zur Navigation zum Inhalt
© tom / fotolia.com
 
 
Praxis 27. Mai 2013

Favorisierung US- gegenüber europäischen Investments

Gesundheitssektor empfohlen, Gold derzeit mit Vorsicht zu genießen.

Infolge der moderaten und vielfach noch belasteten Konjunkturentwicklungen ist auf den Finanzmärkten weiterhin selektives Vorgehen angesagt: „Insgesamt wird es bis Jahresmitte Veranlagungschancen auf den US-Aktienmärkten und im Gesundheitssektor geben“, prognostiziert Fritz Mostböck, Research-Leiter der Erste Group.

Die Staatsverschuldungsproblematik sei vor allem in der Eurozone noch nicht gelöst. Daher wird die Sanierung der Staatshaushalte die Kapitalmärkte weiter herausfordern und das konjunkturelle Umfeld für die Finanzmärkte fragil bleibt. „Die Binnennachfrage, der private Konsum und die Investitionen bleiben gedämpft, wodurch Wachstumsimpulse nur von einer Verbesserung des globalen Umfelds in den USA erwartet werden können“, ergänzt Gudrun Egger, Leiterin der Abteilung Major Markets&Credit Research Erste Group.

Durch die steigenden Exporte sollten die US-Unternehmen die Beschäftigung mittelfristig ausweiten können (zuletzt wurden pro Monat im Schnitt 160.000 neue Arbeitsplätze geschaffen), was wiederum den Konsum stützen und die Eurozone langsam wieder auf einen Wachstumspfad zurückbringen könnte.

„Insgesamt ist in den USA eine verhaltene Verbesserung auf breiter Basis zu sehen, was unsere BIP-Wachstumserwartung von nahe zwei Prozent für 2013 bestätigt, aber zugleich der US-Notenbank Fed genügend Spielraum für Unterstützung bietet“, berichtet Egger.

Aufwärtstrend bei US-Aktien

Der US-Aktienmarkt entwickelte sich seit Jahresbeginn positiv – der S&P-500 stieg um zehn Prozent und notierte Ende März als erster Index eines Industrielandes bei einem neuen Allzeithoch nach der Krise 2008/2009. „Der Aufschwung des US-Aktienmarktes umfasste nicht nur Aktien zyklischer Sektoren, sondern auch defensive Titel wie Pharma- und Konsumwerte“, analysiert Hans Engel, Senior Analyst Internationale Aktien der Erste Group. So legten US-Pharmaaktien im Jahresschnitt um mehr als 20 Prozent zu, allein im letzten Quartal lag das Plus bei elf Prozent.

Laut Konsensus-Schätzungen sollten die Firmen des S&P-500-Index heuer im Schnitt eine Eigenkapitalrentabilität von 15,4 Prozent erzielen und 2014 auf 15,6 Prozent zulegen. Auch der Rückgang des Kurs-Gewinnverhältnisses (KGV) von 14,2 für 2013 auf 12,7 im kommenden Jahr sprechen für ein Investment in US-Aktien. Angesichts der hohen Profitabilität der Unternehmen und der niedrigen Anleiherenditen (Renditevorsprung von US-Aktien gegenüber 10-jährigen US-Staatsanleihen: 443 Basispunkte) ist der US-Aktienmarkt weiterhin moderat bewertet. Auch der starke US-Dollar (1,22-1.25/Euro) sprechen für die US-Börsen. „Der Spielraum für einen weiteren Anstieg der Leitindizes bleibt daher intakt“, betont Engel. Die durchschnittliche Dividendenrendite von 2,7 Prozent liegt deutlich über den Renditen von Benchmark-Staatsanleihen.

Gesundheitssektor als Kauf-Empfehlung

Für den Gesundheitssektor spricht derzeit laut Erste Group, dass die Branche weitgehend konjunkturunabhängig ist und daher in Zeiten geringer oder rückläufiger BIP-Wachstumsraten Pharma- und Gesundheitsaktien als überdurchschnittlich stabil eingeschätzt werden. „In einem solchen Umfeld werden Health Care-Aktien verstärkt nachgefragt, während zyklische Branchen wie Rohstoffaktien abgestoßen werden“, erklärt Engel. Weitere Kaufargumente sind die überdurchschnittlich hohe Rentabilität (Margen, Eigenkapitalrentabilität) und die stabilen Cash-Flows des Gesundheitssektors. Die aktuellen Sektorempfehlungen der Erste Group:

• „Fresenius Medical Care“, eine in Deutschland ansässige Holding, die in den Bereichen Dialyse-Produkte- und Dienstleistungen tätig ist. „Die Firma ist gut diversifiziert und konnte in den letzten Jahren erfolgreich seine Erlöse aus der Erbringung von Dialysedienstleistungen auf internationaler Ebene steigern“, so Engel.

• „Novartis“, ein Schweizer Konzern mit 124.000 Mitarbeitern und den Geschäftssegmenten Pharmaceuticals (55%), Alcon (17%), Vaccines & Diagnostics (15%) sowie Consumer Health (7%) hat seine wichtigsten Absatzmärkte in den USA, Japan und Deutschland. Die Aktie ist günstig bewertet (KGV 2013e: 13,3) und weist eine überdurchschnittlich hohe Dividendenrendite (3,4%) auf.

• Der dänische Konzern „Novo Nordisk“ entwickelt mit seinen 32.000 Mitarbeitern pharmazeutische Produkte mit Fokus Diabetes-Versorgung und Insulin. Die Profitabilität ist hoch, der langfristige demografische Trend in den Industrienationen und die steigende Qualität der Gesundheitsversorgung in den Schwellenländern sind wichtige Katalysatoren für die Aktie. Zuletzt hat Novo Nordisk seine Umsatz- und Gewinnprognosen nach oben revidiert.

• Die britische Reckit Benckiser Group ist im Bereich Gesundheits- und Körperpflege tätig. Die Firma ist gut diversifiziert und profitiert durch seine internationale Ausrichtung vom Wachstum der Emerging Markets. „Wir erachten die Aktie als qualitativ sehr gut und empfehlen den Titel zum Kauf“, so Engel.

Europäische Aktien rückläufig

Im 1. Quartal erzielte der MSCI Europe einen Anstieg von 4,8 Prozent, wobei acht von zehn Sektoren Gewinne verzeichneten. Konsumgüter- und Industriewerte standen mit einem Plus von 11,6 bzw. 8,3 Prozent an der Spitze, während Rohstoffaktien und Versorger um vier bzw. ein Prozent rückläufig waren. „Bis Jahresmitte erwarten wir eine moderate Abschwächung des europäischen Benchmark-Index im Ausmaß von bis zu fünf Prozent, weil besonders die Rohstoff- und Finanzbranche unter der schwachen Konjunktur leiden“, so Engel. Auch Telekomwerte und Versorger bieten aufgrund hoher Mitarbeiter- und Kapitalkosten langfristig keine positiven Perspektiven. Die Ertragsaussichten von europäischen Aktien sind mit einer Ausnahme – Russland – getrübt. Das dortige KGV liege mit 5,3 bereits in der Nähe des 12-Jahres-Tiefpunkts. Daher bleibt das Abwärtsrisiko des Aktienmarktes gering und bis Ende Juni sei mit einer leicht positiven Entwicklung zu rechnen.

Bei Gold ist Vorsicht geboten

Bereits im ersten Quartal war die Performance von Gold negativ (-4,6% auf Dollarbasis; -1,8% auf Eurobasis) und zuletzt wurde die wichtige technische Unterstützungslinie von 1.500 USD/Unze nach unten durchbrochen. Darüber hinaus ist der seit 2006 bestehende langfristige technische Aufwärtstrendkanal gebrochen. In der Folge sind Anfang April Goldfutures und ETFs (derivative Produkte) in großem Volumen verkauft worden. „Der Abwärtsdruck findet auf dem Papiergold-Markt und nicht am Markt für physisches Gold statt“, erklärt Engel. Durch den Anstieg der Volatilität wurden in weiterer Folge die Einschuss-Erfordernisse (Margin Requirements) durch die New Yorker Rohstoffbörse Comex und die Shanghai Gold Exchange erhöht, was zu einem weiteren Abgabedruck geführt hat. Auch die schwächeren chinesischen Wirtschaftsdaten – statt acht wuchs die chinesische Wirtschaft bis Ende März „nur“ um 7,7 Prozent – sorgten für sinkende Rohstoff- und Energiepreise bei Öl, Kupfer und Silber, was den Goldpreis weiter belastete. Zusätzlich hat Indien, als der weltweit wichtigste Gold-Importeur (etwa 27% der weltweiten Nachfrage) mit Jahresbeginn die Importsteuer auf Gold angehoben. Vor diesem wirtschaftlichen Hintergrund rechnet Engel mit einer weiteren Abschwächung des Goldpreises, wodurch eine Bodenbildung derzeit noch nicht absehbar scheint. „Die bisherige Unterstützungsmarke von 1.500 US-Dollar/Unze sollte sich in den kommenden Monaten als starker Widerstand für den Goldpreis erweisen und daher rechnen wir nicht, mit einem Überschreiten der Marke im ersten Halbjahr 2013“, so Engel.

M. Strausz, Ärzte Woche 22/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben