren konnte und andererseits Strukturbereinigungen wie den Abbau von Überkapazitäten durchführt.“ Die Emerging Markets-Anleihen von Ländern mit Leistungsbilanzproblemen und hohem kurzfristigen Refinanzierungsbedarf wie die Türkei, Südafrika und Indien werden auch 2014 für Währungsvolatilität anfällig bleiben. Nach der starken Abwertung der letzten Wochen weisen die meisten Währungen Erholungspotenzial auf. „In Summe bleiben wir bei unserer Halten-Empfehlung für EM-Lokalwährungsfonds, da der hohe Renditeaufschlag und das korrigierte Wechselkursniveau bei tendenziell steigenden Zinsen eine bessere Performanceerwartung ergeben als für Hartwährungsanleihen“, so Lammer.

Europäische Aktien mit Aufholpotenzial

„Aktuell finden wir ein gutes Umfeld für Aktieninvestments vor. Alle großen Volkswirtschaften sind in einen Aufschwung eingeschwenkt und das Zinsniveau wirkt noch unterstützend. Besonders europäische Werte haben sowohl hinsichtlich der Gewinn- als auch der Kursentwicklung Aufholpotenzial“, betont Lammer. Grundsätzlich bewerten die Raiffeisen-Analysten in diesem Umfeld die zyklischen Branchen Industrie, IT sowie zyklischer Konsum als Favoriten. Der Gesundheitssektor hat sich hingegen in den letzten Monaten sehr gut entwickelt, daher bestehe kein weiteres Potenzial für eine Outperformance und es sei künftig mit einer unterdurchschnittlichen Entwicklung zu rechnen. Außerhalb Europas empfehlen die Analysten die EM-Aktienmärkte China, Indien und Brasilien zum Kauf. Der chinesische HSCE Index konnte seit seinem Juni-Tief gut 20 Prozent zulegen und ist mit einem Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) von 8,4 und einem Gewinnwachstum von 12,1 Prozent im Jahr 2013 weiterhin als attraktiv zu bewerten. „Indiens und Brasiliens Unternehmen sollten mittelfristig zusätzlich von den tieferen Wechselkursen profitieren, die sich positiv auf ihre Konkurrenzfähigkeit im internationalen Wettbewerb auswirken werden“, so Lammer weiter.

Asset Allocation: Aktienanteil auf Kosten der Anleihen erhöht

Lammer sieht die Ergebniserwartung im Anleihensegment im Hinblick auf steigende Renditen 10-jähriger Staatsanleihen getrübt. Auch die langfristig zu erwartende höhere Volatilität im High Yield (Hochzinsanleihen)-Segment führt zu einem weniger vorteilhaften Ertrag zu Risiko-Verhältnis bei Anleihen. Daher wurde der Aktienanteil im Raiffeisen-Portfolio um fünf Prozentpunkte von 50 auf 55 erhöht. „Davon entfällt rund ein Drittel auf europäische Aktien, US-Aktien sind aufgrund der höheren Bewertung und dem fortgeschrittenen Konjunkturzyklus mit 27,3 Prozent in der neuen Raiffeisen-Asset Allocation gewichtet, Asien und Osteuropa liegen bei jeweils knapp elf Prozent, die Emerging Markets sind aktuell mit 18,2 Prozent vertreten. Der größte Anteil im Anleihe-und Geldmarkt-Portfolio entfällt auf Eurozonen-Anleihen mit 25 Prozent, auf US-Anleihen entfallen 20 Prozent. Darüber hinaus halten wir an einer Beimischung von fünf Prozentpunkten Alternative Investments (Immobilien) fest“, so Lammer abschließend.

Quelle: Pressekonferenz Kapitalmarktszenario Globale Märkte: „Konjunkturerholung mischt Karten neu“, 26. September 2013, Wien

M. Strausz, Ärzte Woche 41/2013

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