zur Navigation zum Inhalt
© K.-U. Häßler / fotolia.com
 
Praxis 17. Juni 2013

Attraktive Dividenden-Titel

Nachhaltigkeit und überdurchschnittliche Renditen als entscheidende Faktoren.

Historisch niedrige Zinsen, wiederkehrende Volatilität an den Kapitalmärkten und eine Phase, in der die Industriestaaten ihre Schulden abbauen müssen. In diesem Umfeld „finanzieller Repression“ sollten Dividendenstrategien ihre Qualitäten ausspielen, zeigt eine Analyse von Allianz Global Investors.

„Dividendenstrategien sind in der Regel durch Unternehmen charakterisiert, die eine überdurchschnittliche Dividendenrendite innerhalb des jeweiligen Marktindex erwarten lassen, eine Ausschüttungsquote von weniger als 70 Prozent aufweisen, Potenzial für zukünftige Dividendensteigerungen besitzen und sich gleichzeitig durch eine zuverlässige Dividendenpolitik sowie Dividendenhistorie auszeichnen“, erklärte Studienautor Dennis Nacken, Senior Kapitalmarktanalyst von Allianz Global Investors. Der alleinige Fokus auf hohe Dividendenauszahlungen könnte jedoch irreführend sein. Vielmehr sei es vor allem das stabile Geschäftsmodell eines Unternehmens, das – zusätzlich zu seiner aktionärsfreundlichen Geschäftspolitik – zukunftsträchtige Gewinnerwartungen prägen sollte. Faktoren, wie Marktanteil, Eintrittshürden oder die Preisfestsetzungsmacht spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.

Dividenden als Performance-Treiber

Nicht nur die Renditen von Staatsanleihen hoher Bonität notierten im ersten Quartal nahe ihres Rekordtiefs, sondern auch europäische Unternehmensanleihen (Investment Grade) werfen derzeit nach einer dreijährigen Hausse gerade einmal zwei Prozent Rendite ab. Nach Abzug der Inflation ergeben sich daher negative Realzinsen, die für die Zukunft kaum Beiträge zur Erfüllung der Renditeanforderungen privater Anleger leisten. Das Rendite-Risiko-Profil von Dividendenstrategien erscheint daher im Vergleich mit anderen Vermögensklassen wesentlich interessanter, weil sie die Vorteile von aktuell hohen Dividendenrenditen und historisch niedrigen Kursvolatilitäten bei gleichzeitigem Inflationsschutz vereinigen.

So war die Diskrepanz zwischen den Dividendenrenditen und den Renditen von Staats- und Unternehmensanleihen für europäische Unternehmen historisch noch nie so groß. Beispielsweise lag die Dividendenrendite der 461 Mitglieder des MSCI Europe-Index Ende Mai bei durchschnittlich 3,5 Prozent. Fast jedes fünfte Unternehmen wies sogar eine Dividendenrendite von mehr als vier Prozent auf. Entsprechend konnten europäische Dividendenstrategien auf Jahresbasis Dividendenrenditen von über fünf Prozent generieren.

Aber auch in Ländern wie Österreich, Spanien, Finnland, Norwegen und Frankreich lagen die Dividendenrenditen deutlich über deren zehnjährigen Staatsanleihen. „Vor allem Investoren europäischer Aktien konnten sich in der Vergangenheit über hohe Ausschüttungssummen freuen“, betonte Nacken. Zwischen 1973 und 2012 war die annualisierte Gesamtrendite von 9,8 Prozent für den MSCI Europe zu rund 42 Prozent durch den Performance-Beitrag der Dividenden bestimmt. Aber auch beim MSCI Nordamerika- und beim MSCI Pazifik-Index war die Gesamtperformance in diesem Zeitraum zu über einem Drittel durch die Dividende bestimmt.

Wie nachhaltig sind die Dividenden?

Laut Allianz Global Investors-Analyse sprechen im aktuellen Marktumfeld drei Faktoren für stabile Dividendenrenditen: Erstens sei davon auszugehen, dass die Basis für die Dividendenausschüttungen – die Konzerngewinne – auch heuer moderat wachsen werden. Begünstigt wird dies durch das globale Wachstum, das zwar vermutlich gering bleibt, aber nicht in eine Rezession umkippen dürfte. Auch die Wachstumsländer dürften dank fiskal- und geldpolitischer Impulse ab Jahresmitte wieder an Kraft gewinnen.

Zweitens sind aufgrund der freundlichen Gewinnentwicklung nach der Finanzkrise 2008/2009 die Ausschüttungsquoten der Konzerne deutlich gesunken.

In Europa liegt das Verhältnis von ausbezahlter Dividende zum Gewinn je Aktie mit etwa 49 Prozent im moderaten Bereich, in den USA mit etwa 33 Prozent nahe der historischen Tiefststände. Damit habe sich der Spielraum für künftige steigende Dividendenausschüttungen erhöht.

Drittens verfügen die Unternehmen über einen hohen Bestand an frei verfügbaren finanziellen Mitteln (Cashflow). So liegt der Netto-Cashflow der US-Unternehmen bei rund 1.7000 Mrd. US-Dollar, was in Relation zum US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) über 12 Prozent ausmacht. Daher könnten sich die Unternehmen im heurigen Jahr wieder verstärkt dem Shareholder-Value widmen. Allerdings sprechen einzelne Faktoren gegen eine marktweite Erhöhung der Dividendenrenditen, wie Sektoren mit volatilen Erträgen wie Banken, die angesichts des hohen Refinanzierungsbedarfs kaum eine Dividendenkontinuität gewährleisten können und die historische Erfahrung, dass nach Finanzkrisen die konjunkturelle Erholung schwächer ausfällt und die Wachstumsdynamik im heurigen Jahr gegenüber den Vorjahren etwas nachlassen könnte.

Dividendenpapiere bringen Stabilität ins Depot

„Dividendenwerte können langfristig einen Mehrwert fürs Depot bieten – nicht nur dank des zusätzlichen Einkommensstroms der Gewinnausschüttungen“, analysierte Martin Bruckner, Vorstandsmitglied der Allianz Investmentbank. Eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik ist häufig ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie und hat als solche außerordentlich starke Signal- und Stabilitätseffekte. Da Dividendenkürzungen bzw. -ausfälle vom Markt negativ bewertet werden, sind die Konzerne bemüht, eine kontinuierliche Dividendenauszahlung zu gewährleisten.

In den letzten zwölf Jahren zeigte sich bei den Standard & Poor´s 500-Mitgliedern, dass die jährliche Schwankung der Gewinne mit 36 Prozent wesentlich höher war als die der Dividenden mit nur drei Prozent. Darüber hinaus müssen dividendenstarke Firmen mit ihren finanziellen Ressourcen umsichtiger haushalten und diese effizienter einsetzen. Gleichzeitig verfügen Firmen mit hoher Dividendenrendite zumeist über gesunde Bilanzrelationen mit relativ hohem Eigenkapitalbestand und stabilen Cashflows. Und last, but not least trennen sich Investoren für gewöhnlich nicht so schnell von ausschüttungsstarken Aktien, die auch in einem negativen oder stabilen Marktumfeld verhältnismäßig gut planbare Erträge versprechen. „Wenn das Geschäftsmodell funktioniert, können die betreffenden Unternehmen auch die Auswirkungen einer Inflation durch Preiserhöhungen ausgleichen, was wiederum ihre Gewinne und letztlich auch die Dividenden erhöht“, berichtet Nacken.

Chancen für Privatanleger

„Private Anleger, die an den Chancen dieser Entwicklungen partizipieren möchten, können ihr Portfolio beispielsweise mit dem in Österreich zum öffentlichen Vertrieb zugelassenen Allianz European Equity Dividend-Fonds entsprechend international ausrichten“, empfahl Nicole Joham-Kerschbaumer, Country Head and Business Development Austria bei der Allianz Investmentbank AG. Dieser Fonds investiert in aussichtsreiche und substanzstarke europäische Unternehmen, die sich eine Dividendenkontinuität – also die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre bisherige Dividendenpolitik fortsetzen – auf ihre Fahnen heften. Allianz-Fondsmanager Jörg de Vries-Hippen: „Wir erwarten, dass die Unternehmensgewinne 2013 moderat wachsen und die Dividenden-Ausschüttungsquoten wieder ansteigen werden.“ Gleichzeitig würden die Märkte höhere Ausfallsrisiken für Triple-A bewertete Staatsanleihen einpreisen als für einige Dividendentitel global agierender Unternehmen. „Dies sollte den Anlegern zu denken geben“, so de Vries-Hippen abschließend.

M. Strausz, Ärzte Woche 25/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben