zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 15. April 2013

Bis zu 30 Prozent

Team-Tipps: wie Taubheit den Praxisgewinn drückt.

Um die 30 Prozent Praxisgewinn verschenken viele Ärzte. Warum? Weil sie nicht auf die Vorschläge aus ihrem Team hören, glaubt ein Betriebswirtschaftler.

Wenn niedergelassene Ärzte mehr auf ihre Patienten und Mitarbeiter hören würden, könnten sie sowohl ihre Arbeitsqualität als auch den Praxisgewinn erhöhen. Angesichts der Frustration über Faktoren wie das Vergütungssystem und die bürokratischen Belastungen vernachlässigen viele Praxisinhaber aber ihren individuellen Handlungsspielraum. „Sie kümmern sich zu wenig um das, was sie selbst tun können“, sagt Klaus-Dieter Thill, Leiter des Düsseldorfer Instituts für betriebswirtschaftliche Analysen und Strategie-Entwicklung. Thill hat 1.500 Praxisanalysen bei Allgemeinärzten und niedergelassen Internisten mit Blick auf die Praxisführung ausgewertet. Für vieles, was nicht optimal läuft, sind die Ärzte selbst verantwortlich, resümiert er. „Sie orientieren sich bei der Fehlersuche hauptsächlich an externen Einflüssen und kümmern sich kaum um die Möglichkeiten praxisinterner Verbesserungen.“

Außerdem gingen sie zu häufig davon aus, dass in der Praxis schon alles gut laufe. Nach der Auswertung der Praxisanalysen hatten erst zwölf Prozent der Inhaber die Praxisorganisation daraufhin überprüft, ob sie sich verbessern lässt. „Gleichzeitig gaben 68 Prozent an, dass die Abläufe bei größerer Belastung nicht mehr funktionieren“, so Thill.

Ein wesentliches Manko sieht er darin, dass Ärzte mit ihren Mitarbeitern zu selten über praxisrelevante Dinge reden. So gibt es nur in 34 Prozent der Praxen regelmäßige Besprechungen. Zwei Drittel der Medizinischen Fachangestellten (MFA) klagten über eine unzureichende interne Kommunikation und ihre negativen Folgen wie Doppelarbeiten oder Koordinationsprobleme. „Viele Praxisinhaber schreiben ihren Mitarbeitern in diesen Fragen zu wenig Kompetenz zu.“ Damit verschenkten sie viel Verbesserungspotenzial. Nach Angaben von Thill kannten die MFA bereits gut die Hälfte der Verbesserungsansätze, die das IFABS in den Praxen identifizierte. „Mit Verbesserungsvorschlag-Systemen könnte das Wissen nutzbar gemacht werden.“

Viele lassen noch eine Wissensquelle ungenutzt: die Patienten. In 48 Prozent der untersuchten Praxen gab es zwar Patienten-Befragungen, aber nur in 16 Prozent wurden die Ergebnisse auch genutzt. „Erhoben – ausgewertet – abgeheftet“, so kennzeichnet Thill den typischen Umgang mit den Befragungen. Das liege zum Teil daran, dass sie die Patienten-Befragungen als eine Anforderung des QM sehen, die sie erfüllen müssen, mit der sie sich inhaltlich aber nicht auseinandersetzen. Dabei enthielten gerade die freien Äußerungen der Patienten großes Potenzial – insbesondere dann, wenn sie in Beziehung zu den Einschätzungen der Praxismitarbeiter gesetzt werden.

Thill empfiehlt, für die Praxis einen Veränderungs- und Optimierungsplan. Der sollte auf drei Elementen fußen: der Auflistung der Stärken und Schwächen der Praxen aus Sicht des Arztes, der Vorschläge der MFA und der Anregungen der Patienten. Mit diesem Plan könnte die Basis für zufriedene Mitarbeiter und Patienten, eine höhere Produktivität, eine geringere Arbeitsbelastung und ein insgesamt besseres Betriebsergebnis gelegt werden.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben