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© Milan Vasicek/shutterstock.com
 
Praxis 25. April 2013

Wort-Gewäsch im Konjunktiv

Es gibt sie nicht nur für die Waschmaschine, sondern auch in der Soft-Kommunikation: die Weichspüler!

Die kuschelige Erfahrung in Gesprächen kehrt sich aber häufig ins Gegenteil um, wenn man ein bestimmtes Kommunikationsziel verfolgt, also zum Beispiel Menschen überzeugen möchte. Ist zu viel Wort-Weichspüler in der Sprachmaschine, bleibt häufig am Ende nur Unverständnis oder gar Streit.

„Eventuell würde ich vorschlagen – vielleicht könnten wir schon demnächst mit der Zahnbehandlung beginnen, oder?“ Das ist ein klassischer Weichspüler-Satz, der nahezu alle Komponenten enthält, um möglichst unklar zu kommunizieren. Selbstbewusst und eindeutig wirkt der Satz nicht, die Notwendigkeit einer Behandlung bleibt unausgesprochen. Das Problem: Dieser Satz lässt inhaltlich viel Spielraum für Interpretationen auf beiden Seiten. Wenn dabei während des Sprechens auch noch der Kopf gesenkt ist, die Stimme dünn und hauchig rüberkommt, die Arme hinter dem Rücken verschränkt sind, der Körper leicht hin und her tänzelt und der Blickkontakt fehlt, dann kann das angestrebte Kommunikationsziel niemals erreicht werden.

Weichspüler in unserer Kommunikation

Häufig entwickeln Menschen „Lieblingswörter“ bei den Weichmachern: eventuell, vielleicht, eigentlich, irgendwie, ein bisschen. Oftmals ist es den sprechenden Personen gar nicht bewusst, dass sie diese Wörter so häufig nutzen. In Verbindung mit dem Konjunktiv, also der Möglichkeitsform, werden Fakten weiter abgeschwächt. „Ich hätte da noch einen Vorschlag“ – damit nimmt sich der Sprecher sehr zurück, so etwas ist im beruflichen Kontext oftmals sogar hinderlich für die Karriere. „Ich habe einen Vorschlag“ trifft es klarer und direkter, wirkt aktiver und weniger zurückhaltend.

Die Krönung der Weichmacher

Die Entschuldigung vor dem Gesagten macht gleich klar: Ein sprachlicher Weichspüler ist am Werk. Dabei muss es nicht unbedingt das Wort „Entschuldigung“ sein. „Ich bin mir nicht sicher, ob es hier in die Diskussion passt“ – mit so einer Formulierung entlarvt sich jeder Diskussionsteilnehmer. Ähnlich mit einem nachgestellten „oder“, das in einer Frage endet, wie bei unserem ersten Beispiel mit der Zahnbehandlung. Die häufig gehörte These „Dumme Fragen gibt es nicht“ trifft hier nicht zu, denn die eigene Aussage wird durch eine unnötige Frage eben „infrage gestellt“ und damit der Ernsthaftigkeit beraubt.

Nicht immer schlecht

Wenn man sich in einem Gespräch langsam an ein Thema herantasten möchte, kann es durchaus sinnvoll sein, Weichmacher einzusetzen. Scheinbar paradox, doch es kommt immer drauf an, was das Kommunikationsziel ist. Wenn es beispielsweise um das inhaltliche Herantasten bei einem sensiblen Thema geht, kann der bewusste Einsatz von „vielleicht“ und „eventuell“ dem Gesprächspartner den Zugang zu einem Thema erleichtern. Auch die oben genannte Frageform ergibt dann durchaus Sinn, aber eben nur, wenn das Kommunikationsziel wirklich ein sanftes Hineingleiten in ein sensibles Thema ist.

Eventuell vielleicht mal drauf achten?

Oftmals werden Menschen nur deshalb missverstanden oder können nicht überzeugen, weil sie die Grundregeln der verbalen und nonverbalen Kommunikation missachten. Eine selbst angefertigte Audio- oder Videoaufnahme kann da manchmal Wunder wirken. Beachten Sie dabei aber die Persönlichkeitsrechte. Alle an einer Audio-/Videoaufnahme beteiligten Personen müssen zustimmen. Und wenn Ihnen selbst keine Weichspüler auffallen, spielen Sie die Aufnahme doch mal anderen Menschen vor. Sie werden erstaunt sein, welche Lieblingswörter sich bei Ihnen eingeschliffen haben, die Sie erst auf einer Aufnahme wahrnehmen!

Zur Person

Frank Wittke

Frank Wittke arbeitet als Trainer und Autor im Bereich Rhetorik und Führungskommunikation in Dortmund, Deutschland. Er hat Organisationspsychologie und Journalistik studiert und nach mehreren Jahren bei einer mittelständischen Wirtschaftsberatung das Trainingsinstitut „Qualit-Training“ gegründet. www.frank-wittke.de

F. Wittke, Zahnarzt 5/2013

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