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Praxis 30. Juni 2005

Forschung der etwas anderen Art

"Will man wirkliche Grundlagenforschung in der Allgemeinmedizin und nicht nur eine Art spezialistischer Schmalspurmedizin auf niedrigerem Niveau als die Spezialisten selbst betreiben, so sollte zunächst der Ausgangspunkt für die geplante Forschung sorgfältig geprüft werden", fordert Dr. Gustav Kamenski, Allgemeinmediziner in Angern an der March.

Kamenski sieht die Arbeiten des Allgemeinmediziners Prof. Robert N. Braun, der den Begriff der berufstheoretischen Forschung geprägt hat, als Grundlage der Praxisforschung. Hierzu zählen die Kasugrafie, die programmierte Diagnostik und seine weitreichenden Untersuchungen über die Häufigkeitsverteilung der Beratungergebnisse am unausgelesenen Patientgut der Allgemeinpraxis, sowie das Fälleverteilungsgesetz.

Kamenski: "Bei der Forschung geht es um die Schaffung reproduzierbaren Wissens. Darunter verstehe ich nicht die von außen an die Allgemeinmedizin herangetragenen Fragen z.B. aus der Pharmakologie, wie etwa Anwendungsbeobachtungen von Medikamenten. Zu solchen Untersuchungen ist kein wirklich neuer Forschungsansatz nötig, dadurch kommt es in der Allgemeinmedizin zu keinem spezifisch neuen Erkenntnisgewinn, man tritt damit nur weitere Jahrzehnte auf der Stelle und lenkt von Grundsätzlicherem ab. Die wichtigste Überlegung vor Beginn eines Forschungsprojekts ist die Wahl eines machbaren Themas, das auf dem soliden Boden der nachvollziehbaren Ergebnisse der Praxisforschung stehen sollte. Es muss um die Beantwortung wirklich grundlegender Dinge gehen, etwa um eine korrekte Bezeichnung und Klassifikation der Fälle in der Allgemeinmedizin, um Diagnostik und unser Verhalten dem Patienten gegenüber."

Kamenski sieht vielfältige Möglichkeiten Grundlagenforschung in der Allgemeinmedizin zu betreiben: Er zitiert weiterhin Braun, der zu bedenken gibt, dass man sich vor dem Beginn eines Projektes einmal klar werden muss, ob das Ziel von allgemeiner Bedeutung und erreichbar ist. "Bei einem Forschungsprojekt kommt den verwendeten Begriffen zur Klassifikation der Beratungsergebnisse eine ganz entscheidende Bedeutung zu. Gerade bei einer Untersuchung, die mehrere Praxen umfasst, muss der Inhalt der von den beteiligten Kollegen verwendeten Begriffe klar sein", so Kamenski.

Dafür sei es vorteilhaft die Datenerfassung prospektiv und mittels eines vorbereitenden Formulares oder Fragebogens vorzunehmen. Bei der Datenerfassung aus mehreren Praxen ist es unbedingt nötig, möglichst persönlich mit den teilnehmenden Kollegen zu sprechen und die Forschungsfrage und den Fragebogen im Detail zu erklären.

Bei umfangreichen Datenmengen aus der Praxisforschung ergeben sich weitere Probleme, die sich durch die komplexe und definitorisch anspruchsvolle Dateneingabe ergeben. Auch der nicht unerhebliche Zeitaufwand sollte hierbei bedacht werden. Oft wird es nötig sein, beispielsweise den Eingabeprozess zu delegieren. Ein geeignetes Computerprogramm ist weitere Voraussetzung.

Zum Schluss stellt sich noch die Frage nach der geeigneten Präsentation der fertigen Arbeit. Die Verwendung der englischen Sprache und der dabei manchmal auftretenden übersetzungstechnischen Fragen sind eine weitere Schwierigkeit, die es zu überwinden gilt. Kamenski ermutigt forschungswillige Kollegen: "Ich selbst habe gute Erfahrungen mit der Vorstellung meiner Arbeiten bei den European General Practice Research Workshops (EGPRW) gemacht, bei denen man auf eine aufgeschlossene und freundlich- kritische Kollegenschaft aus ganz Europa trifft."

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