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Praxis 30. Juni 2005

Wissenschaft und Forschung in der Allgemeinmedizin

Wien. Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Fach Allgemeinmedizin werden von anderen Fachrichtungen häufig ignoriert oder nicht so ganz ernst genommen. Andererseits aber helfen die Resultate der meisten unter klinischen Bedingungen ablaufenden Studien dem Arzt für Allgemeinmedizin kaum, wenn er einen bestimmten Patienten unter den besonderen Bedingungen seiner Praxis behandeln will. Das wollen engagierte Allgemeinmediziner jetzt ändern.

Ärzte sollen motiviert und geschult werden

Einerseits sollen Ärzte für Allgemeinmedizin motiviert und geschult werden, selbst wissenschaftliche Arbeiten in ihrem Arbeitsbereich (mit) zu verfassen, andererseits sollen sie auch lernen, medizinisch-wissenschaftliche Literatur zu verstehen und kritisch zu beurteilen.

Das dafür notwendige Know-How soll eine neue 4- bis 5-teilige Seminarreihe vermitteln, die von der Abteilung Allgemeinmedizin am Institut für Medizinische Aus- und Weiterbildung der medizinischen Fakultät der Universität Wien und der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) initiiert wurde und österreichweit stattfinden soll.

Die Kick-Off-Veranstaltung am 17. Februar wurde vom Zentrum der Allgemeinmedizin der Wiener Ärztekammer auf Initiative des Allgemeinmediziners Dr. Wolfgang Spiegel organisiert.

"Forschung in der Allgemeinmedizin ohne Verankerung in der Allgemeinmedizin ist nicht möglich", betonte Dr. Erwin Rebhandl, Präsident der ÖGAM. "Wir wollen die Kollegen ansprechen, ihr Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten wecken und sie zur Mitarbeit bewegen. Die Kollegen sollen lernen, wie man forscht und die Angst vor der Arbeit in der Forschung verlieren."

Dafür müssten aber erst geeignete Strukturen geschaffen werden, ein österreichweites Netzwerk von Forschungsschwerpunktpraxen und Kooperationen zwischen universitären Einrichtungen und Praxen.

Epidemiologie sieht nicht einzelnen Baum

"Die Epidemiologie kann Ihnen für die Praxis wenig helfen", bekannte Prof. Dr. Gerald Haidinger, Epidemiologe am Wiener Institut für Tumorbiologie- Krebsforschung. "Denn die Epidemiologie sieht nur den Wald und nicht den einzelnen Baum. Sie in der Praxis sehen hingegen nur den einzelnen Baum."

Um tatsächlich aussagekräftige Resultate liefern zu können, benötigten die Studien aus der Allgemeinmedizin aber eine ausreichende Basis, wozu der Zusammenschluss zu Netzwerken von Praxen notwendig sei. Denn die Ergebnisse aus einer einzelnen Praxis seien nicht auf andere übertragbar (Vorselektion der Patienten aufgrund der persönlichen Eigenheiten des Praxisinhabers, der sozioökonomischen Struktur des jeweiligen Einzugsgebietes, u.v.a.).

Ein Versäumnis der Vergangenheit wird jedenfalls demnächst geändert werden - zukünftigen Medizinern sollen bereits während des Studiums die Grundlagen und der Appetit auf einen ungehemmten Zugang zu Wissenschaft und Forschung vermittelt werden, berichtete Prof. Dr. Robert Trappl, Institut für Medizinische Kybernetik und Artificial Intelligence der Universität Wien. Er arbeitet gerade an der Endfassung des Curriculums von "Wissenschaft und Forschung", das neu in das Medizinstudium aufgenommen wird.

Studenten lernen, wie Wissen entsteht

In 3 verschiedenen Modulen (2., 5., 12. Semester mit Diplomarbeit) sollen die Studenten lernen, wie Wissen entsteht. Sie sollen unter anderem wissenschaftliches Arbeiten lernen, ebenso wie das Auffinden und die kritische Bewertung von wissenschaftlichen Daten. Gerade die letztgenannten Themen müssen aber alle Ärzte interessieren, denn die Verpflichtung, sich weiterzubilden und sein Wissen auf dem neuesten Stand der Wissenschaft zu halten, müsste allen Ärzten schon alleine im Interesse einer möglichst optimalen Patientenbehandlung am Herzen liegen.

Dr. Klaus Huber, Ärzte Woche 10/2001

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