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Praxis 15. April 2013

Kapitalmarktprognose für das zweite Quartal

Europäische Aktien bevorzugt, CEE-Wachstumsbelebung im zweiten Halbjahr.

Mit bemerkenswerten Aktien-Kursanstiegen im ersten Quartal 2013 wurden an einigen Börsen alte Höchstmarken anvisiert bzw. übertroffen. Die weltweit hohe Liquidität sowie die Erwartung einer Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte begünstigen das Anlageklima. Solange die Vorlaufindikatoren nicht wie 2012 nach unten gehen, ist eine Fortsetzung der freundlichen Kursentwicklung vorgezeichnet. Bei Unternehmensanleihen bleiben die Renditeaufschläge historisch niedrig, europäische Risikofaktoren bleiben die Regierungsbildung in Italien, das künftige Zypern-Geschäftsmodell und der Reformwiderstand Frankreichs.

In diesem wirtschaftlichen Umfeld rechnen die Analysten der Raiffeisen Bank International (RBI) mit einem Konjunkturaufschwung im zweiten Halbjahr. „Die konjunkturelle Entwicklung in Europa, aber auch in den USA, ist noch zäh. Zwar liefern die Vorlaufindikatoren, wie ISM- und Ifo-Index, laufend Hinweise über eine Stimmungsaufhellung bei den Unternehmen, doch „hard facts“, beispielsweise neue Auftragseingänge, lassen vorerst auf sich warten“, betont Peter Brezinschek, Chefanalyst von Raiffeisen Research. Schon vor Jahresmitte sollten die Nettoexporte erste Wachstumszeichen setzen und folglich auch die Investitionen ankurbeln. Der robuste Arbeitsmarkt und die für Arbeitnehmer erfreuliche Lohnentwicklung in den Kernstaaten der Eurozone um Deutschland sprechen für Aufwärtstendenzen beim privaten Konsum. „Die deutlich rückläufige Inflationsrate 2013 erhöht den Realeinkommensspielraum. Die Einkommenseffekte dürften aber erst 2014 so richtig zum Tragen kommen“, so Brezinschek. Die BIP-Prognosedaten für die Eurozone sehen mit minus 0,1 Prozent auf den ersten Blick verhalten aus, weil das erste Halbjahr recht zögerlich verlaufen dürfte. Insgesamt ist der Trend für die kommenden 12 bis 18 Monate aber nach oben gerichtet.

Europa gegenüber USA bevorzugt

Gemessen am amerikanischen Standard & Poor´s 500 (S&P 500-Index) dauerte ein durchschnittliches Hoch historisch gesehen knapp fünf Jahre mit einem durchschnittlichen Kursanstieg um 155 Prozent. Der aktuelle Aufwärtstrend begann vor fast genau vier Jahren. Seither legte der Markt um 130 Prozent zu. Daraus lässt sich schließen, dass der US-Aktienzyklus den Beginn seiner Reifephase erreicht hat.

Am europäischen Markt haben vor allem die Einbrüche der Unternehmensergebnisse in den Peripheriestaaten und des hochgewichteten Finanzsektors für eine mäßige Gewinnentwicklung gesorgt. „Vor dem Hintergrund des anhaltend freundlichen Finanzierungsumfelds und schwacher Arbeitsmärkte ist unmittelbar kein Ende der Aufwärtsbewegung bei den Gewinnen zu erwarten“, so Helge Rechberger, Chef der Aktienmarktanalyse bei Raiffeisen Research. „Die sehr hohen US-Margen sprechen auf längere Sicht dafür, dass in den USA mit unterdurchschnittlichen Gewinnwachstumsraten zu rechnen ist. In Europa ist hingegen angesichts des niedrigeren Ausgangsniveaus und des Konjunkturerholungspotenzials die Perspektive besser.“

Wiener Börse: 2.650 Punkte bis Jahresende

Die Wiener Börse entwickelte sich seit Jahresbeginn positiv, auch wenn man hinter den meisten westeuropäischen Pendants zurückblieb. „In Österreich rechnen wir ab dem Frühjahrsquartal mit leichter Wachstumsbelebung“, so Brezinschek, wobei es bei einem BIP-Wachstum von 0,5 Prozent bleiben wird. Bis Jahresende sollte der ATX auf 2.650 Punkte zulegen können. „Damit sprechen wir eine klare Kaufempfehlung für den österreichischen Markt aus.

Weiterhin heben wir die relative Attraktivität von Aktien gegenüber Anleiheinvestments hervor, liegt doch die durchschnittliche Dividendenrendite in Höhe von 3,2 Prozent für 2013 deutlich über der Rendite 10-jähriger Staatsanleihen von 1,65 Prozent“, erläutert Stefan Maxian, Chefanalyst der Raiffeisen Centrobank (RCB). Bis Ende Juni rechnet die RCB mit einem ATX-Stand von 2.560 Punkten, was einem Anstieg von rund acht Prozent entspricht.

Das auf den Gewinnen für 2013 basierende KGV beläuft sich aktuell auf 11,0. Die Österreich-Empfehlungen der RCB-Analysten lauten: CA-Immobilien, RHI und Flughafen Wien. Während sich CA-Immobilien und RHI auch im letzten Quartal unter den Top-Empfehlungen wiederfanden, wurde Flughafen Wien um Ostern von „Halten“ auf „Kauf“ hochgestuft. Für CA-Immobilien sprechen die Bilanzstärkung und Steigerung der Profitabilität. Ein ambitioniertes Verkaufsprogramm sollte heuer die Eigenkapitalquote um mehrere Prozentpunkte erhöhen. Maxian bewertet RHI weiterhin als attraktiv: „Die verstärkte Rückwärtsintegration sollte über eine geringere Kostenbasis das Ergebnis positiv beeinflussen. Im Jahresverlauf erwarten wir auch positive Meldungen zu Wachstumsprojekten in BRIC-Ländern“. Der Flughafen konnte Ende 2012 wegen über den Erwartungen liegenden Kostensenkungen positiv überraschen. Der leicht negative Passagiertrend in den ersten beiden Monaten sollte sich in Zukunft durch Auslaufen von Kapazitätskürzungen der Fluglinien verbessern.

CEE wächst ab dem zweiten Halbjahr

Die weitverbreitete Budgetkonsolidierung und der mäßige Anstieg der Realeinkommen belasten die inländische Endnachfrage in Zentral- und Osteuropa (CEE) schon seit Längerem. Nun sind auch die BIP-Daten in der Region mit wenigen Ausnahmen ins Minus gerutscht. Während in den meisten Staaten in Mittel- (CE) und Südosteuropa (SEE) derzeit die Wirtschaftsleistung schrumpft, haben die GUS-Länder noch Wachstumsraten zu verzeichnen. Die Rezession in der Eurozone drückt die Nettoexporte in den negativen Bereich. „Eine stärkere Wachstumsdynamik wird sich in CEE erst im zweiten Halbjahr abzeichnen“, so Chefanalyst Brezinschek.

Die BIP-Erwartung für 2013 beträgt für die Region CEE wie im Vorjahr 2,0 Prozent. Aufgrund der sehr niedrigen Renditen in der Eurozone hat das Interesse an CEE-Staatsanleihen deutlich zugenommen, wodurch das Renditeniveau gedämpft wurde. Die Research-Strategen rechnen mit überwiegend gleichbleibenden Staatsanleihenrenditen bis zur Jahresmitte. Gestützt wird diese Annahme von der Erwartung fortgesetzter Zinssenkungen aufgrund abnehmender Inflationsraten. Potenzial sehen die Experten dagegen auf den CEE-Aktienmärkten, für die Index-Anstiege zwischen vier und neun Prozent bis zur Jahresmitte erwartet werden. Performance-Spitzenreiter dürften nach Istanbul auch Bukarest und Wien sein.

CEE Top-Picks: MOL, LUKoil, Azoty Tarnów und PKO BP

In CEE sind die Ölwerte MOL aus Ungarn und LUKoil aus Russland sowie die polnischen Aktien Azoty Tarnów und die Bank PKO BP die Favoriten des RCB-Chefanalysten. Demzufolge ist der jüngste Kursrückgang von MOL fundamental nicht gerechtfertigt. „Aktuelle Kursniveaus sind attraktiv, was durch die Erwartung eines weiterhin robusten Rohölpreises, unterstützt wird“, so Maxian. LUKoil, das bei den Reserven weltweit zweitgrößte vertikal integrierte private Öl- und Gasunternehmen, notiert aktuell mit einem deutlichen Abschlag zu seinem engsten Vergleichsunternehmen Rosneft. Im polnischen Bankensektor empfiehlt Maxian die PKO BP zum Kauf, weil die Aktie zuletzt die anderen Bankentitel der Region übertraf. Der Düngemittelproduzent Azoty Tarnów ist aus der Konsolidierung der polnischen Chemiebranche als Profiteur hervorgegangen. Die Umsätze sollten sich vor allem durch steigende EU-Förderungen für polnische Landwirte in den nächsten Jahren positiv entwickeln. Die Ammoniak-Anlagen des Konzerns gehören zu den effizientesten weltweit.

M. Strausz, Ärzte Woche 16/2013

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