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Praxis 30. September 2013

Polnische und türkische Bankaktien empfohlen

CEE-Bankensektorreport: BZ WBK, Bank Pekao und türkische YPK als Top-Picks.

Laut einer Mitte September veröffentlichten Analyse der Erste Group zum zentral- und osteuropäischen (CEE-) sowie dem türkischen Bankensektor sollten die ersten Anzeichen der wirtschaftlichen Erholung im Euroraum die Investoren dazu veranlassen, allmählich wieder mehr auf Wachstum zu setzen, wovon die Bankaktien profitieren sollten.

„Insgesamt erkennen wir in Ländern wie Polen und Tschechien günstige strukturelle Voraussetzungen, die für das Jahr 2014 und darüber hinaus eine Grundlage für stärkeres Wachstum bieten. Ab nächstem Jahr könnten sinkende Risikokosten, wachsende Erträge aus steigenden Volumina und eine Verbesserung der Zinsmargen sowie eine strenge Kostendisziplin höhere Gewinne ermöglichen“, erklärt Günter Hohberger, CEE-Bankenanalyst der Erste Group. In Ungarn, Rumänien und Serbien stellen der Abbau der Risikokosten und die Bemühung, ein Gleichgewicht zwischen Wachstum, Margen und Risikokosten zur Erreichung einer nachhaltigen Profitabilität herzustellen die größte Herausforderung dar. Die Kapitalbasis sei nach wie vor solide und damit ein starkes Fundament für diese Entwicklung.

Wirtschaftserholung kommt polnischen Banken zugute

Laut Einschätzung der Erste Group wird sich die polnische Volkswirtschaft im nächsten Jahr erholen, wodurch besonders die Banken profitieren werden. „Wir sehen polnische Bankaktien nach wie vor positiv, da wir für die polnische Wirtschaft für 2014 ein Wachstum von 2,4 Prozent nach 1,1 Prozent für heuer prognostizieren und davon ausgehen, dass die Banken diese Entwicklung optimal nutzen werden“, betont Magdalena Komaracka, Research-Leiterin bei Erste Securities Polen. Die Analystin rechnet damit, dass der erwartete Zinsanstieg von 100 Basispunkten (BP) auf die Zinsspanne von vier polnischen Banken – PKO BP mit 30–40 BP, auf jene von Pekao und BRE Bank mit 20–30 BP sowie auf BZ WBK mit 10–20 Basispunkten – durchschlagen werde. Aufgrund der ausgezeichneten Gewinndynamik von BZ WBK, die sich durch die jüngste Übernahme von Kredyt Bank noch weiter verstärken wird, sprechen die Erste-Analysten für diese Aktie eine „Kauf“-Empfehlung aus. Die Synergien werden sich insbesondere in den Finanzzahlen für 2014 und 2015 niederschlagen, was eine höhere Bewertung gerechtfertigt.

Für die Bank Pekao lautet die Erste-Empfehlung: „Akkumulieren“ (zuletzt: „Halten“), weil die Bank aufgrund ihrer hohen Eigenkapitalquote für zukünftiges Wachstum sehr gut gerüstet ist. Zudem wird Pekao auch eine hohe Dividendenrendite (etwa 6 Prozent) aufweisen und last, but not least bestehe aufgrund günstigerer regulatorischer Bedingungen zusätzliches Potenzial für eine Ausschüttung von Sonderdividenden.

Bei PKO BP wird die „Akkumulieren“-Bewertung mit den Synergien, die aus der Übernahme von Nordea zu erwarten sind, begründet. Außerdem gehen die Erste-Analysten davon aus, dass die Bank bei einer Änderung in der Zinsentwicklung in der Lage sein sollte, ihre Fundamentalzahlen zu verbessern.

Stabile Kreditqualität in Tschechien

Angesichts der positiven Entwicklung des tschechischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im 2. Quartal (+ 0,6% gegenüber 1. Quartal 2013) und des in jüngster Zeit verzeichneten Anstiegs der Renditen 10-jähriger Anleihen auf 2,44 Prozent erwarten die tschechischen Banken in der zweiten Jahreshälfte eine deutliche Verbesserung des Umfelds. Im Privatkundengeschäft sei das Kreditwachstum vor allem den Hypothekarkrediten mit einem Plus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verdanken, während die Konsumkredite mit minus einem Prozent rückläufig waren.

Das Einlagenwachstum bleibt mit einer Jahreswachstumsrate von 4,8 Prozent unverändert kräftig und lässt das Kredit-Einlagen-Verhältnis (Loan-Credit-Ratio) von bei 75 Prozent – eine der niedrigsten Werte in CEE – verharren. Trotz der Rezession bleibe die Kreditqualität der tschechischen Banken mit einer Non-performing loans ratio (NPL: Anteil der Problemkredite) von sechs Prozent vom Gesamtkreditvolumen stabil. Für die tschechische Komercni banka bestätigen die Erste-Analysten aufgrund der attraktiven Dividendenrendite von 5,5 Prozent und der günstigen Bewertung (Kurs-Gewinnverhältnis für 2013e: 12,2) ihre Akkumulieren-Empfehlung.

Die rumänischen und serbischen Top-Picks

Im ersten Halbjahr 2013 erzielten die rumänischen Banken einen Gesamtnettogewinn von 1,15 Mrd. Leu (257,15 Mio. Euro) , im Vergleich zu einem Verlust von 200 Millionen Leu in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Aufgrund des erwarteten BIP-Wachstums von 2,5 Prozent für 2013 (zweithöchstes BIP-Wachstum in CEE), dem günstigen Risikoprofil, der soliden Zahlungsbilanz sowie dem hohen Beschäftigungsniveau halten die Erste-Analysten an ihrer zuversichtlichen Einschätzung für den rumänischen Bankensektor fest.

Die rumänische Top-Empfehlung heißt Banca Transilvania, für welche das Kursziel von 1,34 auf 1,60 Leu angehoben wurde. Die serbische Wirtschaft hatte im ersten Quartal mit einem BIP-Wachstum von 2,1 Prozent einen guten Start, für das Gesamtjahr gehen die Erste-Analysten von einem Wachstum von 1,8 Prozent aus. „Angesichts der schwachen Inlandsnachfrage werden die serbischen Banken ihre vorsichtige Haltung bei der Kreditvergabe beibehalten, weshalb wir für 2013 eine Stagnation erwarten“, prognostiziert Hohberger. Dennoch befinden sich aktuell zwei serbische Banken unter den Top-Empfehlungen der Erste Group: die AIK Banka sowie die Komercijalna Banka. Für AIK spricht die das günstige Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,27, für die Komercijalna Banka die solide Ertragslage sowie die relativ niedrige Bewertung.

Türkischer Bankensektor profitiert von Liquidität und Profitabilität

Angesichts des langfristigen positiven Ausblicks für die türkische Wirtschaft bleiben die Erste-Analysten für den Bankensektor zuversichtlich. Sowohl das starke makroökonomische Umfeld, das hohe Wachstumspotenzial im Unternehmens- und Konsumgeschäft, die gesunden Bilanzen mit hoher Eigenkapitalquote und Liquidität sowie die relativ hohe Profitabilität sprechen für den Kauf türkischer Bankaktien. Zusätzlich sorge die jüngste Entscheidung der US-Notenbank (FED), ihre Anleihekäufe fortzusetzen für positive Stimmung am Bosporus. „Trotz allem könnte sich die nahe Zukunft etwas holprig gestalten, da die Türkei aufgrund zu geringer Spareinlagen auf ausländisches Kapital zurückgreifen musste. Kurzfristig wird davon ausgegangen, dass die türkischen Banken auf globale Zinsentwicklungen weiterhin empfindlich reagieren werden“, analysiert Can Yurtcan, Research-Leiter bei Erste Securities Türkei. Für heuer wird das Kreditwachstum auf 24 Prozent geschätzt und sollte sich im kommenden Jahr auf 16 Prozent verlangsamen. Auf der Finanzierungsseite wird ein jährliches Einlagenwachstum von zwölf Prozent erwartet. „Eine Diversifizierung der Finanzierung sowohl am Anleihemarkt als auch am Geldmarkt wäre für die türkischen Banken wünschenswert“, so Yurtcan. Die beiden Top-Picks am türkischen Bankensektor heißen Yapi Kredi Bank (YKB) und Halkbank. Aufgrund der günstigen Finanzkennzahlen, dem überdurchschnittlichen Gewinnwachstum und der attraktiven Bewertung wurde die YKB von „Akkumulieren“ auf „Kaufen“ hochgestuft. Das aktuelle Kursziel lautet 5,55 Türkische Lira, was einem Kurspotenzial von plus 22 Prozent entspricht.

Für die Halkbank bestätigen die Erste-Analysten ihre „Kauf“-Empfehlung und prognostizieren aufgrund der hohen Eigenkapitalrentabilität von rund 20 Prozent ein Kursziel von 19,1 Lira, was einem Aufwärtspotenzial von 28 Prozent entspricht. „Die beiden türkischen Bankentitel zählen dank ihres Wachstumsprofils und stabilen Gewinnausblick zu unseren aktuellen Top-10-Empfehlungen im Bankensektor“, so Hohberger abschließend.

M. Strausz, Ärzte Woche 40/2013

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