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© Diego Cervo/shutterstock.com
Die innere Uhr funktioniert meistens.
 
Praxis 4. April 2013

Das Ticken der „Kopfuhr“

Den Wecker können Sie demnächst getrost in den Müll werfen – denn Sie haben bereits einen eingebauten: den inneren Terminkalender.

In der Wissenschaft wird diese Zeitmaschine als Kopfuhr bezeichnet. Allerdings kann man diesen Zeitmesser nicht einfach einschalten – die Kopfuhr muss trainiert werden. Dann ist Aufwachen zu einem festgelegten Zeitpunkt meist kein Problem!

Achtmal an den Bettpfosten klopfen und dann genau acht Stunden später aufwachen – der Volksglaube kennt viele Alternativen zum klassischen Wecker. Meist wird dabei gegen Wände oder Bettpfosten geklopft. Wissenschaftlich wurde das Phänomen bereits 1946 untersucht. Dabei ging es allerdings weniger um das Klopfen, sondern um die häufig damit verbundene gedankliche „Programmierung“ mit einer festgelegten Uhrzeit.

Der Schlüssel liegt in der Gedankenwelt

Offenbar hilft es, sich mit möglichst vielen Sinnen die angestrebte Weckzeit vorzustellen. Klopfen und mitzählen sind zwei Varianten. Eine andere, sich die Ziffern einer Uhr vorzustellen, die exakt die Weckzeit anzeigt. Mit bildlicher und auditiver Vorstellungskraft kann sogar vor dem geistigen Auge ein kleiner „Gedankenfilm“ entstehen, der folgendermaßen aussehen könnte: Zunächst zeigt die Uhr 22.00, nun fängt der Zeiger an zu drehen, achtmal dreht er sich – bei 6.00 Uhr angelangt, ertönt ein schrilles Klingeln! Mit allen Sinnen vorgestellt, und am besten noch kurz vor dem Einschlafen, also im so genannten Alpha-Zustand, müsste es nach einiger Übung am nächsten Morgen klappen: aufwachen ohne Wecker!

Auch für Geschäftsleute geeignet

Dieses System ist allerdings nicht nur für das Wecken in den frühen Morgenstunden geeignet. Auch im Geschäftsleben und in der Zahnarztpraxis kann diese Technik gute Dienste leisten. Hat man das System einmal verinnerlicht und funktioniert es – wie im Schlaf –, dann kann es gut ausgebaut werden, um sich an Geschäftstermine zu erinnern. Wichtig ist dabei immer das möglichst sinnliche Vorstellen des geplanten Termins – in Verbindung mit der Uhrzeit. Auch die Handlung direkt vor dem Termin kann ein ausschlaggebender Impuls sein. Viele Menschen benutzen diese Technik unbewusst. Gerade beim Zuziehen der Haustür kommen einem oft Gedanken wie: Ist der Ofen aus? Habe ich den Schlüssel eingesteckt?

Mentales Training

Auch im Sport sind diese Dinge seit Langem bekannt. Beim mentalen Training ist das wiederholte Vorstellen eines sportlichen Handlungsablaufs, ohne die Handlung aktiv auszuüben, ein wichtiger Bestandteil jedes Leistungssportlers. Oft basiert auf diesem „Gedanken-Training“ eine Verbesserung des tatsächlich ausgeführten Bewegungsablaufs. Die inneren Vorstellungskräfte können allerdings auch noch auf ganz andere Art und Weise trainiert werden. Selbst unsere Träume können offenbar mit unserer Vorstellungskraft und einem gewissen Maß an Training beeinflusst und in eine spezielle Richtung „gelenkt“ werden. Ganz ähnliche Methoden finden sich beim autogenen Training.

Den „echten“ Wecker als Sicherung einbauen

Nicht alle Menschen haben einen guten Zugang zu ihrer mentalen Stärke bzw. zu ihrer Gedankenwelt. Auch hier gilt – ähnlich wie beim autogenen Training: Es muss geübt werden, bis es klappt. Um auf Nummer sicher zu gehen, schadet es nicht, zusätzlich den Wecker zu stellen! Noch besser: Stellen sie ihn fünf Minuten nach der eigentlichen Kopfuhrzeit. Dann haben Sie ein morgendliches Erfolgserlebnis und die Möglichkeit, den „echten“ Wecker noch frühzeitig auszuschalten.

  

Zur Person

Frank Wittke

Frank Wittke arbeitet als Trainer und Autor im Bereich Rhetorik und Führungskommunikation in Dortmund, Deutschland. Er hat Organisationspsychologie und Journalistik studiert und nach mehreren Jahren bei einer mittelständischen Wirtschaftsberatung das Trainingsinstitut „Qualit-Training“ gegründet. www.frank-wittke.de

F. Wittke, Zahnarzt 4/2013

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