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Praxis 2. September 2013

Fonds-Beipackzettel müssen verbessert werden

AK-Analyse: Vergleichbarkeit, Kostentransparenz und Verständlichkeit der Kundeninformationsdokumente lassen zu wünschen übrig.

Seit 1. Juli 2012 müssen aufgrund einer EU-Verordnung Kapitalanlagegesellschaften den Anlegern für alle Fonds Kundeninformationsdokumente („Beipackzettel“) zur Verfügung stellen. Die Beipackzettel sind klar und verständlich auf maximal zwei A4-Seiten zu gestalten. Aus ihnen soll hervorgehen, um welchen Fonds es sich handelt, wer der Anbieter ist, Ziele und Anlagenpolitik, Risiko- und Ertragsprofil, Kosten, Wertentwicklung in der Vergangenheit sowie praktische Informationen. „Beipackzettel für Fonds sind wichtig und richtig, aber sie müssen verbessert werden“, resümiert Gabriele Zgubic, Leiterin der Abteilung Konsumentenpolitik der Arbeiterkammer (AK).

Die Gründe für eine Verbesserung sind einerseits, dass die gesetzlichen Grundlagen in manchen Punkten lückenhaft sind und Spielraum offen lassen und andererseits präsentieren sich die Anbieter bei ihren Informationen sehr verhalten. So ist vonseiten der Anbieter nur wenig Bemühen erkennbar, dem eigentlichen Zweck der Kundeninformationsdokumente gerecht zu werden: Die Anleger in kompakter Form über die wichtigsten Fonds-Eckpunkte vor Vertragsabschluss zu informieren.

40 Fonds von zehn heimischen KAG´s untersucht

Das Erfreuliche vorweg: Alle 40 von der AK analysierten Beipackzettel der zehn heimischen Kapitalanlagegesellschaften – KAG´s (Raiffeisen, Erste-Sparinvest, Pioneer Investments, Allianz Invest, Kepler-Fonds, Masterinvest, 3-Banken-Generali, Gutmann, BAWAG PSK und Schellhammer & Schattera) wiesen die gesetzlich vorgeschriebene Länge von maximal zwei A4-Seiten auf und hielten die festgelegten Inhalte wie Überschriften, standardisierte Textteile sowie die Anordnung der Inhalte – zumindest der Form nach – ein.

Die häufigsten Kritikpunkte betrafen Ungenauigkeiten wie etwa Angaben einer falschen Wertpapierkennnummer (ISIN) oder fehlender Prozentangaben in Balkendiagrammen, welche die Wertentwicklung der Fonds anzeigen. Außerdem wurden viele Hinweise, welche die Verordnung dem Wortlaut nach festlegt, nur formelhaft angeführt. Dadurch würde viel Platz für konkrete, fondsspezifische Infos verloren gehen, kritisiert die AK. „Das Kundeninformationsdokument (KID) ist in der bestehenden Form als Werkzeug zur Auswahl von Investmentfonds nur sehr bedingt geeignet“, schlussfolgert Zgubic. „Der angestrebte und einfachere Vergleich zwischen den Produkten wird erschwert oder ist gar unmöglich.“

Dies zeigte sich an einem einfachen Beispiel: Die Wertentwicklung der Vergangenheit („Performance“) ist anhand von Balkendiagrammen darzustellen. Allerdings waren die Skalierungen bei den Balken so unterschiedlich, dass ein optischer Vergleich für Anleger durchaus irreführend sein kann. In einem Fall stellte ein gleich großer Balken eine Wertentwicklung von 1,9 Prozent, bei einem anderen Anbieter jedoch von 40,6 Prozent dar.

Zusammenfassend könne gesagt werden, dass der Begriff „Wertentwicklung für die Anleger unscharf ist. „Es handelt sich nicht um die tatsächliche Anlegerrendite, denn dafür fehlen die unberücksichtigten Ausgabespesen, aber auch weitere möglicherweise anfallende Kosten eines Wertpapierdepots“, kritisiert AK-Konsumentenschützer Christian Prantner. So betragen die Depotführungsspesen bei den Wiener Großbanken im Schnitt 0,25 Prozent pro Jahr. Darüber hinaus kommen jährlich durchschnittlich 27,06 Euro Mindestspesen hinzu. Und last, but not least fallen üblicherweise Spesen für das Wertpapierverrechnungskonto (im Schnitt 24 Euro/Jahr) an.

Auch bei der Angabe der Wertentwicklung fanden sich irritierende Angaben wie: „Die Grafik zeigt die Wertentwicklung des Fonds in Euro unter Berücksichtigung sämtlicher Kosten und Gebühren, mit Ausnahme der Ausgabeauf- und Rücknahmeabschläge.“

Schließlich warfen die von der Verordnung geforderten sieben Risikokategorien mehr Fragen auf, als sie beantworteten. Zum einen fand die AK mehr oder anders bezeichnete Kategorien, andererseits wurden teilweise gar keine Risikogarantien angegeben. Auch die geforderte Begründung für die Einstufung fehlte fast immer. „Diese theoretischen Hinweise haben keinen praktischen Informationswert“, betont Prantner.

Schwammige Kostendarstellung

Wie vom Gesetzgeber verlangt, wurden im Abschnitt „Kosten“ die Ausgabe- und Rücknahmespesen als Maximalwerte angegeben, allerdings in der Darstellung der Wertentwicklung nicht berücksichtigt: die Kosten des Ausgabeaufschlages bewegten sich zwischen 0,3 bis fünf Prozent, der Durchschnittswert aus allen 40 untersuchten Investmentfonds lag bei 3,75 Prozent. Ein Beispiel: Wer Fondsanteile über 10.000 Euro kauft, zahlt im Schnitt Kaufspesen von 375 Euro. Nur in einem Fall wurden Rücknahmespesen von 0,375 Prozent verlangt. Ein Manko der Beipackzettel war, dass Berechnungen fehlten, wie sich die Kauf- und Rücknahmespesen konkret auf die Rendite auswirken. In 32 von 40 Beipackzetteln fand sich außerdem die unklare Formulierung: „Transaktionskosten sind nicht Bestandteil der laufenden Kosten“. Dazu kam, dass kein einziges KID einen konkreten Zahlenwert zu den Transaktionskosten enthielt. Außerdem fand sich nirgendwo ein Kostenhinweis, dass bei der Bank allfällige Depotspesen anfallen könnten. „Anleger bleiben daher bei der Lektüre der Kosten mit der berechtigten Frage zurück, wie hoch die Transaktionskosten sind und wie sich diese auf die Rendite auswirken“, kritisiert Zgubic.

Fehlanzeige bei Klarheit und Verständlichkeit

Laut KID-Verordnung muss die Sprache in den Beipackzetteln klar, präzise und verständlich sein. Vernichtendes Urteil der AK-Konsumentenschützer: „Keines der 20 auf Verständlichkeit analysierten KID von Anleihe- und Mischfonds konnte als verständlich eingestuft werden.“ Auf Basis des Hohenheimer-Verständlichkeitsindex der gleichnamigen deutschen Universität (Skala von 0: sehr schwer verständlich bis 20: sehr leicht verständlich) erreichten die untersuchten Dokumente einen Durchschnittswert von 6,02.

Das beste Ergebnis erzielte das KID des „Bawag P.S.K. Mündel Rent“ mit einem Wert von 8,12. Der „Allianz Invest Vorsorgefonds“ schnitt mit 4,26 am schlechtesten ab. Bewertet wurde u. a. die durchschnittliche Satz-und Wortlänge, Schachtelsätze, Passivkonstruktionen, Schriftgröße und Schriftart. Allgemein wurde die Ausformung der Sätze als zu lang kritisiert: Jeder 10. Satz hatte mehr als 25 Wörter, der längste sogar stolze 93 Wörter. Darüber hinaus erhöhten verschachtelte Sätze häufig die Komplexität.

Die Gesamtanzahl der Zeichen variierte zwischen rund 4.500 (Pioneer, BAWAG, 3-Banken-Generali) und knapp 8.500 Zeichen (Allianz). Interessanterweise kamen die vier KID´s mit der besten Verständlichkeit mit verhältnismäßig wenigen Zeichen aus. Erschwerend kam hinzu, dass die Schriftgröße in 18 von 20 bewerteten Fällen mit 8pt viel zu klein und daher schwierig zu lesen war.

AK fordert mehr Klarheit bei Beipackzetteln

„Die Beipackzettel sind insgesamt schwer lesbar und teilweise unverständlich“, fast Zgubic die Auswertungen zusammen. Zwar seien die meisten gesetzlichen Kriterien formal erfüllt, aber inhaltlich bestehe bei den KID´s Verbesserungsbedarf. Derzeit sei es nicht möglich, auf einen Blick die wichtigsten Informationen zu erhalten, um die einzelnen Fondsprodukte einschätzen und vergleichen zu können. Daher müssen die Beipackzettel in Hinkunft eine vollständige und konkrete Kostenangabe enthalten. „Die individuellen Risiken müssen konkretisiert und auf Kürzel wie „T“, „VT“ oder „PKG“ sollte verzichtet werden“, fordern die AK-Konsumentenschützer.

Allgemein sollten Verständlichkeit, Klarheit und der wahre Informationswert in den Fokus gestellt werden. Derzeit sind Beipackzettel nur für Investmentfonds gesetzlich verpflichtend. Da den Anlegern häufig nicht bewusst sei, welche Produkte sie als Geldanlage erworben haben, fordert die AK künftig standardisierte Beipackzettel als Basisinformation für alle Spar-, Versicherungs- und Anlageprodukte.

M. Strausz, Ärzte Woche 36/2013

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