zur Navigation zum Inhalt
© K.-U. Häßler / fotolia.com
 
Praxis 3. Mai 2013

Fallen Sie nicht aus dem Rahmen

Eine VKI-Erhebung ergab bei Konto-Überziehungszinsen eine Bandbreite zwischen 4,6 und 13,75 Prozent. Fällt man aus dem Rahmen, kommen nochmals zwei bis sechs Prozent dazu.

Bei einer Überziehung von 1.000 Euro liegt der Unterschied zwischen dem teuersten Institut und dem günstigsten Angebot bei rund 90 Euro im Jahr. „Wer hohe zweistellige Zinsen bezahlt, für den kann sich ein Bankenwechsel lohnen“, raten daher die Experten des Vereins für Konsumenteninformation (VKI).

Während bei den Privatkrediten die Zinsen bereits vor geraumer Zeit gesunken sind, verdienen sich die heimischen Kreditinstitute bei Kontoüberziehungen nach wie vor ein schönes Körberlgeld. Denn wer aktuell ein Darlehen für ein Auto oder Wohnungseinrichtung benötigt, zahlt dafür ab fünf Prozent Zinsen, auf Girokonten liegen die Überziehungskonditionen hingegen vielfach im zweistelligen Bereich. Andererseits sind Guthaben im Schnitt mit bescheidenen 0,25 Prozent verzinst.

Geringer Habenzinssatz

Das kommt daher, dass die Überziehungszinsen für Gehaltskonten häufig fix sind und daher trotz der aktuellen Niedrigzinsphase auf dem hohen Niveau vor der Krise verharren. Die Guthabenzinsen hingegen waren für Kontoinhaber noch nie profitabel. „Die Banken haben wenig Interesse, dieses System zu ändern. Daher hat mehr als die Hälfte der Kontomodelle, die wir uns angesehen haben, fixe Sollzinsen“, betont der VKI. Was in Hochzinsphasen ein Vorteil ist, da die Überziehungszinsen nicht in lichte Höhen schießen, ist in der derzeitigen Niedrigzinsphase ein schwerer Kundennachteil, weil die Überziehungszinsen deutlich über den Kreditzinsen liegen. Auf dem Internbankenmarkt steht der Einwochen-Euribor-Zinssatz bei 0,083 Prozent und der im Kreditgeschäft verwendete 3-Monats-Euribor bei 0,22 Prozent. Die genannten Geldmarktzinsen sind jedoch für den Handel der Banken untereinander ausgelegt und nicht für die Privatkunden zu erzielen.

Atemberaubende Aufschläge

Bei den Aufschlägen, welche die Banken verlangen, zeige sich die Intransparenz des Zinssystems in ihrer ganzen Pracht, kritisieren die Konsumentschützer. Die Banken richten sich bei den Zinsanpassungen nach sogenannten Referenzzinssätzen. „Bei den von uns erhobenen Zinssätzen werden rechtlich nicht eindeutige Formulierungen wie `marktkonform`oder ìndividuell` für die Anpassungsmechanismen verwendet.“ Variable Zinssätze müssten hingen an einen für die Verbraucher nachvollziehbaren Referenzzinssatz gekoppelt werden. Nach der Anpassung – an welchen Referenzzinssatz auch immer – kommen aber noch die Aufschläge der jeweiligen Institute dazu und diese erweisen sich häufig als richtige Überraschungseier. Ein Beispiel: Sowohl die Volksbank Ried als auch die direktanlage.at-Bank legen den 3-Monats-Euribor als Referenzzinssatz für ihre Überziehungsprovision zugrunde. Erstere begnügt sich jedoch mit einem Aufschlag von 0,875 Prozent, während es bei der direktanlage.at satte 7,25 Prozent sind.

Kontowechsel oder Kredit

Um den hohen Kontoüberziehungszinsen zu entgehen, empfiehlt der VKI daher einen Kontowechsel zu Instituten, die faire Zinsen verrechnen (siehe Kasten) bzw. einen Privatkredit aufzunehmen. Diese haben allerdings den Nachteil, dass sie mit zusätzlichen Kosten verbunden sind und sich erst bei höheren Beträgen rentieren. Bleibt also als Hauptalternative der Wechsel zu einer günstigeren Bank.

Ein Blick ins Internet zeigte, dass es gar nicht so einfach ist, besonders bei den Großbanken, die Überziehungskonditionen zu ermitteln. „Unicredit und Oberbank verraten beispielsweise ihre Kontopaketpreise, aber hinsichtlich der Sollzinsen ist es mit der Transparenz nicht weit her“, kritisiert der VKI. Schließlich stießen die Konsumentenschützer bei der Unicredit auf einen Sollzinssatz von 13,25 Prozent für das Erfolgskonto, ebenso wie für die KontoBox Basis der BAWAG. Als günstigstes BAWAG-Angebot ermittelte der VKI einen Zinssatz von 8,5 Prozent für die KontoBox Flex, knapp darunter lag das Oberbank Vorteilskonto mit 8,25 Prozent. Auf Anfrage gab die Erste Bank einen Sollzinssatz von 9,5 Prozent bekannt.

Auskunftsfreudiger erwiesen sich hingegen die regionalen Anbieter, wie die Raiffeisenbanken. „Bei den kleineren Anbietern waren im Endeffekt auch die günstigsten Konditionen zu finden, aber auch die teuersten: Die Spannweite der Überziehungszinsen reichte von 4,625 Prozent bei der Volksbank Ried/Innkreis bis zu 13,75 Prozent bei der Volksbank Weiz und der Raika Korneuburg“, so der VKI. Klein sei also nicht automatisch fein, zumeist lohne es sich, regionale Angebote in einen Konditionen-Check mit einzubeziehen.

Bleiben Sie im Rahmen

Der Überziehungsrahmen wird häufig als Einkaufsreserve oder Liquiditätspolster bezeichnet. In Wirklichkeit handelt es sich hier bereits um Schulden gegenüber dem Kreditinstitut. „Kontolimit“ bedeutet, dass bis zu diesem Betrag die Überziehungszinsen gelten. Für Beträge, die über das Limit hinaus behoben werden, fallen zu den zweistelligen Überziehungszinsen noch weitere zwei bis sechs Prozent Zinsen an – die bei Weitem kostspieligste Alternative, wenn man sich über das eigene Konto finanziert. „Überprüfen Sie ihren Kontorahmen regelmäßig, denn die Limits werden von den Banken nicht selten verändert“, warnt der VKI. So wurde bei einem Erste Bank-Kunden dessen Überziehungsrahmen ungefragt und ohne entsprechende Information auf null gestellt. Die Begründung der Bank: Ab einem reiferen Alter der Kunden müsse man sich gegen einen möglichen Verlust des Geldes durch Todesfall absichern. „Abgesehen von der menschenverachtenden Haltung, die daraus spricht, scheinen die Limits allgemein völlig willkürlich festgesetzt zu werden“, vermuten die Konsumentenschützer. So erhielt ein Ehepaar, dass seine Online-Girokonten gleichzeitig eröffnete, bei identischen Ausgangsbedingungen völlig unterschiedliche Überziehungsrahmen: Dem Kontoinhaber wurde ein Liquiditätspolster von 4.000 Euro eingeräumt, seiner Partnerin hingegen der Überziehungsrahmen ungefragt auf null gestellt.

Der abschließende Tipp der VKI-Experten: „Wenn Sie ihr Konto nie überziehen, ist das kein Problem. Falls das aber öfter vorkommt, sollten Sie sich um eine entsprechende Einkaufsreserve kümmern, um die Kosten buchstäblich im Rahmen zu halten.“

Anmerkung

In einem Urteil aus dem Vorjahr hielt der Oberste Gerichtshof 12 Prozent Verzugszinsen für überhöht. Das betraf zwar keine Bank, es wäre daher interessant, wie die Höchstrichter über 13,75 Prozent Sollzinsen auf Girokonten urteilen.

Das richtige Konto finden

Auf Fixkosten achten: Nicht nur die Sollzinsen, sondern auch die regelmäßigen Fixkosten können nicht unerheblich sein. Die Bandbreite bei den Kontofixkosten lag zwischen 0 und 45 Euro/Quartal. Vor allem bei den Gratis-Girokonten sollte man daher auf die möglichen Extrakosten achten.

Was ist für Sie sinnvoll? Ein Girokonto ohne Extras gibt es fast nicht mehr. Die Kosten der Kontopakete sind stark von den inkludierten Leistungen abhängig. Was aber brauchen Sie persönlich? Kontoüberzieher sollten vor allem auf die Sollzinsen achten, Vielreisende auf eine gute Kreditkarte und wer vorrangig ein günstiges Konto haben will, für den stehen gute Habenzinsen und möglichst niedrige Kontoführungsgebühren im Vordergrund.

Fix oder variabel? Mehr als jedes zweite Kontomodell sieht fixe Überziehungszinsen vor. Besser wäre es eine variable Verzinsung zu wählen, die sich den Marktgegebenheiten anpasst.

Regionale Anbieter. Bei der Suche nach der richtigen Bank sollten auch kleinere, regionale Anbieter nicht außer Acht gelassen werden. Diese boten in der VKI-Erhebung sehr oft - wenn auch nicht immer - durchaus günstige Konditionen.

M. Strausz, Ärzte Woche 18/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben