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Praxis 3. Juni 2013

Zunehmendes Interesse an nachhaltigen Investments

Meta-Studie beweist: Marktgerechte Renditen und grüne Ziele sind kein Widerspruch.

Der nachhaltige Anlagemarkt ist 2012 in Österreich um 17 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro gestiegen, nachhaltige Investmentfonds verzeichneten sogar ein Plus von 36 Prozent. Dies geht aus dem Marktbericht „Nachhaltige Geldanlagen“ hervor, der am 13. Mai veröffentlicht wurde. Laut „Global Sustainable Investment Review 2012“ beträgt das weltweit nachhaltig veranlagte Volumen zumindest 13,6 Billionen US Dollar. Das entspricht einem Marktanteil von knapp 22 Prozent am gesamten verwalteten Vermögen.

In Österreich zeigen insbesondere die „Middle Ager“ (40 bis 59-Jährige) und Personen, die über ein gutes Finanzwissen verfügen, laut einer Studie des TNS Infratest Meinungsforschungsinstituts Interesse an nachhaltigen Investments. In Grenzen hält sich derzeit noch die Bekanntheit vieler nachhaltiger Produkte, über ein Drittel der Österreicher, die sich vorstellen können, nachhaltig zu investieren, sieht hier ein Defizit. Zwar gebe es bei nachhaltigen Investments ein reichhaltiges Produktangebot, aber keinen einheitlichen Mindeststandard, der aussagt, was unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist. Das verunsichert und hält interessierte Anleger möglicherweise von nachhaltigen Investitionen ab.

„In Wahrheit stellen nachhaltige Produkte für die meisten Anbieter nur eine Ergänzung dar. Fragt der Kunde danach, dann haben Finanzinstitute ergänzende Angebote parat. Wir hingegen bieten diese Produktlinie primär und aktiv an“, betonte Schelhammer & Schattera Vorstandsvorsitzender Mag. Michael Martinek. Auch die, bereits vielfach widerlegte Annahme, Nachhaltigkeit würde zulasten der Rendite gehen, steht Investments im Wege. Über ein Drittel der Österreicher ist laut TNS-Studie der Überzeugung, dass Nachhaltigkeit Rendite kostet.

Nachhaltigkeit geht nicht auf Kosten der Performance

Grundsätzlich legen nachhaltige Anlagen bzw. Social Responsible Investments (SRI) ihren Schwerpunkt auf ökologische, soziale und ethische Kriterien, welche in unterschiedlicher Zusammensetzung und auch Strenge bei Investitionen berücksichtigt werden. Aufgrund dieser speziellen Ausrichtung der Anlagen wird häufig die Frage der Performance nachhaltiger Geldanlagen, im Vergleich zu traditionellen, diskutiert.

Um diese Fragestellung zu beantworten, wurde vom „Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule Berlin“ die Studie „Nachhaltige Investments aus dem Blick der Wissenschaft: Leistungsversprechen und Realität“ durchgeführt. Die kürzlich veröffentlichte Meta-Studie umfasste 195 themenrelevante Studien, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Ziel des Forschungsobjektes war es, die Unterschiede in der Wertentwicklung nachhaltiger und traditioneller Kapitalanlagen sowohl in einer Gesamtanalyse als auch einer Assetklassen-spezifischen Betrachtung zu vergleichen. „Über alle Assetklassen hinweg existieren sowohl absolut als auch relativ nur sehr wenige oder teilweise überhaupt keine Untersuchungen, die nachhaltigen Anlagen ein eindeutig schlechteres Rendite-Risikoprofil zuweisen“, erörterte Studienautor Prof. Dr. Jens Kleine, Inhaber des Lehrstuhls für Finanzdienstleistungen an der Steinbeis-Hochschule Berlin.

Auf Basis dieser Daten könne die Aussage, dass nachhaltige Anlagen per se eine schlechtere Performance als traditionelle aufweisen, als nicht haltbar angesehen werden. So weisen beispielsweise im Analysecluster der Aktien 21 Studien nachhaltigen Anlagen eine positivere Wertentwicklung zu, 20 Untersuchungen konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen nachhaltigen und konventionellen Anlagen feststellen, nur eine Studie wies nachhaltigen Aktien ein negativeres Rendite-Risiko-Profil zu. Beim Vergleich der Wertentwicklung von nachhaltigen Fonds mit traditionellen Indizes konnten mehrheitlich keine deutlichen Renditeunterschiede erkannt werden. Zudem kam keine der Studien, welche die Wertentwicklung von nachhaltigen Investmentfonds mit konventionellen Indizes verglich, zu dem Ergebnis, dass SRI-Fonds vergleichsweise negativ abschneiden. „Mit einem guten Gewissen anlegen heißt daher nicht, mit einem schlechteren Ergebnis anlegen“, betont Kleine.

Nachhaltigkeits-Agentur kommt zu ähnlichem Ergebnis

Die internationale Nachhaltigkeits-Ratingagentur oekom research hat im Vorjahr Renditen und Risiko mit „Prime“ bewerteter Großunternehmen mit der entsprechenden Entwicklung des MSCI World Total Return Index verglichen – mit positivem Ergebnis. Demnach erreichte das oekom Prime Portfolio Large Caps zwischen 31. Dezember 2004 bis 31. Dezember 2011 eine um 15,3 Prozent bessere Rendite als die konventionelle Benchmark.

„Die 2012 veröffentlichte Studie bestätigt, dass nachhaltige Investoren im Sinne einer doppelten Dividende eine mindestens marktgerechte Rendite erwirtschaften und gleichzeitig soziale, umweltbezogene und ethische Ziele verfolgen“, so Martinek.

oekom research untersuchte zuletzt im Report „Globale Geschäfte– globale Verantwortung“, wie Unternehmen aus dem weltweiten Aktienindex MSCI World mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen und was sie konkret zur Bekämpfung des Klimawandels, zum Schutz der Artenvielfalt oder zur Bekämpfung der Armut beitragen. Demnach zeigt nur jedes sechste Unternehmen ein gutes Engagement für eine nachhaltige Entwicklung, die Kategorie „sehr gut“ blieb gänzlich unbesetzt.

Im Branchenvergleich haben Firmen der Papier- und Forstbranche, die Nase vorn, dahinter folgen Produzenten von Haushaltsprodukten und Automobilhersteller. „Große Unterschiede zeigen sich im Umgang mit den sieben Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung: Neben Klima- und Artenschutz sowie Armutsbekämpfung sind dies die Versorgung der Menschen mit sauberem Wasser, Schutz der Wälder, der demographische Wandel sowie die Bekämpfung der Korruption“, verlautet von oekom research. Bemerkenswert sei, dass es in beinahe allen analysierten Handlungsfeldern Vorreiter gebe, welche der Branche zeigen, was möglich ist.

„Neben der Tatsache, dass sich für Anleger ethisch-nachhaltige Anlageformen im Vergleich mit konventionellen Produkten zumindest ebenbürtig zeigen, hat ethisch-nachhaltige Geldanlage letztendlich einen nicht unbeträchtlichen Lenkungseffekt bei Unternehmen, Gesellschaften und Ländern“, so Martinek. Sukzessive Verbesserungen im Sinne der Nachhaltigkeit würden gefördert und im Sinn einer positiven Aufwärtsspirale auch eingemahnt.

Merkmale nachhaltiger Geldanlagen

Normalerweise werden Veranlagungen auf Basis dreier finanzieller Kernkriterien ausgewählt: Rendite, Volatilität und Liquidität. Nachhaltige Geldanlagen (sustainable investments) ergänzen diese ökonomischen Kriterien um das Thema Nachhaltigkeit. Darunter versteht man, ob und inwiefern Unternehmen und Staaten umwelt- und sozialverträglich handeln. International hat sich das Kürzel ESG etabliert, das für „Environment, Social und Governance“, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung steht.

Bei nachhaltigen Anlagen fließt Geld in Firmen, die für gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne für ihre Mitarbeiter und Zulieferer auf der ganzen Welt sorgen. Sie schonen natürliche Ressourcen und meiden sowohl umwelt- als auch gesundheitsschädliche Stoffe und ihre Waren und Dienstleistungen tragen zu lebenswerten Bedingungen für heutige und zukünftige Generationen bei. Sie erzielen ihre Gewinne, indem sie soziale und ökologische Probleme lösen.

Ebenso fließen Gelder in Anleihen von Staaten, welche die Menschenrechte achten, Korruption verhindern, sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen sowie aktiven Klima- und Umweltschutz betreiben.

Nachhaltige Geldanlagen sondieren und investieren daher in solche Akteure, die sich glaubwürdig für mehr Nachhaltigkeit einsetzen. Nachhaltige Geldanlagen basieren auf 200 bis 300 Kriterien, mit denen unternehmerische Leistungen im Bereich Umweltschutz, soziale Standards, Ethik und Unternehmensführung bewertet werden. Hierfür gibt es spezialisierte Rating- und Research-Agenturen sowie eigene ESG-Research-Abteilungen bei manchen Finanzinstituten und Vermögensverwaltern. Auch spezielle nachhaltige Börsenindizes basieren auf entsprechenden Kriterienkatalogen und Bewertungskonzepten.

M. Strausz, Ärzte Woche 23/2013

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