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Praxis 30. Juni 2005

Kardiologie von Experten für Experten

Das neue Informationsmedium CO-MMENTARIUM bietet ab Oktober 2001 Evidence-based Medicine auf dem Gebiet der Organprotektion, Hypertensiologie und ACE-Hemmer-Therapie.

Im Rahmen der 32. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin wurde im Oktober 2001 in Innsbruck von Prof. Dr. Bernd Eber, Cardio Wels, und Andrea Petschenig, Produkt Manager, MSD, das neue Informationsmedium CO-MMENTARIUM "Consensus Austria" vorgestellt. Im Abstand von etwa zwei Monaten werden anerkannte österreichische Experten interessante Studien besprechen, deren Ergebnisse kritisch hinterfragen und Empfehlungen im Sinne einer Evidence-based Medicine für den klinischen Alltag aufstellen.

Fachliche Kooperation

In derselben Ausgabe des CO-MMENTARIUM werden der Experte und seine Abteilung präsentiert und somit Möglichkeiten für eine fachliche Interaktion und Kooperation geboten. Den Auftakt bildet die Meilen- steinstudie CONSENSUS I, deren Präsentation 1987 das Herzinsuffizienz-Management revolutionierte. Jetzt gibt es auch das 10 Jahres-Follow-up. Seit mehr als zwanzig Jahren sind Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer im klinischen Einsatz. Im Jahre 1987 konnte erstmals in einer großen, gut kontrollierten Studie, nämlich CONSENSUS I, eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität und Lebenserwartung sowie eine Reduktion der kardialen Dekompensation unter der Behandlung mit dem ACE-Hemmer Enalapril bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz nachgewiesen werden.

"Prof. Dr. Eugene Braunwald, der Doyen der internationalen modernen Kardiologie, zählt ACE-Hemmer zu den wichtigsten Substanzklassen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts", berichtete Prof. Dr. Bernd Eber, II. Interne Abteilung mit Kardiologie und Intensivstation, Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz, Wels, auf der 32. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin im Oktober 2001 in Innsbruck, wo der Startschuss für das neue Informationsmedium "CO-MMENTARIUM" erfolgte: "ACE-Hemmer stellen eine etablierte Therapieform bei Patienten mit arterieller Hypertonie, Herzinsuffizienz, diabetischen Komplikationen sowie hypertensiver Nephropathie mit Albuminurie dar. Die Ergebnisse von CONSENSUS I, SOLVD und vielen rezenten ACE-Hemmer-Studien belegen, dass die breite Anwendung dieser Substanzklasse durchaus gerechtfertigt ist."

CONSENSUS I-Studie

In der randomisierten, Plazebo-kontrollierten Doppelblindstudie CONSENSUS I (N Engl J Med 1987, 316:1429-1435) erhielten 253 Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz (NYHA IV) neben der damals konventionellen kardiologischen Therapie entweder Enalapril (Renitec®, MSD) 2,5 bis 40 mg einmal täglich oder Plazebo. Nach einem halben Jahr konnte in der Enaparil-Gruppe eine Reduktion der Gesamtmortalität um 40 Prozent beobachtet werden, nach einem Jahr um 31 Prozent.

Zusätzlich stellte die CONSENSUS Study Trial Group in der Therapiegruppe eine Verbesserung der NYHA-Klassifikation und eine signifikante Verkleinerung des Herzens fest. Bei der kumulativen Todeswahrscheinlichkeit zeigt sich in den ersten drei Monaten eine deutliche Dissoziation des Kurvenverlaufes von der Enalapril- und Plazebo-Gruppe. Ab dem dritten Monat weisen diese Kurven einen parallelen Verlauf auf.

Eber zu CONSENSUS I: "Diese Meilensteinstudie ist die erste Untersuchung, welche die Wirksamkeit von Enalapril (Renitec®, MSD) auf die Mortalität bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz nachwies. Der Effekt war bereits nach drei Monaten signifikant und umso größer, je stärker die vasoaktiven Hormonsysteme initial stimuliert waren. CONSENSUS I diente auch als Grundlage für die Evidence-based-Medicine, die Basis unseres täglichen ärztlichen Tuns. Die Studie unterstrich weiters die Bedeutung der niedrigen Anfangsdosis bei herzinsuffizienten Patienten. Jedoch sollte man versuchen, auf die maximal verträgliche und zulässige Dosis zu titrieren, um den größtmöglichen klinischen Nutzen zu erzielen." Im Jahre 1999 veröffentlichte K. Swedberg im Namen der CONSENSUS I Investigators die 10 Jahres-Analyse "Long- term survival in severe heart failure in patients treated with enalapril" (Eur Heart J 1999, 20:136-139). Stichtag für die 35 Zentren war dabei der 1. November 1996. Eber zum CONSENSUS I-Follow-up: "Die CONSENSUS I demonstriert am besten, wie saubere Untersuchungen auch über zehn Jahre fortgesetzt werden können - bei nur einem ?erlorenen?Patienten. Tatsache ist, dass nur fünf Enalapril-Patienten diesen Zeitraum überlebten, ein Beweis auch für die schlechte Prognose einer hoch-symptomatischen Herzinsuffizienz."

Übersichtsartikel zur EBM von ACE- Hemmern

Im Jahr 2001 veröffentlichten C. D. Furberg und B. Pitt einen Übersichtsartikel zur Evidence-Based-Medicine von ACE- Hemmern (J Am Coll Cardiol 2001, 37:1456-1460). Prof. Dr. Curt Furberg, der Mitte der 90er-Jahre die Kalziumantagonisten ins Wanken brachte, betonte in seinem Review, dass der Effekt, der durch eine bestimmte Substanz, zum Beispiel Enalapril, bei einer ausgewählten Patientengruppe erzielt werden konnte, nicht selbstverständlich als Klasseneffekt angesehen werden kann. Eber schließt sich dieser Stellungnahme an und meint dazu, dass die "me too"-ACE-Hemmer den Beweis ihrer Effektivität noch antreten müssten.

Dr. Wolfgang Steflitsch, Ärzte Woche 37/2001

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