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Praxis 24. Juni 2013

Aktienmarkt – einsteigen oder abwarten?

Aktien qualitativ hochwertiger Unternehmen gehören in jedes Depot.

Viele Aktienindizes haben in den letzten Wochen neue Höchststände erreicht. Für potenzielle Investoren, die bis jetzt noch nicht am Aktienmarkt investiert sind, stellt sich daher die Frage: Einsteigen oder abwarten?

Doch worauf warten? „Selbstverständlich ist die Börse keine Einbahnstraße. Das heißt, es wird immer kleinere Korrekturen und größere Rückschläge geben – also kleine und große Chancen für den Einstieg“, so Schoellerbank-Asset Manager Alexander Adrian in seiner jüngsten Analyse zum Thema: „Von Rekordmarken und Brandblasen am Aktienmarkt“.

Vom richtigen Zeitpunkt

Oftmals sind selbst erfahrene Privatanleger bei einem Kursrutsch an der Börse überfordert. Wochenlang liegen sie auf der Lauer und warten auf eine Korrektur für den perfekten Einstieg. Bereits im Vorfeld der erhofften Abwärtsbewegung legen sie persönliche Kursziele fest, zu denen sie bereit sind, in den Markt zu investieren. Nach Wochen ist es dann so weit, der Markt beginnt in den Freien Fall überzugehen und durchschreitet die erhoffte Kaufmarke, die sich der Anleger gedanklich für den Einstieg zurecht gelegt hat. Nun erscheint die geplante Kaufmarke nicht mehr so reizvoll und der Anleger ist froh, nicht eingestiegen zu sein. Das Interesse am Markt schwindet wieder und der Privatanleger verpasst den Einstieg, wenn der Markt nach oben dreht. „Eine Limit-Order muss nicht zwangsläufig die bessere Alternative zur gedanklichen Einstiegsmarke sein“, warnt Adrian. Zwar sei man automatisch dabei, wenn der Markt in die Tiefe rauscht, geht der Abwärtsdruck hingegen weiter, kommen dem Privatanleger schnell Zweifel, ob der Einstieg nicht zu früh erfolgte. In diesem Fall werde weniger später die Reißleine gezogen – oftmals beim finalen Sell-Off, was den schlechtesten Zeitpunkt zum Verkauf darstellt.

Derzeit faire Rahmenbedingungen

Am Aktienmarkt wurde es in der Vergangenheit häufig gefährlich, wenn neue Höchststände erreicht wurden. „Schlussendlich können sich Rekordhochs für Anleger, die länger investiert sind und endlich in der Nähe ihrer Einstiegskurse sind, als Psychofalle erweisen“, analysiert Adrian. Der eine oder andere könnte daher sein Geld abziehen und froh sein, das Wagnis Börse unbeschadet überstanden zu haben.

Doch derzeit sei einiges anders: Die Privatanleger sind größtenteils noch nicht investiert, wie diverse Statistiken zeigen. Nach dem Terroranschlag in Boston hielt sich die Erholung beim Goldpreis in Grenzen. Ein Krisenschutz war bei den Anlegern nicht gefragt, was beweise, dass keine allzu zittrigen Hände am Markt sind. Die fallenden Rohstoffpreise verschaffen den Firmen zudem Rückenwind bei der Marge.

Die Medienberichterstattung war bisher relativ nüchtern und unterscheidet sich damit deutlich von der reißerischen New-Economy-Aufmachung zur Jahrtausendwende, als man sich vor Euphorie geradezu überschlug. Spektakuläre Kursziele, mit denen eine kurzfristige Kaufpanik ausgelöst wurde, hätten dem Markt geschadet. Außerdem seien die Korrekturen zuletzt relativ glimpflich verlaufen.

Aktuell sieht es aus, als stünde viel Kapital an der Seitenlinie parat, das sofort zum Einsatz kommt, wenn der Markt kurzfristig Schwäche zeigt. „Die Bewertung am Aktienmarkt ist nach wie vor als fair einzustufen, daher ergeben sich bei einigen Qualitätswerten wie Vodafone, Oracle, Procter & Gamble, Royal Dutch Shell und Hutchison Whampoa noch gute Einstiegschancen“, betont Adrian. Nach der neuerlichen Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank sei der Geldentwertung mit sicheren und festverzinslichen Anlagen nicht beizukommen. „Die Alternativen am Aktienmarkt schwinden von Tag zu Tag, womit für potenzielle Aktien-Aussteiger früher oder später eine Rückkehr an den Aktienmarkt vorprogrammiert scheint“, prognostiziert Adrian.

„Mittendrin statt nur dabei“

Anfang März 2013 beschloss die Schoellerbank, die Aktienquote in den Vermögensverwaltungen auf „Stark übergewichten“ zu erhöhen. Zuvor war die Aktienquote im Jänner 2012 auf „Übergewichten“ angehoben worden. „Die Schoellerbank ist bekannt für ihren antizyklischen Investmentansatz, der uns dann zugreifen lässt, wenn die Stimmung besonders pessimistisch ist“, erzählt Adrian.

Wieso also jetzt der Schritt auf „Stark Übergewichtet“? Nach dem Bärenmarkt (Anmerk: rückläufiger Markt) 2008 lagen die Sentiment-Indikatoren im derart negativen Bereich, dass wir überzeugt waren, nahe am Tiefpunkt angelangt zu sein, so Adrian. In einem Bullen-Markt sei die Situation jedoch eine andere. Hier finde man keine negativen Stimmungsbilder vor, allerdings sei in dieser Situation darauf zu achten, dass es zu keinen Überhitzungstendenzen kommt. Anfang 2013 deutete einiges auf eine Überhitzung hin, mit der einsetzenden Februar-Korrektur hat sich diese Entwicklung allerdings abgebaut, wodurch sich aktuell ein Stimmungsbild vorliege, das dem bei der letzten Anhebung der Aktienquote im Jänner 2012 ähnelt. „Wir betrachten dies als ein weiteres Indiz dafür, dass eine Flut an Kapital nach renditeträchtigen Anlagemöglichkeiten sucht“. Jeglicher Rückschlag werde derzeit rasch von kaufwilligen Marktteilnehmern genutzt und die Preise erholen sich schnell.

Auch die Bewertung sei noch immer im fairen Bereich, was vor allem für die Qualitätsunternehmen gelte. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie über langfristig verteidigbare Wettbewerbsvorteile, solide Bilanzen und entsprechend stabile und hohe Margen und Kapitalrenditen verfügen.

Schwierige Zeiten für risikoaverse Anleger

Der Anlagenotstand war in den letzten Monaten der Kurstreiber an den Börsen. Den risikoaversen Anlegern stehen daher schwierige Zeiten bevor, da sich die Aktien-Alternativen wie Sparbücher und Anleihen derzeit ziemlich deprimierend präsentieren und keine Renditen bieten. Dennoch sollten nur jene Anleger, welche die Volatilitäten an den Börsen aushalten und keine zittrigen Hände haben, aktiv werden. Der Kaufzeitpunkt einer Aktie spielt in unseren Augen eine eher untergeordnete Rolle“, betont Adrian. Viel wichtiger sei, dass man sich früher oder später für Aktien als Depot-Beimischung entscheide. In diesem Falle gelte es, Aktien als langfristige Unternehmensbeteiligung wahrzunehmen. Um nicht allzu lange auf einen positiven Effekt auf das Depot zu warten, sollte es sich um die oben erwähnten Titel handeln, für die man nicht mehr als den „Fair-Value“ bezahlt.

Im Idealfall komme es bei diesen Titeln zu starken Kurssteigerungen, die mit einer Überbewertung einhergehen. In diesem Fall macht ein Verkauf durchaus Sinn. Korrigiert der Markt hingegen nach dem Aktienkauf, gelte es den Abwärtsdruck als Chance zum Nachkauf zu nützen.

Gold: Einmal Himmel und zurück

Auch wenn die Stimmung im Moment nicht gerade euphorisch ist, zieht es die Menschheit seit Jahrtausenden in seinen Bann: Bei Gold waren ähnlich dem Aktienmarkt jahrelang der Jubelschrei der Investoren und das Wehklagen der Außenstehenden zu vernehmen. Die goldene Klettertour endete vorerst im Oktober 2012 bei 1.800 US-Dollar. Nach mehrmonatiger Talfahrt erfolgte der Absturz in einem rasanten Sell-Off bis zum 2-Jahrestief von 1.346 Dollar. Neben der schützenden Kriseneigenschaft bietet Gold eine gewisse Absicherung in einem inflationären Umfeld. „Beide Eigenschaften scheint man dem Edelmetall nun nicht mehr zuzutrauen“, analysiert Adrian. Allerdings wurde der Kurssturz nicht durch die physische Ablehnung verursacht, sondern von der Derivate-Front, die nun schlicht und ergreifend geplatzt sei. „Die sogenannte eiserne Reserve könnte sich am Tag X als durchaus unnütz erweisen – aber wer kann das schon mit Gewissheit sagen“, so Adrian.

M. Strausz, Ärzte Woche 26/2013

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