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Praxis 10. Juni 2013

Vertrauen in staatliche Pension schwindet

Zwei Studien beleuchten heimische Pensionseinkommen.

Die Österreicher hatten jahrzehntelang großes Vertrauen in ihre staatliche Pension. Doch die Angst um die finanzielle Sicherheit im Alter greift allmählich um sich: Bereits 77 Prozent fürchten, dass ihr gesetzlicher Pensionsanspruch weiter gekürzt werden könnte. Das zeigt eine aktuelle Studie zum Thema „Sicherheit“ von GfK Austria im Auftrag der Sparkassen Versicherung AG Vienna Insurance Group (s Versicherung). „Damit zukünftige Ruheständler ein Alterseinkommen in vergleichbarer Höhe mit dem der heutigen Pensionisten erzielen können, müssen sie ihr Sparverhalten und die Erwerbsbeteiligung ändern“, warnt Allianz-Vorstand Wolfram Littich.

In den westlichen Ländern kam es in den letzten 15 Jahren durch zahlreiche Rentenreformen zu einem Rückgang bei der gesetzlichen Vorsorge. Berechnungen für 16 OECD-Länder zeigen, dass es in Staaten mit besonders weitreichenden Reformen im Durchschnitt zu Leistungskürzungen von 22 Prozent bei Männern und 25 Prozent bei Frauen kam. Laut „Allianz Demographic Pulse“-Studie kommen 82 Prozent des Einkommens eines Rentner-Haushalts in Österreich weiterhin vom Staat, 13 Prozent stammen aus Erwerbstätigkeit und nur fünf Prozent aus privater Vorsorge. Im Vergleich dazu beziehen die Finnen 80 Prozent ihres Pensionseinkommens vom Staat, Franzosen zu 73 und Italiener zu 72 Prozent, während die Briten nur 38 Prozent ihres Alterseinkommen vom Staat beziehen. Eine zukünftige Herausforderung bestehe laut Studie darin, die Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmer zu verbessern. „65 Prozent der Beschäftigten in Europa möchten im Alter teilweise von Erwerbsarbeit und teils vom Pensionseinkommen leben“, so LIittich. Derzeit liegt die Erwerbsquote der 60 bis 64-Jährigen Österreicher bei 22,5 Prozent, während die Schweden fast zwei Drittel dieser Altersgruppe (64,6%) noch im Erwerbsleben stehen. Damit haben nur noch Italien, Belgien und Frankreich eine geringere Alterserwerbsquote als Österreich. „Keiner vertraut so sehr auf den Staat wie die Österreicher“, betont Littich. „Den Österreichern ist eine gesicherte staatliche Pension extrem wichtig. Schließlich will man den Lebensabend nicht mit Sorgen und finanziellen Nöten verbringen. Mit den unangenehmen Themen des Lebens befassen sich die Menschen allerdings nur sehr ungern“, ergänzt Heinz Schuster, Vorstandsvorsitzender der s Versicherung.

Private Altersvorsorge als Rettungsanker

Die aktuelle GfK- Untersuchung, für die im April 2013 bundesweit 500 Österreicher befragt wurden, zeigt, dass die Sicherheit der staatlichen Pensionen speziell von jüngeren Menschen äußerst negativ eingeschätzt wird: Je weiter weg der Pensionsantritt liegt, desto weniger Österreicher vertrauen auf die staatliche Pension. Junge Menschen sind dabei wesentlich skeptischer als ältere Personen. Beim Thema Altersvorsorge sind sich Jung und Alt hingegen einig: 77 Prozent der Österreicher sind der Meinung, dass an einer privaten Altersvorsorge kein Weg vorbeiführen wird. Nur jeder Zehnte sieht seine staatliche Pension in den nächsten zehn bis 15 Jahren als gesichert, während 13 Prozent noch unschlüssig sind. Im Vergleichsjahr 2009 waren es noch 21 Prozent der Österreicher, die auf ihre Pension vertrauten. Im Vergleich zu den Männern schätzen Frauen die Lage tendenziell als ernster ein: Mehr als drei Viertel der Frauen erkennen die Wichtigkeit privater Altersvorsorge, während nur jeder zweite Mann hier Handlungsbedarf sieht. Besonders erstaunlich ist die Einstellung der Kleinverdiener: Nur elf Prozent der Österreicher, die ein Nettoeinkommen unter 750 Euro haben, halten private Altersvorsorge für sehr wichtig.

Handlungsbedarf nur teilweise erkannt

Trotz der Gewissheit vieler Österreicher, dass neben der staatlichen Pension eine private Altersvorsorgelösung für die Aufrechterhaltung des gewohnten Lebensstandards unumgänglich sein wird, ist die Bereitschaft, die Beträge für die private Altersvorsorge zu erhöhen noch relativ niedrig: Nur elf Prozent planen ihre privaten Altersvorsorgebeiträge aufzustocken, während 60 Prozent der Befragten in Zukunft nicht mehr Geld als heute für die Sicherung ihres Lebensabends aufwenden wollen. 28 Prozent davon begründen dies, dass sie sich keine höheren Beträge leisten können. Jeder fünfte Befragte gibt an, bereits genug Geld in die private Altersvorsorge zu investieren. Ein Viertel der Menschen ist noch unschlüssig, ob ein mehr für die Pension überhaupt nötig sein wird.

Unwissenheit bei Lebensversicherungen

Ein auffallendes Ergebnis der vorliegenden Studie ist die eklatante Unwissenheit der Österreicher, was die Garantie ihres eingezahlten Vermögens bei Lebensversicherungen betrifft: 55 Prozent der Menschen können dazu keinerlei Angaben machen. 17 Prozent – das ist der nächsthöchste Prozentsatz – glauben nicht, dass ihr Vermögen im Rahmen der Lebensversicherung garantiert ist. „Ein für uns erschreckendes Ergebnis, das uns zeigt, dass hier noch großer Aufklärungsbedarf besteht“, so Schuster. Und weiter: „Die in eine Lebensversicherung eingezahlten Kundenprämien sind ein Sondervermögen der Versicherung, das selbst im unwahrscheinlichen Fall der Schieflage einer Gesellschaft zu 100 Prozent im Eigentum der Kunden bleibt.“ Ein ähnlich alarmierendes Bild zeigt sich bei der betrieblichen Altersvorsorge. Auf die Frage: „Wissen Sie, dass es in Österreich die Möglichkeit gibt, jährlich im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge brutto für netto 300 Euro für die eigene Pension anzusparen?“, antworten über 25 Prozent, dass sie noch nie von dieser Möglichkeit der Vorsorge gehört haben und auch keinen Grund sehen, sich darüber zu informieren. Nur 15 Prozent wollen zum Thema betriebliche Vorsorge informiert werden. 17 Prozent haben zwar schon von der betrieblichen Vorsorge gehört, möchten aber noch mehr Details erfahren. „Die Menschen müssen sich auf die neue Pensionswirklichkeit einstellen. Die Altersvorsorge könnte beispielsweise dadurch gefördert werden, dass vermehrt von der Möglichkeit Gebrauch gemacht wird, Altersvorsorgebeiträge direkt vom Gehalt abzubuchen – wie etwa im Rahmen der gesetzlichen Altersvorsorge – und in einen Rentenplan einzuzahlen“, empfiehlt Littich.

Pensionskonto wird Augen öffnen

Wenn die Pensionsversicherungsanstalt im Jahre 2014 die Bevölkerung erstmals auf breiter Basis über das persönliche Pensionskonto informieren wird, werde dies zu einer erheblichen Steigerung der Transparenz beitragen und die Entscheidung für eine individuelle Vorsorgestrategie erleichtern, vermutet Schuster. Anhand seines persönlichen Pensionskontoauszuges kann sich jeder Bürger relativ einfach ausrechnen, wie viel Geld ihm künftig monatlich als staatliche Pension zur Verfügung stehen wird. „Mit einem Schlag wird dann die Differenz zwischen dem momentanen Aktiveinkommen und der zukünftigen staatlichen Pension sichtbar werden – ein Augenöffner für Herrn und Frau Österreicher“, hofft Schuster. Schon jetzt rechnen zwei Drittel der Befragten damit, dass ab der Offenlegung des Pensionskontos das Bewusstsein um die Wichtigkeit der privaten Altersvorsorge stark zunehmen wird. Gerade einmal zwei Prozent glauben, dass der Stellenwert der privaten Altersvorsorge dadurch nicht steigen wird.

M. Strausz, Ärzte Woche 24/2013

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