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Praxis 21. August 2013

Heimische Aktien als Renditebringer im Portfolio

Bankanalysten favorisieren Wiener Börse und das jüngste EU-Mitglied Kroatien.

Über die Sommermonate rechnen die Analysten von Raiffeisen Centrobank (RCB) und Erste Group auf dem österreichischen Aktienmarkt und den Zentral- und Osteuropäischen (CEE)- Börsen mit einer Seitwärtsbewegung, bis Jahresende sollte sich die Dynamik verstärken.

„Das ATX-Kursziel für Ende September liegt bei 2330 Punkten, was einem moderaten Anstieg von rund fünf Prozent im dritten Quartal entspricht. Bis Jahresende sollte sich die Dynamik noch etwas verstärken und der österreichische Leitindex auf 2.550 Punkte zulegen können“, unterstreicht der stellvertretende RCB-Chefanalyst Bernd Maurer die relative Attraktivität von Aktien gegenüber anderen Asset-Klassen. „Für private Investoren bleiben durch die global niedrigen Zinsen österreichische Aktien unter Renditegesichtspunkten weiter attraktiv, ich rechne mit einem ATX-Endstand von bis zu 2.500 Punkten“, ergänzt Erste Group-Researchleiter Friedrich Mostböck.

Während die durchschnittliche Dividendenrendite der ATX-Titel bei 3,7 Prozent liegt, sind 10-jähige Österreichische Staatsanleihen aktuell mit 2,1 Prozent verzinst. Der sich daraus ergebende Unterschied von 160 Basispunkten rechtfertige daher eine Übergewichtung von Aktien gegenüber Anleihen im Portfolio.

Für den Wiener Börsenplatz sprechen aktuell besonders die attraktive Bewertung und die hohen Dividendenrenditen. „Mit 10,1 liegt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) deutlich unter dem historischen Schnitt von 12,1“, rechnet Mostböck vor. Außerdem sei das Gewinnwachstum der Wiener Börse mit 27,9 Prozent für heuer und 12,7 Prozent im kommenden Jahr als ebenfalls attraktiv einzustufen.

Heimischer Aktienmarkt hinkt (noch) hinterher

Heimische Dividendentitel sollten generell vom höheren Potenzialwachstum in den CEE-Ländern profitieren, da diese Länder in den letzten fünf Jahren der Krise den Rest Europas deutlich out performt haben. Während viel etablierte Märkte im ersten Halbjahr eine positive Performance erzielen konnten, verlor der ATX bis Ende Juli minus acht Prozent und notiert wieder unter dem Buchwert, was bisher nur im Jahr 2009 und 2011 der Fall war. „Dieses Fundament sollte in Kombination mit attraktiven Bewertungsniveaus die Triebfeder für eine Besserung im zweiten Halbjahr sein“, betont Mostböck. Das Handelsniveau konnte heuer zwar bereits um sieben Prozent zulegen, befindet sich aber insgesamt noch auf niedrigem Niveau.

„Als bevorzugte Investments im aktuellen Niedrigzinsumfeld empfehlen sich Werte mit einem stabilen Geschäftsmodell, einer soliden Bilanz und kontinuierlich wachsenden Dividenden“, empfiehlt Günter Artner, CEE-Sektoranalyst der Erste Group. Dies treffe aktuell auf die Immobilientitel wie Immofinanz oder S Immo zu, aber auch auf Blue Chip-Werte wie Vienna Insurance Group und OMV. Die vier genannten Top-Picks der Ersten weisen für das nächste Jahr eine Dividendenrendite von mindestens vier Prozent auf. Für die Immofinanz, als größter und liquidester Immobilientitel der Wiener Börse, liegt die aktuelle Dividende sogar bei fünf Prozent und könnte sich dank einer Sonderdividende aus einem möglichen BUWOG-Börsegang sogar auf sechs bis sieben Prozent erhöhen. Darüber hinaus empfiehlt der Erste-Analyst den Bauwert Strabag und Kapsch TrafficCom. Seine Begründung: „Während Stabag (Kursziel: 22 Euro) durch das negative Sentiment im Bausektor auf eine Bewertung von weit unter Buchwert abgerutscht ist, sollte Kapsch (Kursziel: 59,90 Euro) nach Problemen bei den Projekten in Polen und Südafrika langsam wieder auf die Erfolgsspur zurückkehren“.

Für die Analyseabteilung der RCB zählen unter den heimischen Titeln RHI, Flughafen Wien und Lenzing zu den Top-Empfehlungen. „Unsere positive Einschätzung für die RHI beruht auf der Ausweitung der Produktionsstandorte in den Wachstumsmärkten (BRIC, USA) und den positiven Effekten aus der höheren Rückwärtsintegration. Der Selbstversorgungsgrad bei Magnesit beträgt nunmehr 80 Prozent“, berichtet Maurer. Die Kaufempfehlung für die Flughafen-Aktien begründet der RCB-Analyst mit den positiven Effekten der Kosteneinsparungsmaßnahmen, wodurch die Inbetriebnahme des neuen Terminals „Check-in-3“ zu keinem Anstieg der operativen Aufwendungen führte. Zusätzlich sollten die zuletzt enttäuschenden Passagierzahlen in den kommenden Monaten zu einer Trendverbesserung führen. Bei Lenzing seien die jüngsten Kursrückgänge fundamental nicht gerechtfertigt und außerdem rechnen die Analysten mit einer Stabilisierung der Viskosepreise.

Aufhellende Konjunkturerwartungen an den CEE-Börsen

„Die Ergebnisse des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Zentral- und Osteuropa waren im ersten Halbjahr durchaus gemischt, wenn auch die negativen Trends überwogen“, berichtet Raiffeisen-Research-Leiter Peter Brezinschek. Während Rumänien und Ungarn über den Erwartungen lagen, enttäuschten vor allem die großen Volkswirtschaften wie Ukraine, Polen und Russland. „2013 weist das schwächste BIP-Wachstum seit dem Krisenjahr 2009 auf“, analysiert Brezinschek. Die Vorlaufindikatoren weisen nun aber leicht nach oben, was die Hoffnung auf BIP-Zuwächse im zweiten Halbjahr verstärkt. Insgesamt erwartet die RCB für die gesamte CEE-Region im nächsten Jahr einen realen BIP-Anstieg von 2,3 Prozent.

Während die Renditerückgänge bei den meisten CEE-Staatsanleihen die positiven Seiten der globalen Liquiditätsversorgung widerspiegeln, sind die Aktienmärkte vom negativen Emerging Market-Umfeld tangiert. Besonders betroffen seien die großen Börsen in Russland und Polen, während Ungarn, Kroatien und Rumänien ein leichtes Plus seit Jahresbeginn verzeichneten.

Die aktuelle Diskussion um eine Änderung der Politik der US-Notenbank Fed werde sich auch in den CEE-Märkten bremsend niederschlagen. „Die CEE-Börsen dürften daher anfänglich durch eine Korrekturphase geprägt sein, die im weiteren Verlauf von 2013 mit aufhellenden Konjunkturerwartungen in einen freundlichen Jahresausklang münden“, skizziert Brezinschek seine CEE-Prognose für das zweite Halbjahr.

Im aktuellen CEE-Portfolio werden Polen und Rumänien vom Raiffeisen Research übergewichtet, während Russland untergewichtet wird, weil die schlechte Konjunktur den am russischen Aktienmarkt einsetzenden Verkaufsdruck verstärken dürfte. Im CEE-Anleiheportfolio erscheint hingegen Rumänien aufgrund des Zinssenkungspotenzials und der festeren Währung sowie Polen besonders interessant, während tschechische und ungarische Staatsanleihen im Gegenzug untergewichtet werden.

Langfristige Chancen in Kroatien und CEE-Top-Picks

Während der kroatische CROBEX10-Index im ersten Quartal zu den Top-Performern zählte, musste er im zweiten Quartal kräftig Federn lassen. „Die chronische Wachstumsschwäche mit einem bereits fünf Jahre andauernden konjunkturellen Abschwung belastet die Börse und für heuer rechnen wir mit einem BIP-Rückgang von 0,5 Prozent“, prognostiziert Brezinschek für das neue EU-Mitglied. Langfristig bietet der EU-Beitritt aber durchaus Chancen für die Zagreber Börse. Eine verbesserte Risikoeinschätzung des Landes, verbunden mit einer Beschleunigung des Konvergenzprozesses dürfte langfristig Früchte in Form von vermehrten Kapitalzuflüssen aus dem Ausland bringen, auch wenn sich diese positiven Faktoren aktuell noch nicht auswirken, so der Raiffeisen Research-Leiter.

Kaufempfehlungen gibt die Bank in Osteuropa für das polnische Telekomunternehmen Netia aufgrund einer möglichen Übernahme ab. Weiters für die tschechische Komercni Banka als Profiteur des steigenden Renditeniveaus und für den ungarischen Pharmatitel Egis aufgrund seines starken Engagements auf dem stark wachsenden russischen Pharmamarkt. Schließlich setzen die Raiffeisen-Analysten in Russland auf die lokal gehandelte Aktie des größten Einzelhändlers Magnit.

M. Strausz, Ärzte Woche 34/2013

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