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Daten aus der Wolke – synchron auf allen Geräten.
 
Praxis 5. März 2013

Keine Patientendaten in die Cloud!

Schöne neue Datenwelt.

Alle Daten immer parat, ob in der Praxis, zu Hause, beim Kollegen oder auf dem Smartphone. Früher musste dafür der USB-Stick herhalten, heute gibt es die Cloud – und zahlreiche neue Probleme.

Was war es früher nicht für ein Umstand mit USB-Sticks, wenn man einen Vortrag für den Qualitätszirkel vorbereiten musste: Abends saß man am heimischen PC und hat seine Präsentation ausgearbeitet. Morgens kam sie auf den USB-Stick, damit man während der Mittagspause in der Praxis weiter an ihr feilen konnte. Zu guter Letzt landete die Powerpoint-Datei wieder auf dem USB-Stick, mit dem man sie gut gesichert zum abendlichen Vortrag transportiert hat.

Heute ist freilich alles anders, das Zeitalter der Cloud ist angebrochen. Keine nervenaufreibende Suche nach einem USB-Stick, „wolkenlose“ klare Sicht auf alle Dokumente, kurzum die neue freie Datenwelt, lautet das Heilsversprechen. Die Word-Datei mit einer Kasuistik, die man mittags in der Praxis bearbeitet hat, ist direkt auf dem iPad verfügbar und kann sogar von Kollegen bearbeitet werden.

Doch was wie ein neuer Segen daherkommt, kann Fluch zugleich sein. Denn den größtenteils kostenlosen Wolkenspeicher bezahlt man mit Einbußen beim Datenschutz. Die meisten Anbieter speichern die Daten nämlich im Klartext auf ihren Servern. Das macht sich auch der „Datenkrake“ Google zunutze: Das Unternehmen lebt davon, Dokumente seiner Nutzer zu scannen, um passende Werbung auszuspielen. Größte Skepsis ist ohnehin bei allen Anbietern mit Servern in den USA angebracht. Denn dort kann der Staat jederzeit auf die Dokumente zugreifen. Der Kampf gegen den Terrorismus ist der Schlüssel dafür. Auch das EU-Parlament warnt davor. In einem Gutachten über die Datensicherheit in der Cloud heißt es: „Europäische Bürger werden nicht ausreichend geschützt. Dieser Aspekt wird durch außergewöhnliche Maßnahmen im Namen der Sicherheit und des Kampfes gegen den Terrorismus verstärkt.“

Einen sicheren Anbieter zu finden, der höchsten Ansprüchen an Datensicherheit genügt, ist schwer. Das Fraunhofer-Institut für sichere Informationstechnologie (SIT) hatte bei einer Untersuchung zahlreicher Dienste „keine Lösung gefunden, die alle (...) Sicherheitsanforderungen erfüllt“. Der wichtige Ratschlag: Nutzer sollten einen Anbieter wählen, „der im europäischen Wirtschaftsraum beheimatet ist und nicht zu einem Unternehmen aus den USA gehört“.

Verschlüsselung empfohlen

Für Kollegen, die mit wolkigen Datenspeichern liebäugeln, gilt sowieso die wichtigste Devise: keine Patientendaten in die Cloud! Die haben dort nichts verloren, erst recht nicht, wenn sie Rückschlüsse auf eine Person zulassen.

Dennoch kann sich die Cloud lohnen, etwa für weniger sensible Daten und den Austausch mit Kollegen. Wer aber partout vermeiden will, dass Anbieter und Geheimdienste mitlesen, der muss den Cloud-Dienst genau auswählen.

Empfehlenswert sind außerdem Zusatzprogramme zur Verschlüsselung der Daten. Pioniere sind BoxCryptor und Cloudfogger, beide von deutschen Softwareschmieden. Die kleinen Tools verschlüsseln Dokumente vor dem Upload in die Cloud mit einem starken Schlüssel.

Nur der Anwender, der den privaten Schlüssel besitzt, kann die Daten auf anderen PCs, Smartphones oder Tablets wieder entschlüsseln. Ein Spion findet so nur Datensalat. Beide Tools sind kostenlos, BoxCryptor kostet für Gewerbe einmalig knapp 70 Euro.

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