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Mit Alkohol und Pillen intus gehen viele in die Arbeit.
 
Praxis 10. September 2013

„Gehirndoping“ bei der Arbeit nimmt zu

Arbeitsausfälle aufgrund von Amphetaminen um 400 Prozent gestiegen.

Arbeiten auf Speed – für immer mehr Berufstätige trifft das zu. Die Folge: Die Zahl der Arbeitsausfälle aufgrund des Missbrauchs von Amphetaminen ist laut einem AOK-Report innerhalb von zehn Jahren um 400 Prozent gestiegen. Doch die illegalen Drogen stellen nicht das größte Problem dar.

Die Arbeitsverdichtung in den Unternehmen, die Forderungen nach Mobilität und ständiger Verfügbarkeit senken die Hemmschwelle, zu leistungssteigernden Drogen zu greifen. Dies geht aus dem Fehlzeitenreport des wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor.

Die Dynamik der Entwicklung ist enorm. Um rund 400 Prozent von 8100 auf 30.000 ist die Zahl der Fehltage aufgrund des Gebrauchs von stimulierenden Drogen seit dem Jahr 2002 gestiegen.

Die Dunkelziffer der Amphetamin-, Ritalin- und Modafinil-Konsumenten am Arbeitsplatz schätzen die Wissenschaftler hoch.

Fünf Prozent nehmen leistungssteigernde Mittel

Eine WIdO-Umfrage habe ergeben, dass fünf Prozent der Arbeitnehmer in den vergangenen zwölf Monaten leistungssteigernde Mittel genommen hätten. Bei den unter 30-Jährigen treffe dies auf jeden Zwölften zu, betont WIdO-Vize Helmut Schröder. Absolut gesehen ist der Arbeitsausfall aufgrund von Amphetaminen und Co. noch gering. Wegen Alkohol und Zigaretten haben die Arbeitnehmer im vergangenen Jahr 2,4 Millionen Tage gefehlt.

Alle Krankheiten zusammengenommen gab es mehr als 460 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage, 153 Millionen davon bei den AOK-Versicherten. Die Ortskrankenkassen hätten ihren Report „Verdammt zum Erfolg – die süchtige Arbeitsgesellschaft“ überschrieben, um früh die Alarmlampen flackern zu lassen, sagt Uwe Deh, Vorstand des AOK-Bundesverbands.

„Noch haben wir die Chance, den Trend zum Gehirndoping früh aufzugreifen.“ Suchtmittel am Arbeitsplatz kommen der Gesellschaft teuer zu stehen. Deh bezifferte die Folgen gesamtwirtschaftlichen Kosten von Alkohol- und Tabaksucht für die deutsche Wirtschaft auf über 60 Milliarden Euro jährlich.

Mit einem Anteil von 23 Prozent führen Muskel- und Skelettkrankheiten die Ursachenliste für Fehltage der elf Millionen AOK-Versicherten an. Arbeitsunfälle und Atemwegserkrankungen folgen mit je gut elf Prozent, psychische Krankheiten auf Platz vier.

Die mittlere Fehlzeit je Krankschreibung lag bei Suchterkrankten bei 92, bei allen anderen Diagnosen bei 31 Tagen, geht aus dem Report hervor.

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